Mythos Alkohol

„Kenner genießen verantwortungsvoll.“ Diese Aufschrift ziert heutzutage etliche hochprozentige Spirituosen. Dabei findet Alkohol auch in Kosmetik häufig und nicht gerade in Maßen Einsatz. Ein Grund zur Sorge? Schließlich ist er bekannt dafür, die Haut zu reizen und auszutrocknen.
Alkohol, Foto: PIXABAY

Eines gleich mal vorweg: Es gibt Dinge, die deutlich besser sind als ihr Ruf. Auch wenn Alkohol zweifellos Probleme birgt und unter den Beauty-Inhaltsstoffen als umstritten gilt, hat er dennoch einige Talente zu bieten, die ihn wie geschaffen für Naturkosmetik machen.

Qualifizierte Fachkraft Alkohol

Alkohol ist ein exzellenter Helfer bei der Herstellung von naturkosmetischen Rohstoffen: Da er sehr gut Fett lösen kann, eignet er sich perfekt, um Pflanzen jene Wirkstoffe zu entlocken, die nicht wasserlöslich sind. Oft gelingt es erst durch die Herstellung eines wässrig-alkoholische Auszugs, alle wertvollen Substanzen zu extrahieren und verfügbar zu machen.

Starker Beschützer

Beim Einsatz als Zutat hat Alkohol ein ganz besonderes Talent: Es gibt kaum eine natürliche Substanz, die so erfolgreich gegen Bakterien wirkt. Hauptgrund für seinen häufigen Einsatz in Bio-Kosmetik ist deshalb die Konservierung. Schon eine geringe Konzentration von etwa 10 Prozent schützt Cremes und Bodylotions zum Beispiel zuverlässig vor dem Verderb. Wegen ihres hohen Feuchtigkeitsanteils sind diese nämlich deutlich keimanfälliger als reine Öle. Eingearbeitet in Deos hält Alkohol außerdem Bakterien in Schach, die für Geruchsbildung verantwortlich sind. In Gesichtswässern und After Shaves verhindert er die Entstehung von Entzündungen, und als Zutat von Anti-Pickel-Produkten sorgt er dafür, dass Hautunreinheiten schneller verschwinden. Nicht zuletzt brauchen Parfüms eine Basis aus Alkohol: Erst wenn er auf der Haut verdunstet, werden die feinen Duftmoleküle frei gesetzt.

Nichts für Sensibelchen?

Zugegeben: Er hat auch echte Schwächen. Bei sehr trockenem, empfindlichem Teint sollte Alkohol wegen seiner Fettlösekraft tatsächlich nur in Maßen zum Einsatz kommen. Ganz darauf verzichten, muss man dennoch nicht: Während der Verwendung von Gesichtscremes oder Bodylotions verfliegt ein Großteil des Alkohols nämlich bereits beim Auftragen, ohne von der Haut aufgenommen zu werden. Chemische Konservierungsmittel, wie sie in konventionellen Cremes eingesetzt werden, setzten ihre bakterizide Wirkung hingegen den ganzen Tag lang auf der Haut fort – ein NoGo, wenn man die natürliche Barrierefunktion bewahren will. Einige der synthetischen Haltbarmacher, wie zum Bespiel Parabene, dringen zudem in den Körper ein und wirken dort wie Hormone. Mögliche Folgen: Brustkrebs und Schilddrüsenerkrankungen. Risiken, die mit Alkohol konservierte Kosmetik nicht birgt.

Etwas mehr Vorsicht ist lediglich bei Tonics, Gesichtswässern und After Shaves geboten: Denn sie enthalten meist deutlich mehr Alkohol als Pflegecremes. Bei trockenem, empfindlichem Teint würde damit auf Dauer zu viel Talg entfernt werden. Sensibelchen sollten also lieber auf Produkte setzen, die ohne Hochprozentiges auskommen.

Alternative: Bio Promille

Bei allen Vor- und Nachteilen stellt sich noch eine entscheidende Frage: Ist Bio-Alkohol eigentlich besser als konventioneller? Ein klares Ja! Denn die Qualität des Rohstoffs kann sehr unterschiedlich ausfallen: Reiner Alkohol, der zum Trinken geeignet ist, wird besteuert und ist aus diesem Grund verhältnismäßig teuer. Da Pflege und Parfüms ja „nur“ auf der Haut angewendet werden, setzten konventionelle Kosmetikhersteller deshalb fast immer eine vergällte Variante ein, die durch den Zusatz von Phthalaten ungenießbar gemacht wurde. Das ist zwar deutlich günstiger – aber leider auch gefährlich: Weil die chemischen Weichmacher sowohl fett- als auch wasserlöslich sind, werden sie über die Haut aufgenommen, gelangen ins Blut und können bei häufigem Kontakt zuckerkrank oder unfruchtbar machen.

In Bio-Pflege und Naturkosmetik-Parfüms sind Phthalate selbstverständlich tabu. Stattdessen wird Bio-Alkohol verwendet, der meist aus Weintrauben oder Weizen hergestellt wurde und Lebensmittelqualität hat. Falls er doch vergällt wird, geschieht dies durch den Zusatz hochwertiger ätherischer Öle. Das verlängert nicht nur die Haltbarkeit, sondern liefert obendrein auch noch einen wunderbaren Duft.

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2 Gedanken zu „Mythos Alkohol“

    1. Klasse, Heinz Jürgen! Es gibt genügend Naturkosmetiknutzer, die tatsächlich gern komplett darauf verzichten. Und wenn ein komplettes Sortiment keinen Alkohol enthält, spart man sich das Durchforsten der INCI 🙂
      Viele Grüße Jenny vom naturalbeauty.de-Team

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