Clever und grün verpackt

Klar, was zählt, sind die inneren Werte. Immer mehr Naturkosmetikfirmen machen sich aber auch Gedanken über eine umweltfreundliche Verpackung, denn sie meinen es ernst mit Nachhaltigkeit. Dabei herausgekommen sind tolle Ideen wie Shampooflaschen mit Holzfasern, Rouge in Pappschachteln und Umkartons mit Samen zum Einpflanzen.
Titelbild Magazin: Clever und grün verpackt Bild: pixabay

Wir kaufen so oft wie möglich im Bio-Laden, fahren mit dem Rad statt mit dem Auto, trennen ordentlich den Müll und bringen Flaschen zum Altglascontainer. Eigentlich logisch, dass wir auch in punkto Kosmetik zunehmend wert auf ökologisch sinnvolle Verpackungen legen. 67 Prozent der Deutschen sagen, dass umweltfreundliche Materialien für sie ein wichtiges Kriterium beim Kauf sind. Das ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Doch bei vielen Tuben und Tiegeln hat man leider den Eindruck, sie seien für die Ewigkeit gemacht, da Kunststoff jahrzehntelang nicht verrottet und sich immer mehr Plastikteilchen in unseren Meeren ansammeln. Bio-Beauty-Hersteller haben sich deshalb schon immer konsequent mit ihren Verpackungen auseinandergesetzt – und sind jetzt einen großen Schritt weitergekommen.

Kunststoff, Glas oder Aluminium? Unentschieden!

Was ist eigentlich das umweltfreundlichste Material, wenn es darum geht, Cremes und Shampoos zu verpacken? Natürlich Glas, sollte man meinen, doch diese Frage lässt sich überraschenderweise gar nicht so klar beantworten. Hinzu kommt, dass es bei der Wahl zwischen Kunststoff, Glas oder Aluminium auch eine Rolle spielt, wie gut der jeweilige Stoff das Produkt vor Licht und Sauerstoff schützt. Schließlich setzen Naturkosmetikhersteller ja keine synthetischen Konservierungsmittel ein. Tuben aus Aluminium schützen zwar gut vor Keimen, da sie keine Luft nach innen saugen, verbrauchen aber jede Menge Energie bei der Herstellung. Glasflaschen lassen sich toll recyceln, schützen jedoch nicht so gut vor Licht und sind oft schwerer als ihr Inhalt, was den Energieverbrauch beim Transport enorm in die Höhe treibt. Kunststoff dagegen ist leichter und unzerbrechlich, allerdings schwer abbaubar und setzt bei der Verbrennung klimaschädliches Kohlendioxid frei. Die Umweltbilanz ist also nicht eindeutig. Das Gros der Bio-Beautyhersteller hat sich deshalb zur Zeit für die Verwendung von PET entschieden – achtet jedoch darauf, dass es sich dabei um recyceltes Material handelt, damit die ökologischen Minuspunkte von Plastik möglichst minimiert werden. Fest steht, dass es noch viel zu tun gibt. Aber die Firmen packen es an!

Weniger ist mehr: Hülle ohne Fülle

Ein Weg, Verpackungen ökologischer zu gestalten, sind z. B. intelligente Sparmaßnahmen, schon im letzten Jahr auf der Naturkosmetikmesse Vivaness für Aufsehen gesorgt haben. So hat Speick seinen neuen Körperpflegeprodukten nicht nur ein frischeres Outfit verpasst, sondern obendrein auch das Material der Tuben drastisch reduziert. Die Wände sind jetzt deutlich dünner, aber immer noch stabil – mit dem Effekt, dass 30 Prozent weniger PET verwendet werden muss, sich das Gewicht verringert und jede Menge Energie beim Transport gespart wird. Bei den neuen Family-Produkten von Sante heißt es dagegen: Der Mix macht’s. Um den Anteil an PET zu verkleinern, werden dem Kunststoff feinste Holzfasern untergemischt, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Thüringen stammen. Aber es gibt noch weitere, spannende Ansätze.

Wiedersehen macht Freude

“Bring it Back“ heißt eine Aktion von Farfalla. Da es in der Schweiz kein Kunststoff-Recycling über den Hausmüll gibt, nimmt der Naturkosmetikhersteller das für seine Produkte jetzt selbst in die Hand. Leere Tuben und Flaschen können in den Geschäften zurückgegeben werden, Farfalla leitet sie dann an einen Recyclingpartner weiter, der sie zu Pellets verarbeitet und daraus erneut Plastikbehälter herstellt. Durch diese Strategie schafft es die Marke, pro verwendetem Kilo Plastik die Menge von 1 Liter Erdöl und 2 Kilo CO2 einzusparen.

Pappe: Alles andere als alte Schachteln

Ein weiteres, wichtiges Material, das in der Bio-Beauty-Branche relativ häufig zum Einsatz kommt, sind Umkartons. Ganz darauf verzichten kann man oft nicht, denn sie bieten Platz für die gesetzlich vorgeschriebene INCI-Liste, schützen Glasbehälter vor Licht und erleichtern den Transport, da sich Tuben oder Flaschen sonst nicht gut stapeln lassen oder beschädigt werden könnten. Da Pappe zu den umweltverträglichen Rohstoffen gehört und Naturkosmetikhersteller auch hier auf Recycling-Material setzen, ist das eine akzeptable Lösung. Besonders, wenn man es hinbekommt, dass nahezu die gesamte Verpackung aus Altpapierkartons besteht, wie bei der französischen Bio-Make-up-Linie Couleur Caramel. Statt in Plastikdöschen befindet sich das Puderrouge in runden Pappschachteln. Für Lidschatten gibt es eine Art Mini-Tuschkasten aus Karton, und die Hülsen der Lippenstifte bestehen aus Pappe mit recyceltem Aluminium.

Nie wieder Müll: Das Konzept der Zukunft

Ein interessanter Ansatz, der auch für Naturkosmetikhersteller zukunftsweisend sein dürfte, ist das Konzept „Cradle to Cradle“, zu deutsch „von der Wiege zur Wiege“, das von den Umweltforschern Prof. Dr. Michael Braungart und William McDonough entwickelt wurde. Dahinter steht die Idee, dass alle Dinge, die irgendwann nicht mehr gebraucht werden oder kaputtgehen können, so gemacht sein müssen, dass durch sie kein Abfall mehr entsteht. Stattdessen sollen sie sich entweder in Nichts auflösen oder in einem endlosen Kreislauf weiterverwendet werden. Um zu verdeutlichen, was gemeint ist, haben die beiden Wissenschaftler z. B. eine Eisverpackung entwickelt, die im gefrorenen Zustand einer Folie gleicht, sich bei Raumtemperatur aber verflüssigt und verdunstet. Nahe dran an der Verwirklichung dieser Vorstellung von einer Welt ohne Müll ist die junge, amerikanische Naturkosmetikmarke Pangea Organics. Die Produkte selbst stecken zwar überwiegend in PET-Flaschen, aber die Umkartons bestehen aus recycelter, klebstofffreier Pappe mit Basilikumsamen, die man sie anfeuchten, in einen Blumentopf pflanzen und nach ein paar Wochen Kräuter ernten kann. Auf eine blühende Zukunft!

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