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SCIENCE WASHING

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Wissenschaft überzeugt. Wenn Wirkung mit Nachweisen untermauert wird, mutieren bloße Marketingversprechen zu Wahrheit. Das gilt auch im Bereich Hautpflege. So ist es kaum verwunderlich, dass Clinical Skincare 2021 allein in den USA einen Anteil von 34 Prozent an den Verkäufen im Segment Luxuskosmetik ausgemacht hat. Aber wieviel davon basiert tatsächlich auf einem wissenschaftlichen Fundament – und was ist reines Science Washing?

Prolog: Dasselbe, nur nicht in Grün

Es ist ein wenig wie ein Backflash: Als die Naturkosmetik zum Wachstumsmarkt innerhalb der Beautybranche avancierte, wurden viele konventionelle Produkte vermeintlich grün. Man warb  plötzlich mit natürlichen Rohstoffen, obwohl sich maximal eine Handvoll davon in den Rezepturen befand, und die Basis nach wie vor auf Mineralöl basierte oder synthetisch konserviert wurde. Für Verbraucher kaum auszumachen, beteiligten sich naturnahe Marken am Wachstum und sogar chemisch basierte Rezepturen ließen sich mit ein paar Tropfen Öl oder einem Pflanzenextrakt als Bio Beauty deklarieren. Das Green Washing war geboren.

Im Dienste der Wissenschaft?

Wie bei allen erfolgreichen Konzepten besteht die Gefahr von (schlechter) Nachahmung – und jeder möchte gern ein Stück vom Kuchen abhaben. Notfalls eben mit unlauteren Mitteln. Beim Science Washing reichen die Möglichkeiten von Versprechen, die über tatsächliche Nachweise hinausgehen, von Erklärungen, welche die Wissenschaft gar nicht liefern kann, bis hin zu nur scheinbar fundierten Aussagen, deren Inhalt nicht kritisch hinterfragt wird. Auch beliebt: Die Expertise von Persönlichkeiten, gern mit Doktortitel, deren Fachgebiet völlig außerhalb der umworbenen Thematik liegt. Und der Einsatz technischer Floskeln, die ebenfalls wenig bis gar nichts mit dem eigentlichen Kontext zu tun haben. Science Washing treibt vielfältige Blüten – denn seine Wirkung als Kaufanreiz ist ja praktisch „wissenschaftlich erwiesen“…

Aussagekräftig?

Apropos wissenschaftlich erwiesen: Auch wenn diese vage Wirkaussage stimmen mag, macht sie die Wirkintensität längst nicht transparent und kann zudem von minimal sichtbaren Ergebnissen bis zu deutlicher Verbesserung reichen. Und die Höhe des Maßes ist im Grunde ja auch völlig subjektiv. Einen echten Maßstab gibt es nicht, und somit bleibt viel Raum für Interpretation. Damit sind die Spiele praktisch eröffnet.

Oberflächliche Verlockungen

Das Erzielen von Aufmerksamkeit ist im Marketing fundamental. Ohne dass sich eine Botschaft unter hunderten abhebt, wird sie gar nicht erst wahrgenommen. In Zeiten von Social Media, wo ein Post oder Video nur Sekundenbruchteile hat, um uns zum Verweilen zu bewegen, sind click-baiting Headlines fast unumgänglich. Und in einem 15 bis 30 Sekunden Reel lassen sich Halbwahrheiten schnell verkaufen. Selbst mit einem Basis-Verständnis für kosmetische Inhaltsstoffe, kann kaum jemand hier Science-Washing auf den ersten Blick erkennen. Vor allem jene User, die sich vermeintlich mit INCIS auskennen, tappen bei cleveren Claims gern in die Falle: Zum Beispiel, wenn bewährte Hautpflege-Zutaten plötzlich in der Haarpflege gehighlighted werden, wo sie lediglich als pH-Wert-Regler fungieren – so zum Beispiel Vitamin C. Sehr beliebt ist zudem, aus Studienergebnissen nur jene Aussagen herauszupicken, die für vermeintliche Käufer die Kirsche auf der Sahnetorte darstellen. So gering deren Effekt auch sein mag. In den meisten Fällen sollte uns ohnehin klar sein, dass kosmetische Produkte keine pharmazeutischen Erzeugnisse sind. Es gibt Limits für ihr Leistungsspektrum.

Experten, die keine sind

Ein kurzer Exkurs: Im August 2022 wurden deutsche Schüler befragt, welche Informationsquellen sie für glaubwürdig halten. Auf Rang 1, noch vor ihren Lehrern, rangierte Youtube(!). Auch wenn es hier keine unmittelbare Korrelation zu Kosmetiknutzern gibt und die befragte Personengruppe relativ jung war, zeichnet sich eine wachsende Problematik in unserer Gesellschaft ab: Praktisch jeder hat die Möglichkeit, über das Internet Informationen zu streuen und jeder kann diese empfangen. Im Grunde ungefiltert. Jeder kann sich ohne fachlichen Background als vermeintlicher, selbst ernannter Experte aufstellen. Mit der Nutzung akademischer Titel verhält es sich ähnlich: Wir verbinden damit automatisch ein hohes Level an Know-how. Doctor-Brands, die diese Bezeichnung nur im Namen tragen, erzeugen damit eine glaubhafte Wirkung. Ebenso verhält es sich mit Personen, die einen Arzt-Titel aus einem völlig anderem Fachbereich tragen. Kompetenz in Sachen Hautpflege garantiert beides nicht…

Vorsicht bei Trendwirkstoffen

Gerade in Verbindung mit Trends und gehypten Beauty-Essentials besteht oft die Gefahr, dass Zutaten völlig unabhängig von ihrer Verwendung regelrecht vergöttert werden. So gelangen Rohstoffe fast schon zwanghaft in Rezepture, die auch ohne das neue Zaubermittel funktioniert hätten (oder eben genau so wenig). Oder es werden unter Zeitdruck Formulierungen ins Leben gerufen, die nicht wirklich ausgereift sind. Die Folge: Der Markt füllt sich mit Produkten, die sich kaum unterscheiden, oder die mittels Name-Dropping auf einer Trendwelle mitschwimmen.

Hier spielen Hersteller auch gern das Kategorien-Ass aus: Rohstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften werden als Vertreter derselben Stoffgruppe unter einen Hut gesteckt. Geworben wird so zum Beispiel mit einem hohen Gehalt an Retinoiden, während dem Käufer der Unterschied zwischen beispielsweise Tretinoin und Retinalaldehyd gar nicht bewusst ist. Ein vergleichsweise mildes Derivat wird so als extra wirksam verkauft. Andersherum wird vermittelt, dass ein hoher Anteil bestimmter Stoffe besonders wirksam sei – obwohl eine hohe Konzentration gleichzeitig auch ein erhöhtes Potential für Irritationen bedeuten kann. Der bloße Einsatz einer Zutat oder eine alleinstehende Zahl geben leider noch keinen verlässlichen Anhaltspunkt, ob ein verwendeter Rohstoff wirksam ist oder nicht – und auch nicht, ob er ein guter oder schlechter Kandidat im jeweiligen Kontext ist.

Fazit

Wissenschaft hat Grenzen und funktioniert nur da, wo sie spezifisch und relevant ist. Bevor man zum neuen Super-Serum m Regal greift, dass 80 Prozent der Mimikfalten in nur 30 Tagen verschwinden lässt, lohnt ein Blick ins Kleingedruckte. Was verbirgt sich hinter den Sternchen? Welche Studien wurden konkret über welchen Zeitraum und mit welcher Anzahl von Probanden durchgeführt? Bezieht sich die angegebene Zahl auf eine Wirkstoffstudie? Und wurde eben dieser Wirkstoff im Produkt auch in derselben Konzentration eingesetzt wie in der Studie? Die detaillierten Antworten liefert kein Verpackungsaufdruck und auch kein Beipackzettel, sondern kann in den meisten Fällen nur beim Hersteller erfragt werden. Inwiefern sich dieser allerdings in die Karten schauen lässt, ist fraglich. Aus Verbrauchersicht wäre die Veröffentlichung von Wirkstoffanteilen und Wirksamkeitsstudien wünschenswert. Wobei selbst dann das Thema immer erklärungsbedürftig bliebe. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Zeiten „geheimer Wirkkomplexe“ immerhin der Vergangenheit angehören und uns heute Informationen zur grundsätzlichen Zusammensetzung von Formulierungen vorliegen. Und immerhin: Der Trend zu Clinical Skincare oder Science Beauty führt mit all seinen Nebeneffekten zu einem Anstieg der Transparenz. Ein erster Schritt, Informationen zur Wirksamkeit mit Konsumenten zu teilen, ist also getan.

Es geht auch anders

Unser Beitrag mag einen negativen Beigeschmack haben, was das Vertrauen in Science Beauty betrifft. Dabei soll er Euch Wirkstoffpflege keinesfalls vermiesen – ganz im Gegenteil. Er soll Euch ermutigen, näher hinzuschauen, zu hinterfragen und auch mal hinter die Kulissen zu blicken. Es gibt natürlich auch positive Beispiele, wie wir Euch anhand von oceanwell gern aufzeigen möchten:

Die oceanBASIS GmbH ist, zusammen mit ihrem Schwesterunternehmen Coastal Research & Management (CRM) und renommierten Meeresforschungsinstitutionen seit vielen Jahren in der angewandten Meeresforschung tätig. Bereits im Jahr 2000 haben sie die erste Algenfarm Deutschlands in der Kieler Förde etabliert. Aus wissenschaftlicher Forschung entstand dann die Idee, Meereswirkstoffe und insbesondere Algen auch für den Menschen nutzbar zu machen. Und das in wirksamer Form, wie Dr. Inez Linke, Managing Director der oceanBASIS GmbH verrät: „Unsere Produkte enthalten einen hohen Meeresalgen-Extraktanteil von 5 % bis zu 36 %. Auch der Anteil an natürlichem  Meerwasser ist sehr groß – bis zu 50 %. In unseren verschiedenen Forschungsprojekten gelangen  wir an viele spannende Ergebnisse über die Wirksamkeit von einzelnen Algeninhaltsstoffen, die das große Potential für die Zukunft zeigen. Darüber hinaus haben wir an fertigen Oceanwell-Produkten auch Dermateststudien durchführen lassen.“

Algen-Wirkstoffe stehen dabei im Zentrum der langjährigen Forschungstätigkeiten und sind ein wahres Wirkstoffwunder für die Haut: Sie speichern in hochkonzentrierter Form Mineralien und Spurenelemente aus dem Meer: „1 Kilogramm Algen können Wirkstoffe aus bis zu 10.000 l Meerwasser enthalten“, erklärt Inez Linke. „Hinzu kommen spezielle Algenzucker, Aminosäuren mit UV-Schutz, Vitamine und Polyphenole.“  Und das ist noch nicht alles: “Meereskosmetik hebt sich innerhalb der Naturkosmetik hervor, da die Inhaltsstoffe durch den evolutionären Vorsprung der Meerespflanzen komplexer an Stressfaktoren angepasst sind als die der Landpflanzen. Extrem wirksame Feuchtigkeitsbinder, die die Austrocknung der Algen bei Ebbe verhindern, sorgen auch in der Kosmetik dafür, dass die Haut länger Feuchtigkeit speichern kann. Darüber hinaus sind die Mineralstoffzusammensetzung des Meerwassers und die des menschlichen Blutserums nahezu identisch. Die im Meerwasser enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente werden von den Algen organisch gebunden und können in dieser Form gut von unserer Haut aufgenommen werden. Äußere und innere Anwendungen mit Algen besitzen daher eine besonders hohe Wirksamkeit“, führt Inez Linke begeistert fort.

Kein Wunder also, das man nach typischen Trendwirkstoffen bei oceanwell vergeblich sucht: „Frei nach dem Motto ‚Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile‘ bleiben wir unserem Grundsatz treu, unseren Algen-Extrakt mit seinem Wirkstoff-Strauß als Basis-Wirkstoff in unseren Produkten einzusetzen.  Viele Trend-Zutaten versprechen Wirkungen, die unser Meeresalgen-Extrakt längst kann. Natürlich sind wir neuen Entwicklungen gegenüber auch offen und sind zudem in stetem Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden, um deren Wünsche in neue Produktentwicklungen miteinzubinden“, versichert Inez Linke. So funktioniert Wissenschaft ganz unverwaschen.

Epilog: Die Sache mit der Romantik

Ein Aspekt, der nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Science Washing steht, ist das Storytelling: Das Erzählen einer Geschichte von Helden, Blumen und ewiger Schönheit, die ganz tief in uns ganz spezielle Bedürfnisse weckt. Wir WOLLEN diese Erzählungen, und dass Marketing uns faszinierende Bilder malt, denn Kosmetik hat ja auch etwas sehr Emotionales. Neben wissenschaftlichen Fakten, die unser Großhirn unmittelbar ansprechen und im Idealfall sowohl korrekt, als auch zu verarbeiten sind, wünscht sich unsere Seele Streicheleinheiten - eine imaginäre Verpackung in Wort und Bild. Fundierte Aussagen reichen in den meisten Fällen also gar nicht, um uns von einem Produkt zu überzeugen. So ist auch abseits von Science Washing ein Beauty Business ohne Stories beinahe unmöglich.

HELDENEPOS: Die Liga der Rohstoff-Heroes

Keine Rezeptur ohne Zutaten – und keine Science Beauty ohne Rohstoffe mit Wirkstoffnachweis. Wir hatten schon immer den Anspruch an kosmetische Inhaltsstoffe, dass diese auch Effekte erzielen. Und zwar sichtbar, spürbar und im besten Fall auch messbar. Vorhang auf für moderne INCI-Helden, die aktuell im Trend liegen und richtig was draufhaben.

Q10, Hyaluron und Co. waren die Helden ihrer Zeit. Bis heute sind sie aus kaum einer Gesichtspflegelinie wegzudenken. Doch obwohl sie teilweise Upgrades, wie zum Beispiel angepasste Molekülgrößen, bekommen haben, kann man damit heute niemanden mehr wirklich beeindrucken: Die Heros von damals sind Mainstream geworden und werden von neuen Zutaten verdrängt, die es derzeit prominent aufs Packaging schaffen.

Trend-Kosmetik von heute wirbt mit Bakuchiol, Niacinamid und Stammzellen, fermentierten Rohstoffen und liposomaler Verkapselung. Hier erfahrt Ihr, was dahintersteckt.

Bakuchiol

Es gilt als DER Ersatzstoff für das gehypte Retinol. Die Zusammensetzung der beiden ist grundverschieden, während sich ihre Wirkung durchaus ähnelt: Bakuchiol stimuliert die sogenannten Retinoid-Rezeptoren, welche für die Synthese von Kollagen verantwortlich sind. Auch die Zellerneuerung in der Epidermis wird aktiviert und damit die Glättung der Hautoberfläche. Bakuchiol ist allerdings deutlich verträglicher als das klassische Retinol – und noch dazu rein pflanzlich. Kein Wunder, dass es den Beinamen „Bio-Retinol“ trägt.  Mehr zu Bakuchiol erfahrt Ihr hier.

Mattenbohnenextrakt

Nicht nur Bakuchiol, sondern auch ein Wirkstoff, der aus dem Samen der Mattenbohne gewonnen wird, gilt als pflanzliche Alternative zu synthetisch hergestelltem Retinol und sorgt für einen natürlichen Lifting-Effekt.  Er fördert intensiv die Hauterneuerung, glättet die Haut und lässt sie ebenmäßiger erscheinen. Zudem beugt er DNA Schäden vor, die durch UV-Licht und andere schädliche Umwelteinflüsse hervorgerufen werden.

Spilanthol

Auch für das Anti-Falten-Wunder Botox gibt es eine pflanzliche Alternative: Bei Spilanthol handelt es sich um einen pflanzlichen Wirkstoff, der vorwiegend in Parakresse enthalten ist. Wie sein konventionelles Vorbild hat es eine leicht betäubende Wirkung und einen Entspannungseffekt auf Muskeln. Allerdings lässt es diese nicht „einfrieren“ und ist weniger langanhaltend in seiner Wirkung, die auch nicht durch Injektion, sondern schlichtweg durch das Auftragen auf die Haut erreicht wird. Mehr zum „Bio-Botox“ Spilanthol verraten wir Euch hier.

Astaxanthin

Astaxanthin ist ein wahrer Power-Wirkstoff. Es ist eines der stärksten Antioxidantien – jedoch kein „gewöhnliches“:  Das Carotinoid wird vornehmlich aus Algen gewonnen. Aufgrund seiner molekularen Struktur ist es sehr gut fettlöslich und lässt sich in reichhaltigen Rezepturen bestens verarbeiten. Da auch die Haut einen hohen Lipidanteil hat, wird Astaxanthin sehr gut von ihr aufgenommen. Mit seinen sowohl hydrophilen (wasserliebenden) als auch lipophilen (fettliebenden) Bestandteilen, kann es den Teint und seinen Hydro-Lipid-Film effektiver als die meisten anderen Antioxidantien schützen. Darüber hinaus hemmt es Kollagen abbauende Enzyme, die bei Stress aktiviert werden und wirkt bei Hyperpigmentierung.

Niacinamid

Niacinamid ist die aktive Form von Vitamin B3. Es ist über seine beiden Energiebausteine NAD+ und NADP+ an etlichen Vorgängen im Körper beteiligt und dient vor allem zwei Dingen: Der Regeneration und dem Zellschutz. In der Kosmetik hilft es insbesondere der Hautbarriere und trägt zu deren Schutzfunktion bei. Außerdem stimuliert es die Kollagenproduktion und unterstützt die Bildung hauteigener Ceramide. Vor allem anspruchsvolle Haut, die sehr sensibel ist oder unter Entzündungen oder Rosacea leidet, kann mit Hilfe von Niacinamid auf natürliche Weise wieder zu ihrer gesunden Funktionalität zurück gelangen.

Ectoin

Ectoin ist ein Aminosäurederivat, welches als Überlebensselbstschutz extremophiler Bakterien in lebensfeindlicher Umgebung fungiert. Ein Schutzschild und Reparaturwunder. Ectoin stabilisiert und repariert nachweislich die Hautschutzbarriere und erhöht die Feuchtigkeitsversorgung der Haut. Mehrere Studien bestätigen seine Wirksamkeit, zum Beispiel im Hinblick auf den Zellschutz und die Reduzierung von Entzündungsreaktionen. Darüber hinaus beruhigt das Aminosäurederivat gereizte und irritierte Haut und reduziert sichtbar die Zeichen vorzeitiger Hautalterung. Außerdem bietet es einen Lichtschutz. Mehr zu diesem Alleskönner.

Spermidin

Habt Ihr den Begriff Garb’Ageing schon mal gehört?  Hierbei geht es um die Anhäufung von Zellabfall und die abnehmende Fähigkeit des Körpers diesen abzubauen oder die sogenannte Autophagie zu betreiben. Letztere ist für ein Gleichgewicht zwischen der Produktion neuer und dem Abbau alter Zellbestandteile notwendig. Durch eine Zuführung der natürlichen Substanz Spermidin aus Kürbis kann der Upcycling-Prozess reaktiviert und verstärkt werden. Es sorgt konkret dafür, dass die Mitochondrien als Energielieferanten der Zellen gestärkt werden, sich Stress reduziert, Detox-Prozesse aktiviert und neue, gesunde Zellen produziert werden.

Pflanzliche Stammzellen

Diese kleinen Dinger, sind hoch talentiert: Stammzellen können sich zu verschiedensten Zelltypen entwickeln. Solche Alleskönner haben wir sogar ein Leben lang im Körper. Sie sind zum Beispiel dafür verantwortlich, dass sich unsere Haut regelmäßig erneuert. Mit zunehmendem Alter nimmt ihre Anzahl jedoch ab. Pflanzliche Stammzellen schaffen Abhilfe und können die Lebensdauer unserer hauteigenen Stammzellen signifikant erhöhen. Verschiedene Pflanzen kommen als „Spender“ der Zellen in Frage und bringen unterschiedliche Talente mit. Hier erfahrt Ihr Details.

Liposomale Verkapselung

Manchmal sind Wirkstoffe keine Lonesome Rider: Die Kombination von Naturstoffen in liposomalen Formulierungen gilt als besonders effektiv: Sie können besser vom Körper aufgenommen werden, da sie unserem Biosystem besonders ähnlich sind. Um Wirkstoffe effektiv in die Haut zu bringen, bieten spezifische Transportvehikel effiziente Möglichkeiten. Das können Liposomen aus pflanzlichem Lecithin sein, oder eine Biomembran, die aus Phosphatidylcholin gebildet wird. Bei letzterem handelt es sich um einen köpereigenen Bestandteil jeder menschlichen Zelle. Es bildet kugelförmige Membranen oder auch Vesikel – wobei wasserlösliche Wirkstoffe im Inneren eingeschlossen und fettlösliche in die Membran eingebettet werden. Die Vesikel gelangen bis in die interzelluläre Schicht des Stratum Corneum und sorgen dadurch für eine deutlich bessere Penetration der Wirkstoffe. Aber Vorsicht: Nicht jede Haut verträgt es, wenn kosmetische Zutaten plötzlich verkappt ins Innere geschleust werden!

Fermentation

Als Fermentierung oder Fermentation bezeichnet man die enzymatische Umwandlung organischer Stoffe. Sie wird meist durch die Zugabe von Zellkulturen wie Pilzen oder Bakterien herbeigeführt. Natürliche Mikroorganismen sind in der Lage Nährstoffe zu bilden, die sich chemisch gar nicht oder nur schwer herstellen lassen. Wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die Pflanzen zum Schutz gegen Keime, Umwelteinflüsse und andere Belastungen ausbilden, werden konzentriert und in kleine Moleküle zerlegt. Die Fermentation macht sie besonders „bioverfügbar“ – das heißt, sie können besser absorbiert und leichter vom Körper aufgenommen werden. Die Fermentation schafft es sogar, Allergie auslösende Proteine in nicht allergene Stoffe umzuwandeln. Für den Einsatz fermentierter Zutaten auf der Haut gilt: Vitalstoffe können dank der verbesserten Aufnahmefähigkeit schneller wirken und sind besonders verträglich. Fermentierte Kosmetik soll außerdem dazu führen, dass die Produktion der körpereigenen Hyaluronsäure in der Haut angeregt wird. Hier lest Ihr mehr darüber.

BEAUTY TRIFFT WISSENSCHAFT – und was passiert in den Läden?

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Science Beauty, also die Verbindung von Schönheit und Wissenschaft, trifft die Anforderungen der Tendenz zu „Skinimalism“ auf den Punkt. Mehr Effizienz statt mehr Produkte, Können statt schöner Schein. Damit werden auch Wirknachweise immer wichtiger…und die persönliche Beratung.

Dass Seriosität im Namen steckt, reicht versierten Beautyfans heute nicht mehr. Science Washing zeigt, dass allein auf Titel, Claims und Werbeversprechen nicht unbedingt vertraut werden kann. Dabei ist der Wunsch nach Wirksamkeit doch wirklich nicht zu hoch gegriffen – und viele Verbraucher:innen fragen danach. Das haben auch unsere Gespräche mit Inhabern zweier etablierter Beauty-Stores bestätigt:

Wie wichtig ist das Thema Science Beauty aus Ihrer Sicht?

Melanie Krawinkel, Inhaberin CURANTUS  Sehr wichtig, geht es doch um hochwertige Naturkosmetik und den Verzicht auf unnütze, bedenkliche Inhaltsstoffe und trotzdem hervorragende Wirkungen zu erzielen. Das ist mir in der Auswahl der Marken für CURANTUS sehr wichtig.

Dr. Christina Kraus, greenglam.de und greenglam.the store Ich finde Science Based Beauty sehr wichtig und unsere Kund:innen auch. Sie wollen Kosmetik, die wirksam ist und haben oft schon vieles ausprobiert. Sie möchten wissen, was in dem Töpfchen drinnen ist und wie genau es wirkt. Auch ist es Ihnen wichtig, was nicht drinnen ist – ob das Produkt vegan oder „clean“ ist.

Eine solche Beratung steht und fällt natürlich mit dem Gegenüber. Melanie Krawinkel von CURANTUS ist seit über 30 Jahren in der Kosmetikbrache tätig und bringt aus sämtlichen Bereichen umfassende Erfahrungen mit.

Auch Frau Dr. Kraus hat das nötige Hintergrundwissen, um konkrete Fragen zu beantworten – auch was die Vereinbarkeit von Nature und Science betrifft: „Ich persönlich komme aus der Wissenschaft, habe mein Doktorarbeit über die pharmakologische Wirkung von Samoanischen Medizinalpflanzen geschrieben und sehe überhaupt keinen Konflikt zwischen Naturkosmetik und Wissenschaft. Die Natur und damit die Pflanzen produzieren nicht Stoffe nach Lust und Laune – die pflanzlichen Inhaltsstoffe haben alle einen Sinn für die Pflanzen. Die dienen dem Überleben und der Fortpflanzung, sind meist spezialisierte und hochkomplizierte Moleküle. Die Wissenschaft hat hier die Natur schon übernommen und in Trial and Error Experimenten à la Darwin die Stoffe auf Wirksamkeit optimiert – der am besten geeignete überlebt“, so die Expertin. Wobei viel verwendete Rohstoffe natürlich nicht unbedingt im Trend liegen. Und gerade die Hero-Zutaten (Link Beitrag) werden letztlich häufig nachgefragt.

Sind Ihre Kund:innenn an Kosmetik mit Wirknachweisen interessiert und fragen konkret danach? Wie kritisch fragen sie nach?

Melanie Krawinkel, Inhaberin CURANTUS Unsere Kunden, sind sehr interessiert an hochwertiger Kosmetik mit sehr guter Wirkung und dementsprechenden Ergebnissen, sie fragen kritisch und explizit nach –  so wie wir das auch tun.

Dr. Christina Kraus, greenglam.de und greenglam.the store  Es kommt täglich vor, dass unsere Kund:innen nach Produkten mit einem bestimmten Wirkstoff fragen, nicht wie früher nach einer Marke. Heute fragt man oft: Ich suche ein Produkt mit Retinol, msm, Hylauronsäure, Niacinamid usw.  Viele unserer Kund:innen sind sehr gut informiert, haben ein großes Interesse an Hautpflege und erwarten wirksame Produkte.

Welche Wirkstoffe sind aktuell Ihre Heroes in Sachen Wirksamkeit? Und gibt es hier auch Trends, die eher „heiße Luft“ sind?

Melanie Krawinkel, Inhaberin CURANTUS Meine drei Heros in Sachen Inhaltsstoffe sind nach wie vor, Hyaluronsäure, Vitamin c und Retinol, eingebettet in eine individuell passende Pflegeroutine. Das ist meines Erachtens sehr wichtig, um die gewünschten Erfolge zu erzielen. Des weiteren ist Parakresse ein großartiger Inhaltsstoff, um die Haut zart, gesund und prall aussehen zu lassen.

Dr. Christina Kraus, greenglam.de und greenglam.the store  Am besten belegt sind die Wirksamkeit von Vitamin C und Retinol, dazu kommt Hyaluronsäure und Niacinamid. Heiße Luft wurde ich nicht sagen – die meisten sind effektiv, aber die wenigsten können alles oder sind für alle Hautprobleme geeignet.

Gespannt bin ich auf neue Wirkstoffe, wie zum Beispiel GSM10 und ProGR3, in Le Domain, Brad Pitts neuer Linie. Diese Wirkstoff-Mischungen stammen aus der Anti-Aging Forschung und verhindern das Abbauen von Kollagen und enthalten starke Antioxidantien. ProGR3 wurde entwickelt von Professor Nicolas Lévy in Zusammenarbeit mit Professor Pierre Cau, die beide an Progeria forschen, einer seltenen Krankheit, die Kindern schneller altern lässt.


In den Beauty Laboren der ganzen Welt tut sich gerade einiges:  Tomorrowlabs aus Österreich entwickelten zum Beispiel aus Erkenntnissen über ein Protein eine eigene Technologie mit Blick auf die Sauerstoffzufuhr von Zellen. Der schottische Wissenschaftler Sir James Fraser Stoddart wurde bereits vor einigen Jahren für seine Forschung mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Darauf aufbauend entwickelte er die „Organic Super Molecular Vessel“-Technologie als Basis seiner Gesichtspflege unter dem Namen Noble Panacea. Die Inhaltsstoffe bekommen darin sogenannte Carrier, die sie transportieren und besser schützen. Und die großen Beauty-Konzerne? Die kaufen Labormarken, um das eigene Portfolio an die Marktbedürfnisse anzupassen…

Egal welcher wissenschaftliche Trend es letztlich auf unsere Must-have-Liste schafft: Es ist sinnvoll und auch spannend sich vorab genau zu informieren. Am besten in einem Mix aus Recherche und Beratung.

PFLANZLICHE STAMMZELLEN: Biotech meets Beauty

Stammzellen sind wahre Multitalente, deren Rolle im Organismus nicht final festgelegt ist. Sie haben die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Funktionen zu übernehmen und erfüllen vor allem eine Aufgabe: Sie regenerieren. Und pflanzliche Stammzellen bieten neue Perspektiven für die Schönheitsindustrie.

Stammzellen können sich zu verschiedensten Zelltypen entwickeln. Beim Menschen sind embryonale Stammzellen die Vorläufer für alle Körperzellen. Doch auch als Erwachsene haben wir diese Alleskönner noch im Körper. In der Haut sind sie zum Beispiel dafür verantwortlich, dass sich neue Zellen bilden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Stammzellenanzahl jedoch ab. Hier kommt die Pflege ins Spiel: Pflanzliche Stammzellen gelten als hochpotenter Beauty-Wirkstoff, der die Lebensdauer unserer hauteigenen Stammzellen signifikant erhöhen kann. Aber wie funktioniert das?

Selbstheilung in der Pflanzenwelt

Pflanzen besitzen eine außergewöhnliche Regenerationskraft. In der Natur sind sie einer Vielzahl an ökologischen Belastungen wie UV-Strahlung, Schwermetallen, Insekten und Mikroorganismen ausgesetzt. Sie aktivieren dann ihre Stammzellen, um sich gegen Schäden und freie Radikale zur Wehr zu setzen. Werden Pflanzen zum Beispiel verletzt, entsteht zunächst eine nicht differenzierte Abdeckung, die sich erst zu spezifischem Gewebe umwandelt, wenn die Verletzung mithilfe von Stammzellen vollständig geschlossen wurde. Erst dann bilden sich aus dem „Schnellverschluss“ zum Beispiel Rinde oder Sprossen. Neben der Pflanze selbst, sind auch in ihren Früchten hochwirksame Stammzellen enthalten. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise bestimmte Apfelsorten besonders lagerfähig sind.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Unterschied zwischen Mensch und Pflanze ist deutlich geringer, als uns bewusst ist. Denn mit den Vertretern der Flora haben wir weit mehr gemein als beispielsweise mit Bakterien. Sterben unsere Stammzellen ab, ist Hautalterung ein unvermeidlicher Prozess. Vor allem Umweltgifte, Ozon und UV-Licht schädigen die Zellen. Pflanzliche Stammzellen können unser Hautgewebe wieder stärken, indem sie die hauteigenen Stammzellen schützen und sie in ihrer Widerstands- und Regenerationskraft unterstützen. Mit jeder Anwendung regen sie den Kollagenaufbau an, mindern Falten und erhalten die Festigkeit und Schönheit unserer Haut. Vor allem hoch antioxidative Phyto-Stammzellen aus besonders robusten, langlebigen Pflanzen mit regenerativen, stärkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften scheinen dank ihrer Wirksamkeit mehr zu sein, als nur ein kurzlebiger kosmetischer Trend. Immer mehr Hersteller präsentieren deshalb mittlerweile Produkte mit einem ausgeklügelten Stammzellenkomplex zur Verjüngung, Erneuerung und Regeneration der Haut.

Wirksame Vielfalt

Die junge Marke ROSE AND ANN setzt gleich mehrere Sorten pflanzlicher Stammzellen in ihren Skin Effect Ölen ein. Klassische Apfelstammzellen regulieren beispielsweise Entzündungsprozesse, die für die Hautrötung verantwortlich sind und verbessern die Mikrozirkulation in den Zellen. Pflanzenstammzellen aus dem Hibiskus werden eingesetzt, um die hauteigenen Stoffwechselprozesse zu fördern, glätten und schützen effektiv vor Hautschäden. Der Stammzellenwirkstoff aus der Roten Weintraube erhält die Elastizität und Spannkraft der Haut und wirkt Irritationen entgegen. Stammzellen der Tuberose besitzen  eine Detox-Funktion und festigen. Und die Stammzellen aus der Madonnen Lilie und der Weißen Narzisse hellen Farbveränderungen auf und beugen der Bildung von braunen Flecken vor. Die Wirksamkeit all dieser Rohstoffe wurde in klinischen Studien nachgewiesen, und sie werden in entsprechender Konzentration in den Endprodukten verwendet.

Für Anne Feulner, Gründerin von ROSE AND ANN sind Stammzellen die ideale Ergänzung zu ihrer Signature-Zutat, dem Wildrosenöl: „Unser Ziel in der Produktentwicklung war es, Wildrosenöl mit weiteren hochwertigen Wirkstoffen zu kombinieren und die positiven Eigenschaften zu verstärken. Schnell sind wir auf die botanischen Superkräfte der Pflanzenstammzellen gestoßen, die der Haut helfen, sich selbst zu regenerieren und zu schützen. Für das jeweilige Hautproblem haben wir die Pflanzenstammzellen sorgfältig ausgewählt.“ So sind insgesamt vier Rezepturen für ganz unterschiedliche Hautbedürfnisse entstanden.

Auch die lettische Dermokosmetik Marke LABRAINS hat Stammzellen für sich entdeckt und nutzt sie aus mehreren Gründen. Nachhaltigkeit ist einer davon: Die Extrakte werden biotechnologisch gewonnen. Das heißt die Zellen werden in Bioreaktoren gezüchtet – Wildpflanzen also nicht zerstört. Diese Methode ermöglicht es, einzigartige Extrakte aus zum Beispiel sogar geschützten Pflanzen zu gewinnen. Ein weiterer Vorteil ist die kontrollierte Wirksamkeit: Mit jeder Charge erhält LABRAINS so einen Extrakt von gleichbleibender Qualität, was bei wild wachsenden Pflanzen, die von klimatischen Bedingungen beeinflusst werden, nicht vorherzusagen ist. Die junge Marke aus Riga verwendet die Stammzellen des Wacholders als starkes Antioxidans, das vor städtischer Umweltverschmutzung schützt. Stammzellen vom Nordischen Drachenkopf beruhigen die Haut und reduzieren Pigmentflecken, während Moos-Stammzellen eine hautverjüngende und faltenreduzierende Wirkung haben.

Weitere Pflanzen, deren Stammzellen mittlerweile in (Natur-)Kosmetik zum Einsatz kommen, sind Edelweiß, Orchidee, Argan, Chili und sogar Radieschen.

Ökologie und Nachhaltigkeit

Der Jungbrunnen scheint gefunden. Manche bezeichnen die neue Technologie darüber hinaus als „Öko-Durchbruch“ in der Anti Aging Pflege. Denn es ist heute machbar, Stammzellen unter reinen Laborbedingungen zu kultivieren: Komplizierte Biotech-Prozesse ermöglichen die Auswahl und Reproduktion von Stammzellen, die eine bis zu 1.000-mal höhere Konzentration an Antioxidantien aufweisen, als sie in Pflanzen aus der Natur vorkommen. Und das ohne Nutzung von Erde, ohne genetische Veränderungen und ohne schädliche Einflüsse durch Schadstoffe wie Pestizide und Toxine. Die benötigten Moleküle können in größeren Mengen isoliert und weniger Pflanzen verwendet werden, um hochwirksame Inhaltsstoffe zu erhalten. Und: Es wird nicht die gesamte Pflanze benötigt –  sie bleibt auch nach der Entnahme der Stammzellen am Leben. Auch der Wasserverbrauch reduziert sich bei dieser Gewinnung ellung auf ein Minimum. Die Laborkultur reduziert außerdem Treibhausgase und wertvolle Ackerböden bleiben nutzbar für den Anbau von Lebensmitteln anstelle von kosmetischen Inhaltsstoffen.

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Fazit:

Es gibt durchaus gute Gründe, die für Produkte mit pflanzlichen Stammzellen sprechen. Gerade im Anti Aging Bereich weisen sie ein großes Wirkpotential auf. Darüber hinaus hat sich die Verfügbarkeit der begehrten Zutaten in den letzten Jahren stark vereinfacht, so dass sie mittlerweile nicht mehr nur in hochpreisigen Luxus-Cremes zu finden sind, sondern mitunter schon den Drogeriemarkt erobern. Bei einer Züchtung unter Laborbedingungen überwiegen die ökologischen Vorteile – was bleibt, ist der Wermutstropfen, dass die so gewonnenen Stammzellen nicht aus der freien Natur stammen und die Pflanzen nicht einmal mit Sonnenlicht in Berührung kamen. Beim Einsatz in echter Naturkosmetik erscheint Manchem das vielleicht als Widerspruch.

BAKUCHIOL: Die neue natürliche Alternative zu Retinol?

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Anti Aging hat einen neuen Helden: Bakuchiol. Der fast unaussprechliche Wirkstoff soll ein natürlicher Zwilling der beliebten Kosmetikzutat Retinol sein. Anders als die synthetische Zutat hat die Naturvariante nicht einmal bekannte Nebenwirkungen.

Faltenfreie, reine Haut – das bewirkt Retinol. Es stimuliert den Kollagen-Haushalt, glättet, festigt und schützt das Bindegewebe. Darüber hinaus rückt es Pigmentflecken und unreiner Haut zu Leibe. Leider ruft der chemische Stoff aber auch Irritationen wie Rötungen und Trockenheit hervor. Nicht nur Sensibelchen dürfte Bakuchiol deshalb gerade recht kommen: Der Naturstoff soll ebenso effektiv sein wie sein bekannter Doppelgänger, dabei aber deutlich sanfter. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Rohstoff kein Unbekannter. Nun entdeckt auch die Beauty-Branche seine Vorzüge.

Bakuchiol: Was steckt dahinter?

Bakuchiol ist ein Pflanzenextrakt. Es kommt natürlich in den Samen und Blättern der Psoralea corylifolia auf dem indischen Subkontinent sowie in China  vor. In Form von Bakuchi-Samenöl wird es traditionell wegen seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften in pflanzlichen Heilmitteln verwendet.

Die Zusammensetzung von Bakuchiol ist nicht dieselbe wie die des bekannten Retinols. Molekular  sind sie grundverschieden. Die Wirkung der Stoffe auf die Haut ist aber eine ähnliche: Bakuchiol stimuliert die sogenannten Retinoid-Rezeptoren, welche für die Synthese von Kollagen verantwortlich sind. Auch die Zellerneuerung in der Epidermis wird durch das „Bio-Retinol“ angeregt und damit die Glättung der Hautoberfläche. In der Hautpflege fungiert der Extrakt also als Retinoid-Analogon und imitiert in Perfektion dessen Wirkung.

Erwiesen wirksam?

Eine Studie aus dem Jahr 2018, die auch im „British Journal of Dermatology“ veröffentlicht wurde, vergleicht die Wirksamkeit von Bakuchiol und Retinol. Demnach können beide die Anzeichen von Hautalterung abmildern. Bakuchiol aber zeigte sich verträglicher als das klassische Retinol: Über 12 Wochen wurden 44 Probanden gebeten, eine Creme mit 0,5 prozentigem Anteil an Bakuchiol zweimal pro Tag, oder eine Creme mit einer gleichen Dosis an Retinol, einmal täglich aufzutragen. Beide Stoffe wirkten sich ähnlich auf Falten und Pigmentierungen aus. Bakuchiol führte jedoch zu weniger Schuppenbildung, Brennen und Juckreiz. Studien aus dem Jahr 2014 und 2019 zeigen ähnliche Ergebnisse.

Für wen ist Bakuchiol geeignet?

Das wohl beste Attribut für eine INCI-Zutat: Dass sie für alle geeignet ist. Bakuchiol kann auf trockener, fettiger und Mischhaut angewendet werden – und sogar bei sensibler Haut. Lediglich in Kombination mit Säurepeelings sollte der Wirkstoff nach Expertenmeinung besser nicht zum Einsatz kommen.

Auch Vegetarier und Veganer dürfte freuen, dass die Retinol-Alternative im Gegensatz zum Original rein pflanzlich ist. Klassische Retiniode sind nämlich vor allem in tierischen Stoffen enthalten.

Bakuchiol und Naturkosmetik

Trotz aller Vorteile ist die Zahl an Kosmetikprodukten mit Bakuchiol noch ziemlich überschaubar. Bei der zertifizierten Naturkosmetik sucht man sogar völlig vergebens nach dem Rohstoff. Die Gründe sind dabei unterschiedlich. Auf Nachfrage bei verschiedenen Herstellern, bekamen wir folgende Antworten:

„Bakuchiol hat eine ähnliche Wirkung (wie Retinol) und ist für uns sehr interessant. Wir suchen schon seit längerer Zeit nach einer geeigneten Quelle für unsere Produkte. Leider konnten wir bisher keine Qualität finden, die den strengen Anforderungen unseres Hauses und derer unserer Zertifizierer standhalten konnte. Meistens liegt es an dem Herstellprozess. Ich vermute, dass deshalb auch kein anderes Naturkosmetikunternehmen diesen Rohstoff bisher nutzt. Die Suche geht also weiter…“, so Sebastian Georgi, Leiter Forschung und Entwicklung, LOGOCOS Naturkosmetik AG.

Einem anderen Hersteller war der Rohstoff bislang unbekannt. Nach eingehender Recherche war man hier mit den bisherigen Forschungsergebnissen nicht zufrieden. Es kämen im eigenen Unternehmen ausschließlich gut erforschte Wirkstoffe zum Einsatz, deren Wirksamkeit und Sicherheit hinreichend belegt sei, hieß es aus dem Labor. Zudem wäre Bakuchiol bislang noch von keinem der Rohstofflieferanten des Unternehmens angeboten worden.

Laut Laverana liegt die Vermutung nahe, dass Bakuchiol deshalb nicht in Naturkosmetik zu finden sei, weil der Rohstoff aktuell nicht zertifiziert ist. Zum Thema Wirksamkeit wollte man hier keine Aussage treffen.

Auf Nachfrage bei NATRUE wurde uns zum Redaktionsschluss bestätigt, dass der Rohstoff derzeit nicht zertifiziert ist und demnach auch nicht in Produkten verwendet wird, die das Naturkosmetiklabel tragen. Auch vom SCCS (dem wissenschaftlichen Ausschuss der Europäischen Kommission für Verbrauchersicherheit) sei Bakuchiol bisher nicht bewertet worden. Ob sich das bald ändert? „Bei der Bewertung von Inhaltsstoffen spielen Ursprung, Herstellungsprozess und Extraktionsmethoden eine wichtige Rolle. Ohne genaue Angaben zu diesen Punkten ist es schwierig zu beurteilen, wie Bakuchiol die Kriterien von NATRUE erfüllen könnte“, hieß es aus dem Pressebüro.

Fazit

Bakuchiol ist 2020 noch immer ein Newcomer in der Beauty-Szene, obwohl der Wirkstoff bereits 2007 erstmalig eingesetzt wurde. In den nächsten Jahren müssen noch weitere Forschungsarbeiten durchgeführt werden, um seinen Einsatz – gerade im Bereich Naturkosmetik – weiter voranzutreiben. Der Naturstoff hat definitiv Potential, das es zu belegen gilt. Darüber hinaus muss er in entsprechender Qualität verfügbar gemacht werden, so dass er nicht nur den Ansprüchen an Clean Beauty, sondern auch an zertifizierte Naturkosmetik genügt.

Für Insider: Ausprobieren können Neugierige das „Bio-Retinol“ dennoch: Es steckt aktuell zum Beispiel in Produkten der naturnahen bzw. nicht zertifizierten Naturkosmetikmarken Herbivore Botanicals, Bybi, Oskia und Omorovicza. (Ein Blick in die INCI verrät, ob die Zusammensetzung des jeweiligen Produktes darüber hinaus den persönlichen Anforderungen gerecht wird.)

 

SPILANTHOL: Wie wirkt das Bio-„Botox“?

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Spilanthol gilt als die pflanzliche Version des umstrittenen Schönmachers Botox. Im Gegensatz zur klassischen Version, die mit der Spritze unter die Haut gebracht wird, entfaltet der Rohstoff aus Parakresse seine natürliche Wirkung in kosmetischen Rezepturen.

Falten einfach weg cremen? So einfach soll es gehen – mit Bio-„Botox“. Im Tiegel steckt sogenanntes Spilanthol, ein pflanzlicher Wirkstoff. Sein Wirkversprechen klingt wie die Erfüllung lang gehegter Anti-Aging-Träume: Spilanthol soll Mimikfalten mildern und verhindern, dass sich diese vertiefen. Noch dazu innerhalb kürzester Zeit. Ist so etwas überhaupt möglich? Und ist die Substanz wirklich harmlos?

Was ist Spilanthol?

Bei Spilanthol handelt es sich um einen pflanzlichen Wirkstoff, der vorwiegend in Parakresse (Spilanthes oleracea oder Acmella oleracea) enthalten ist. Darüber hinaus kommt er im mexikanischen Sonnenauge (Heliopsis longpipes) vor. Er ist ein Alkamid, welches als Lokalanästhetikum und Schmerzmittel traditionell zur Behandlung von Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Asthma und Rheuma eingesetzt wurde. Sein Geheimnis ist eine leicht betäubende Wirkung und ein Entspannungseffekt auf Muskeln. Cremt man ihn nun auf die Haut, kann er die Mikrokontraktionen verlangsamen und für eine Entspannung der Gesichtszüge sorgen – soweit die Theorie.

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Wo liegt der Unterschied zu Botox?

Botulinumtoxin (Botox) hat einen bis zu einem halben Jahr anhaltenden Effekt. Es sorgt für sichtbar reduzierte Falten – birgt aber auch das Risiko, die persönliche Mimik zu verlieren. In extremen Fällen droht sogar eine gänzliche Muskelerschlaffung. Das umstrittene Nervengift legt die Kontraktionsfähigkeit komplett lahm und wird direkt in den Muskel gespritzt. Zum Auftragen mit Cremes und Co. ist der Klassiker ungeeignet: Die Größe seiner Moleküle verhindert ein Eindringen in die Haut.

Keine Sorge: So stark wie Botox ist Spilanthol nicht und die Muskeln lassen sich nach der Anwendung noch bewegen. Es kann einfach auf die Haut aufgetragen werden und einziehen. Danach wirkt der Teint frischer und erholter, aber nicht unnatürlich und auch die Mimik wird nicht eingefroren. Und: Der Sofort-Effekt ist schon nach Stunden reversibel.

Der Einsatz in Naturkosmetik

Bio-Beauty hat Spilanthol längst für sich entdeckt. Der Wirkstoff wird als Parakresse-Extrakt vor allem in Gesichtspflege eingesetzt. Auch wenn insbesondere seine Sofortwirkung überzeugt, ist Spilanthol kein Einzelkämpfer: Einen optimalen, nachhaltigen Anti-Aging-Effekt erzielt man, wenn man es mit Hyaluronsäure und anderen Rohstoffen kombiniert.

Ogaenics TIMELESS SKIN Bio Ceramide Complex

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Wahre Schönheit kommt von innen. Auch wenn sich diese Weisheit eigentlich auf Ausstrahlung und Charakter bezieht, lässt sie sich durchaus übertragen. In diesem Fall auf den TIMELESS SKIN Bio Ceramide Complex von Ogaenics. Was die Nahrungsergänzung wirklich kann. / Jenny

Klarer Fall: Alles was wir zu uns nehmen, schlägt sich in der Gesundheit von Haut und Haar nieder. Eine ausgewogene Ernährung liefert dafür zweifellos die Basis und kann zusammen mit viel Flüssigkeit, ausreichend Schlaf und wenig Stress wahre Wunder wirken. Nahrungsergänzung liefert gezielte Upgrades. Auch dann, wenn man auf hochwirksame Pflege setzt? Ich habe mir die Produkte von Ogaenics näher angesehen und durfte den TIMELESS SKIN Bio Ceramide Complex als PR-Sample testen.

Natürliche Supplements

Genau wie bei Food gehört auch in Sachen Nahrungsergänzung nur Qualität auf den Tisch – oder besser gesagt in die Kapsel: Bei Ogaenics stammen alle Nährstoffe ausschließlich aus Bio-Zutaten. Sie wurden schonend extrahiert und wirken im Körper wie ein gesundes Bio-Lebensmittel, nur um ein Vielfaches konzentrierter. Durch ihre Ursprünglichkeit erkennt der Körper die natürlichen Ogaenics Nährstoffe sofort und kann sie optimal nutzen. Sie werden schneller und verträglicher in die Blutbahn transportiert als das bei synthetischen Produkten der Fall ist. Top für Veganer: In der Produktion werden keinerlei Materialien tierischen Ursprungs verwendet, und sowohl Rohstoffe als auch Produkte sind garantiert tierversuchsfrei.

Pflanzliche Helden: Phyto-Ceramide

Auch TIMELESS SKIN ist ein rein pflanzliches Bio-Nahrungsergänzungsmittel. Die Helden der Mischung: Natürliche Phyto-Ceramide. Sie stammen aus glutenfreiem Bio-Weizen-Extrakt und sollen gegen trockene Haut und Falten wirken. Die ideale Ergänzung bietet Squalen aus Bio-Amaranth-Extrakt. Laut Hersteller verbessert TIMELESS SKIN die Feuchtigkeitsspeicherung der Haut, reduziert Falten, unterstützt die hauteigene Collagenproduktion und sorgt für eine prallere Haut. Passend zu unserem Thema Science Beauty gibt es zur Wirkung und dem nachhaltigen Effekt der Kapseln auch klinische Studien. Im Apothekerglas mit dem auffälligen Etikett in pink stecken also definitiv mehr als nur leere Versprechen.

Wirkung 6-fach belegt

Dass Bio-Lipowheat™ bei Trockenheit, Falten und Collagenmangel hilft, wurde gleich in sechs (!) Studien bestätigt. Darüber hinaus wird der Rohstoff auch in klinischer, also erwiesen wirksamer Dosierung in TIMELESS SKIN eingesetzt. Science Washing ist hier definitiv Fehlanzeige. Details dazu könnt Ihr auf der Website nachlesen.

Step by Step

Die Anwendung ist easy: Nur eine Kapsel täglich wird zusammen mit einem Glas Wasser zu einer Mahlzeit eingenommen. Ein Glas enthält 60 Kapseln.

Die Ceramide wirken dabei sowohl als Filler, regen aber gleichzeitig die natürliche Ceramid-Synthese an, stimulieren die Zellaktivität und fördern die Collagenproduktion. Die Barrierefunktion der Haut wird verbessert, ebenso ihr Feuchtigkeitsgehalt, und Zeichen der Hautalterung werden gemindert. Gemäß Studien wird die Wirkung schrittweise erzielt: Die Haufeuchte steigt bereits nach 4 Wochen, Faltenreduktion wird nach 8 Wochen sichtbar und die Haudichte ist nach 12 Wochen messbar verbessert, der Teint praller.

Sichtbar frischer

Bei meinem Anwendungstest kann ich nur von meiner subjektiven Wahrnehmung berichten: Trotz empfindlicher Haut haben die Kapseln bei mir zu keinerlei Reaktionen geführt. Im Gegenteil: Meine Haut fühlt sich tatsächlich besser an und benötigt weniger Feuchtigkeit von außen. Während ich vor der regelmäßigen Anwendung oft nachcremen musste und meinem Teint die Pflege nicht immer reichte, scheint er jetzt von Haus aus besser durchfeuchtet zu sein. Die feinen Linien, speziell unter den Augen, sind ein wenig zurückgegangen. Besonders erfreulich: Ich wurde häufiger darauf angesprochen, dass ich frischer aussehe – und ich war (leider) nicht in den Ferien… Welchen Einfluss meine sonstige Ernährung und die Verwendung von Kosmetik hierbei hatte, lässt sich natürlich nicht sauber trennen. Offenbar hat das Gesamtpaket aber durchaus funktioniert.

Fazit

Mit 79,90 € für 2 Monate ist TIMELESS SKIN zwar kein Schnäppchen, dafür überzeugen aber sowohl seine Zusammensetzung als auch die zahlreichen Wirknachweise – und nicht zuletzt das persönliche Hautgefühl. Wenn man demgegenüber mal die üblichen Ausgaben für klassische Beauty-Produkte kalkuliert, ist die Bio-Nahrungsergänzung von Ogaenics vielleicht eine sinnvolle Alternative.

FERMENTATION

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Der Prozess der Fermentation ist seit Jahrhunderten bekannt und wird in erster Linie dafür eingesetzt, Obst und Gemüse als Nahrungsmittel haltbar zu machen. Der Nebeneffekt: Die wertvollen Inhaltsstoffe werden dabei besonders bioverfügbar – und das sogar für unsere Haut. Kein Wunder also, dass heilende Kräuter, Früchte, Nüsse und Blüten nun auch für die Schönheitspflege mit ausgewählten Kulturen versetzt und gegoren werden.

Aber was steckt eigentlich dahinter? Als Fermentierung oder Fermentation bezeichnet man die enzymatische Umwandlung organischer Stoffe. Sie wird meist durch die Zugabe von Zellkulturen wie Pilzen oder Bakterien herbeigeführt. Der häufig als Synonym für Fermentation benutzte Begriff Gärung, ist nicht ganz richtig: Denn die Gärung ist nur ein Teilbereich der Fermentation und läuft ausschließlich anaerob, also ohne Sauerstoff ab. Die Fermentation schließt aerobe Vorgänge und andere enzymatische Prozesse mit ein, bei denen Sauerstoff beteiligt sein kann. Sie umfasst jegliche technische Bioreaktion. Am häufigsten wird sie in speziellen Behältern, den sogenannten Fermentern, herbeigeführt, in denen die Reaktionsbedingungen exakt gesteuert und optimiert werden.

Kleine Helfer, große Wirkung

Natürliche Mikroorganismen sind in der Lage Nährstoffe zu bilden, die sich chemisch gar nicht oder nur schwer herstellen lassen. Wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die die Pflanzen zum Schutz gegen Keime, Umwelteinflüsse und andere Belastungen bilden, werden konzentriert und in kleine Moleküle zerlegt. Zusätzlich entstehen Vitamine und Mineralstoffe, die eine positive Wirkung auf unser Immunsystem haben. Die Fermentation schafft es sogar, Allergie auslösende Proteine in nicht allergene Stoffe umzuwandeln. So verlieren die eingesetzten Zutaten, wie zum Beispiel Nüsse, dank enzymatischer Umwandlungen ihr allergenes Potential.

Zutritt gestattet: Erhöhte Bioverfügbarkeit

Wie bereits erwähnt werden Inhaltsstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe und Co., bei der Fermentation besonders „bioverfügbar“ – das heißt, sie können besser absorbiert und leichter vom Körper aufgenommen werden. Der Genuss fermentierter Nahrungsmittel erhöht somit nachweislich die Energie in den Zellen. Eine höhere Leistungsfähigkeit und eine gestärkte Immunabwehr sind die Folge.

Was für den Genuss von fermentierten Lebensmitteln gilt, soll auf unsere Haut übertragbar sein: Vitalstoffe können dank der verbesserten Aufnahmefähigkeit schneller wirken und sind besonders verträglich. Doch der Prozess bewirkt noch mehr: Wird ein Rohstoff fermentiert, der aus kosmetischer Sicht zum Beispiel fünf Wirkungen für die Haut mitbringt, kann er so umgewandelt werden, dass er am Ende zehn Mehrwerte aufweist. Und fermentierte Kosmetik soll darüber hinaus dazu führen, dass die Produktion der körpereigenen Hyaluronsäure in der Haut angeregt wird.

Ein neues Kapitel

Hilfe zur Selbsthilfe also und natürliches Anti-Aging. Zusammen mit dem erweiterten Wirkstoffspektrum, der verbesserten Verträglichkeit und der Bioverfügbarkeit bietet die Fermentation von (bewährten) Rohstoffen völlig neue Möglichkeiten für innovative Entwicklungen im Bereich Naturkosmetik.

So neu ist die Idee dennoch nicht: Als weltweiter Marktführer in dem Bereich mehrfach fermentierter Nahrungsergänzungsmittel entwickelt zum Beispiel das Unternehmen Dr. Niedermaier Pharma bereits seit 1939 naturbasierte Produkte für mehr Lebensqualität und inneres Wohlbefinden. Als Geheimrezept gesunder Schönheit ist die Regulatessenz Basis-Zutat aller Regulatprodukte. Sie ist das Ergebnis einer im Rahmen jahrzehntelanger Forschungsarbeit entwickelten, patentierten Kaskadenfermation zum effektiven Aufschluss pflanzlicher Inhaltsstoffe – Science Beauty at it’s best. Die Essenz findet dabei sowohl von innen, als auch von außen Anwendung in den effektiven Rezepturen.

ECTOIN: Survival meets Beauty

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1985 machte man in einer salzhaltigen Wasserpfütze in der ägyptischen Wüste Wadi El Natrun eine Entdeckung, die eine große Bedeutung für unsere Schönheit bekommen sollte: Es wurde das Aminosäurederivat Ectoin gefunden, welches als Überlebensselbstschutz extremophiler Bakterien in lebensfeindlicher Umgebung fungiert. Heute weiß man, dass es sich um kein Einzelvorkommen handelte und Mikroorganismen wie die Holomonas Elongata überall auf der Welt in Salzseen, heißen Quellen, Wüsten oder im Polareis dank Ectoin überleben können – und dass der Stoff auch der Haut einen bemerkenswerten Schutz vor unterschiedlichsten Umwelteinflüssen bietet. Das macht ihn prädestiniert zum Einsatz in Kosmetik.

Welche Vorteile bietet Ectoin der Haut?

Ectoin® stabilisiert und repariert nachweislich die Hautschutzbarriere und erhöht dadurch langanhaltend die Feuchtigkeitsversorgung der Haut. Mehrere Studien bestätigen seine Wirksamkeit, zum Beispiel im Hinblick auf den Zellschutz und die Reduzierung von Entzündungsreaktionen. Darüber hinaus beruhigt das Aminosäurederivat gereizte und irritierte Haut und reduziert sichtbar die Zeichen vorzeitiger Hautalterung. Ectoin® ist ein Anti-Pollution-Wirkstoff und bietet gleichzeitig Lichtschutz.

Wie genau wirkt der Rohstoff?

Die Schutzeigenschaften von Ectoin® basieren auf einem einfachen, aber gleichzeitig sehr effektiven Wirkprinzip: Das kleine Aminosäurederivat bindet Wassermoleküle aus seiner Umgebung und formt dadurch den sogenannten „Ectoin® Hydro Complex“. Diese Komplexe umgeben wiederum Zellen, Enzyme, Proteine und andere Biomoleküle, und bilden auf und in der Haut schützende, nährende und stabilisierende Hydrathüllen aus. Die Haut wird so vor den schädigenden Einflüssen verschiedenster Stressfaktoren, wie Feinstaubpartikeln, blauem Licht, Trockenheit und reizenden Substanzen bewahrt. Gleichzeitig werden ihre Selbstschutzfunktionen gestärkt.

Im Detail sieht das so aus:

Ectoin und Anti-Pollution

In den vergangenen Jahren konnte ein direkter Zusammenhang zwischen Feinstaubpartikeln und der beschleunigten Ausbildung von Falten und Pigmentflecken bewiesen werden. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Luftschadstoffe nicht nur Hautalterung hervorrufen, sondern zusätzlich auch Akne, Ekzeme, allergische Reaktionen und Co. verursachen oder verstärken können. Ectoin® bietet umfassenden Anti-Pollution-Schutz gegen diese umweltinduzierten Zell- und Hautschäden. Aufgrund der gebildeten Schutzhüllen und ihrer entzündungshemmenden Wirkung schützt das natürliche Molekül Hautzellen und regeneriert gleichzeitig gestresste Haut.

Fokus Wissenschaft:  Unter Verwendung eines Placebo-kontrollierten, randomisierten und doppelblinden Studienaufbaus wurde die Anti-Pollution Wirkung von Ectoin® in vivo getestet:

Eine Creme mit Placebo oder 1% Ectoin® wurde fünf Tage zweimal täglich auf die Haut der Testpersonen aufgetragen. Am fünften Tag wurde die Haut mit Zigarettenrauch gestresst. Die Anti-Pollution Wirkung wurde durch Analyse der Oxidation der Hautlipide aus Proben der gestressten Hautoberfläche gemessen. MDA (Malondialdehyd, ein Sekundärprodukt der Reaktion, welches in Hautzellen toxischen Stress verursacht) diente dabei als Biomarker für umwelt- und feinstaubindizierte Hautschädigung. Die Anwendung der 1% Ectoin® Creme zeigte einen signifikanten Anti-Pollution Effekt. Die Pollution-induzierte MDA Überexpression konnte um 48% im Vergleich zur Placebo-behandelten, und um 47% im Vergleich zur unbehandelten, gestressten Kontrolle gesenkt werden.

Ectoin und Lichtschutz

Dass UV-Strahlen schädlich für unsere Haut sind, ist weitreichend bekannt. Dass auch sichtbares Licht eine Reihe von negativen Auswirkungen auf unsere Haut haben kann, jedoch weniger. Sichtbares Licht, dazu gehört im speziellen dessen blaues Spektrum, kann unter anderem Pigmentierung, thermische Schädigung und die Produktion freier Radikale hervorrufen.

Blaues Licht wird auch von digitalen Geräten wie PC-Bildschirmen und Handys emittiert. UV-Filter bieten in der Regel keinen Schutz gegen sichtbares Licht, da ihr Absorptionsspektrum auf UVB- und UVA-Wellen beschränkt ist. Lediglich mineralische Sonnenfilter wie Eisenoxid, Titandioxid und Zinkoxid können zum Teil begrenzten Schutz gegen sichtbares Licht bieten. Der spektrale Schutz dieser Filter variiert jedoch entsprechend ihrer Teilchengröße: Größere Partikel aus Titandioxid und Zinkoxid können im sichtbaren Bereich schützen. Das macht weitere Schutzstoffe erforderlich.

Fokus Wissenschaft: In einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie, sowie einer Placebo-kontrollierten ex vivo Studie konnte gezeigt werden, dass Ectoin® Schutzeigenschaften gegen die negativen Einflüsse von sichtbarem bzw. blauem Licht aufweist. Es konnte ein Zellschutz von über 90% nachgewiesen werden.

Auch in einer ex vivo Studie wurden lebende menschliche Hautexplantate einer weiblichen Spenderin mit 1% Ectoin® vorbehandelt und sichtbarem Licht (65J/cm2) ausgesetzt. Es konnte eine Verringerung der Stressreaktion der Zellen auf die Bestrahlung mit sichtbarem Licht erreicht werden, sowie die Schutzwirkung von  Ectoin® auf die Haut vor oxidativer Schädigung.

Sichtbares Licht erhöht zudem bekanntermaßen die Pigmentierung der Haut. Die Ergebnisse der ex vivo Studie zeigen eine Verringerung der induzierten Melonogenese durch die Vorbehandlung mit Ectoin®. Damit kann Ectoin® auch  helfen, die Haut vor lichtinduzierter Pigmentierung zu schützen.

Fazit

Der einstige Überlebensschutz Ectoin® ist inzwischen als effektives Haut-Schutzmolekül gegen externe Umwelteinflüsse umfassend getestet und konnte sich auch in der Naturkosmetik als multifunktionaler Anti-Aging Wirkstoff etablieren. Es besitzt eine umfassende Anti-Pollution Wirkung und effektive Schutzeigenschaften gegen sichtbares Licht. Darüber hinaus regeneriert und beruhigt Ectoin® umweltbedingt gereizte Haut, aufgrund seiner entzündungshemmenden und zellstabilisierenden Eigenschaften. Ein Multitalent, mit dessen Hilfe kosmetische Formulierungen ganz unterschiedliche Verbraucheranforderungen und Markttrends erfüllen.

naturalbeauty.de bedankt sich herzlich bei bitop, einem deutschen Wirkstoffhersteller mit Spezialisierung auf Extremolyte. Das Unternehmen hat uns für diesen Beitrag Infomaterial und Studien rund um das patentierte Ectoin® natural zur Verfügung gestellt. Der Rohstoff kommt unter anderem in der SANTAVERDE sun protect  zum Einsatz. Auch Speick Naturkosmetik verwendet Ectoin, zum Beispiel im THERMAL SENSITIV Hyaluron Serum und der SPEICK SUN After Sun Lotion.

SILIKONE RAUS? Eine kritische Betrachtung

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Es gibt Zutaten, die wir aus Überzeugung gern aus den INCI-Listen unserer Kosmetik verbannen möchten. Beim Thema Haare bewegen sich Silikone für viele auf der Pole Position der NoGos – und sind in echter Naturkosmetik auch nicht enthalten. Aber sind Silikone wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Eine kritische Betrachtung.

Schein und Sein: Das können Silikone

Werfen wir zunächst einen Blick auf ihre Beschaffenheit:  Silikone sind im Grunde farblose Kunststoffe, die meist aus Erdöl gewonnen werden. Ihr erkennt sie an den Endungen „-cone“ oder „-oxane“ in der INCI. Sie dienen in der Haarpflege vor allem als Filmbildner, das heißt sie legen sich um das Haar herum und sorgen für eine ebenmäßige Haaroberfläche. Durch das „Auffüllen“ von Unebenheiten und porösen Stellen entstehen Glanz und Kämmbarkeit. Klingt soweit ja ganz gut…

Leider bieten Silikone aber keinen echten Pflegeeffekt fürs Haar, sie sind nur schöner Schein, der gesunde Haarpracht vortäuscht. Silikone haben außerdem den Ruf, sich am Haar anzulagern und über das Abwasser die Umwelt zu belasten. In Naturkosmetik und vielen Clean Beauty Shampoos wird deswegen auf wirksame Öle, Proteine und Vitamine gesetzt. Diese können ohne die Zugabe von Silikonen einfacher in das Haar eindringen und eine nachhaltige Pflegewirkung erzielen.

Mehr als Schwarz und Weiß

Uns hat interessiert, warum der Rohstoff weiterhin in Haarpflege zum Einsatz kommt. Wir haben mit verschiedenen Herstellern und einem Umweltexperten gesprochen.

Zunächst haben wir Kontakt mit Julian Wendt aufgenommen. Er ist Leiter Kommunikation bei Wild Beauty. Das Unternehmen begann als Exklusiv-Distributeur der amerikanischen Kultmarke Paul Mitchell®, bringt heute aber mit Yours Truly auch viel Natur in deutsche und österreichische Friseursalons.

Herr Wendt: Warum ist Haarpflege von Paul Mitchell® nicht silikonfrei?

Julian Wendt, Wild Beauty: Viele veröffentlichte Studien belegen die Sicherheit von Silikonen sowie deren pflegende Eigenschaften für das Haar. Bestimmte Silikonarten lassen sich nicht so einfach aus dem Haar waschen (sogenannte nichtwasserlösliche Silikone). Die für unsere Clean Beauty verwendeten Silikone werden durch wissenschaftliche Forschung unterstützt, sind inert (verursachen keine chemischen Reaktionen) und gelten als sicher in der Anwendung.  

Sie lassen sich mit etwas Shampoo und warmem Wasser gänzlich aus dem Haar entfernen und lagern sich nicht additiv auf ihm an. Solch wasserlösliche Silikone verteilen ein Produkt gut und dienen als Transportmittel, damit die Pflegestoffe dort hingelangen, wo sie hinsollen.

Sie legen sich zudem wie eine glättende Schutzschicht auf die Haaroberfläche und lassen diese besonders glänzend wirken. Sie schützen das Haar vor dem Austrocknen, verleihen ihm Glanz, und reduzieren den Widerstand beim Kämmen, so dass es weniger bricht.

Und bei Yours Truly? Hier wird auf Silikone verzichtet. Warum?

Julian Wendt, Wild Beauty: Für Yours Truly, unsere erste hauseigene Marke, wollten wir den Clean Beauty-Standard so hoch setzen wie möglich. Da Silikone aus Verbrauchersicht jedoch negative Auswirkungen haben und diese Verbraucher vor allem hinsichtlich einer Clean Beauty-Rezeptur mit silikonfreien Produkten rechnen, haben wir uns hier gegen silikonhaltige Produkte für Yours Truly entschieden. Zwar sind wir uns der nicht-negativen Auswirkungen von Silikonen bewusst, verargumentieren hier allerdings die fehlende langfristige Pflegewirkung von Silikonen, sozusagen den „vorgetäuschten“ Heilungseffekt der Haare, ohne dass sie tatsächlich repariert werden (poröse Stellen werden lediglich gekittet und der Glanz kommt nicht „aus dem Haar“,..).

Durchaus ein Spagat, gerade in der Kommunikation. Wie lösen Sie diese Herausforderung?

Julian Wendt, Wild Beauty:  In der Kommunikation weisen wir eher darauf hin, wie am besten auf silikonfreie Pflege umzusteigen ist. Wir behalten hier aber natürlich die Marken im Hause im Hinterkopf und sprechen uns nicht nachhaltig gegen Silikone aus, sondern zeigen lediglich die Vorteile auf, wenn man sie weglässt.

Auch mit Jennifer Sand, Haarpflege-Expertin bei Moroccanoil, haben wir gesprochen. Die Trendmarke setzt auf die Kraft von Arganöl, verwendet aber auch Silikone in den Rezepturen.

Was spricht aus Ihrer Sicht für den Einsatz von Silikonen?

Jennifer Sand, Moroccanoil:  Silikone sind heutzutage sehr anspruchsvoll und haben die Fähigkeit, einen Schutzschleier auf der Oberfläche des Haares zu erstellen. Dieser Schleier ist nahezu schwerelos, schließt die natürliche Feuchtigkeit im Haar ein und schützt die empfindliche Schuppenschicht vor Umwelt- und Styling Belastungen, wie Kämmen, Bürsten und Fönhitze.

Die in Moroccanoil verwendeten Silikone sind zum größten Teil flüchtig und tensidlöslich und lassen sich leicht mit Shampoo auswaschen. Ein Build-up Effekt, also das Anhaften von Silikonen an das Haar über die nächste Haarwäsche hinaus, ist nicht zu erwarten.

Unsere Silikone sind natürlichen Ursprungs und werden aus Sand gewonnen. Sie wirken wie ein federleichter Schmierstoff, der die Oberfläche des Haars ohne Rückstände geschmeidig macht. Dank der einzigartigen Molekularstruktur (größere Moleküle mit breiteren Abständen zwischen den einzelnen Molekülen) wird eine atmungsaktive Barriere geschaffen, ohne das Haar zu beschweren.

Gibt es Unterschiede und sogar so etwas wie besonders „gute Silikone“?

Jennifer Sand, Moroccanoil: Silikone sind synthetische polymere siliziumorganische Verbindungen. Diese können kettenförmig oder linear (INCI-Name: Dimethicone), verzweigte oder ringförmige (INCI-Namen: Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane, Cyclohexasiloxane) sein. Die Anzahl der Polymere (gleiche, wiederkehrende Siliziumabschnitte einer Verbindung) gibt an, ob ein Silikon flüssig oder wachsartig ist. Je kürzer die Kette oder je geringer die Anzahl an Siliziumatomen in ringförmigen Verbindungen, umso leichter flüchtig sind diese Öle.

Flüchtige Silikone bleiben nicht dauerhaft auf dem Haar, sondern verdunsten mit der Zeit, bleiben jedoch lange genug im Haar, um ihre positiven Eigenschaften auch während des gesamten Haarstylingprozesses inklusive Föhnen geltend zu machen.

Silikone haben aufgrund ihrer filmbildenden Eigenschaft allgemeinen den Ruf, schlecht für das Haar zu sein. Das ist falsch. Man benötigt das richtige Maß zwischen „nur vorübergehender“ und „länger anhaltender“ Pflege für das Haar, dies kann einerseits durch die Anwendungsmenge variiert werden. In vielen Produkten werden aber auch flüchtige und nicht flüchtige Silikone kombiniert, damit sie sparsam angewendet werden können und nicht vorübergehend ein überpflegter Eindruck des Haares entsteht. Daher kann man hier nicht von „guten“ oder „schlechten“ Silikonölen sprechen.

Stichwort Umwelt: Was passiert mit Silikonen im Abwasser?

Jennifer Sand, Moroccanoil:  In Folge ihrer vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten gelangen Silikonöle und deren Folgeprodukte auch ins Abwasser, und aufgrund ihrer Wasserunlöslichkeit galten Silikonöle lange als schwer biologisch abbaubar. Daher steht z.B. Ökotest der Verwendung von Silikonölen sehr kritisch gegenüber und der Begriff „schlechte“ Silikonöle wurde dadurch verstärkt. Neueste Studien einiger Hersteller ergaben, dass die Belastung durch flüchtige sowie nicht flüchtige Silikone als irrelevant anzusehen ist. In den Studien wurde festgestellt, dass sich die Abwässer nicht negativ auf deren Behandlung auswirken. Der entstehende Klärschlamm wird entweder verbrannt, deponiert oder als Dünger verwendet. Bei der Verbrennung werden die Silikonbestandteile in amorphes Siliziumdioxid umgewandelt. Ansonsten entstehen aus den Silikonbestandteilen im Klärschlamm durch Oxidationsprozesse Kohlendioxid, Kieselsäure und Wasser.

Hierzu haben wir uns die Experten-Meinung von Arnold Schäfer, Prozessführung Klärwerke bei HAMBURG WASSER, eingeholt. Herr Schäfer, ist es korrekt, dass Silikone im Abwasser gar nicht so problematisch sind, wie allgemein angenommen?

Arnold Schäfer, HAMBURG WASSER: Silikone sind chemisch Poly(organo)siloxane. Prinzipiell ist das nicht verkehrt, dass Silikone im Abwasser nicht so problematisch sind. Aber sie gehen bei der Abwassereinigung zu einem Großteil in den Klärschlamm über. Dieser Schlamm wird dann in den Faulbehältern ausgefault und aus dem organischen Anteil des Schlammes entsteht Faulgas. Leider wandern die Siloxane in Teilen ins Faulgas – bei uns waren es zeitweise 40 mg/m³ Faulgas. Wenn das Faulgas dann energetisch in Blockheizkraftwerken genutzt wird, entsteht Siliziumdioxid. Das ist auf gut Deutsch Quarzsand. Und Sand im Verbrennungstrakt ist für einen Gasmotor oder eine Turbine gar nicht witzig. Deshalb müssen wir die Siloxane im Faulgas mit Hilfe von Aktivkohlefiltern wieder herausholen. Das geht, ist aber aufwendig und verbraucht Ressourcen, wie z.B. Aktivkohle und Strom für die Entfeuchtung des Gases vor dem Filtern. Wir sind deshalb schon länger im Austausch mit der Industrie und haben zur Reduktion aufgefordert. Mittlerweile liegt der Siloxangehalt nur noch bei 10 mg/m³ Faulgas, ist also deutlich reduziert, doch auch das müssen wir mit Aktivkohle herausfiltern.

Mit Silikonen verhält es sich also wie mit so einigen Abwasser-Inhaltstoffen (Pharmazeutika, Plastik etc.): Besser, sie kommen erst gar nicht ins Abwasser, sofern man das vermeiden kann. Ansonsten müssen wir sie mühevoll, energie- und kostenintensiv herausfiltern. Ein umweltschädlicher Stoff ist Silikon aber nicht.

Verzicht ist also mit Blick auf Nachhaltigkeitsaspekte und die aktuelle Energiekrise die bessere Wahl. Doch was sind die Alternativen? Welche Rohstoffe bieten ähnliche Eigenschaften (oder vielleicht sogar bessere) als die synthetischen Klassiker? Oder sind Silikone unersetzlich in Sachen Performance?

Jennifer Sand, Moroccanoil: Es gibt mittlerweile eine Menge an alternativen Ölen, natürliche wie auch synthetische. Es kommt immer darauf an, in welchen Produkten sie für was verwendet werden.

Schwieriger ist es, alternative Lösungen für leicht flüchtige Silikonöle zu finden, welche zum Beispiel in Haarspitzenfluids oder Haarölen zu finden sind. Denn die meisten natürlichen Öle hinterlassen sichtbare und fühlbare Rückstände, die so nicht gewollt sind, weil sie sich einfach nicht vollständig „verflüchtigen“. Hier muss man meist auf synthetische Öle zurückgreifen. Großer Knackpunkt der Alternativen ist jedoch der Preis, der meist mindestens dreimal so teuer ist wie für Silikonöle.

Günstig sind Alternativen demnach nicht – doch es gibt sie. lavera zum Beispiel setzt auf das Superfood Quinoa, wie uns Experten im Gespräch verraten haben.

Dr. Henrike Neuhoff, Leitung Bereich Wissenschaft lavera: Quinoa enthält besonders viele hochwertige Proteine und essentiellen Aminosäuren, darunter Lysin, das sonst fast nur in Fleisch und Fisch vorkommt. Die kleinen wertvollen Aminosäuren können bis in das Haarinnere gelangen und die Haarstruktur von Innen stärken. Die größeren Proteine legen sich schützend auf das Haaräußere, den sogenannten Cortex und tragen dort zu Glanz, Geschmeidigkeit und Kämmbarkeit bei.

Besonders anschaulich erklärt Sabine Kästner-Schlemme, Unternehmens PR & Nachhaltigkeit die Funktion: Gepaart mit Aminosäuren und einem Pflegestoff, basierend auf Guarkernmehl bei den Shampoos und Rapsöl bei den Spülungen, dockt sich die positiv geladene lavera Wirkstoffkomposition an die „negativen“ kaputten Stellen des Haares wie ein Magnet an. Es ist also ein naturbasierendes „intelligentes“ sich selbst steuerndes Pflegesystem – das nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip agiert und gezielt an den Haarstellen, die Pflege benötigen, aktiv wird, ohne das Haar zu beschweren.

Ja oder Nein?

Es geht also mit – und auch ohne Silikone. Die Entscheidung trifft jeder selbst. Solltet Ihr Euch gegen den Rohstoff entscheiden, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die komplette Haarpflege auf silikonfrei umzustellen: Nur so baut Ihr die ummantelnde Schutzschicht nicht immer wieder neu auf. Als Umstellungszeitraum solltet Ihr 2-3 Wochen rechnen und ein tiefenreinigendes Shampoo anwenden. Sind dann alle Silikonreste entfernt, erwarten Euch echter Glanz und Volumen. Sogar die Trockenzeit langer Mähnen wird sich verkürzen und Stylings lassen sich mit weniger Hitze umsetzen. Auch Eure Kopfhaut wird Euch danken, denn sie kann dann wieder so richtig „durchatmen“. Hier geht’s zum Trendthema Scalp Care.