Pflanzenporträt: Rosmarin

Dieses Kraut lässt niemanden kalt: Rosmarin bringt nicht nur das Blut in Wallung, sondern auch die Leidenschaft. Auf Hochzeiten lässt sich der Hansdampf in allen Gassen genauso blicken wie in der Küche oder auf Weihnachtskonzerten – und soll sogar für so manches Baby verantwortlich sein. Auch in Kosmetik heizt uns der junge Wilde tüchtig ein.
Pflanzenporträt: Rosmarin, Foto: PIXABAY

Wie duftet der sonnige Süden? Na klar – nach Rosmarin! Wer denkt bei dem bitter-würzigen Geruch schon an Weihnachten? Und doch war es früher in vielen ländlichen Regionen Brauch, dass die Sänger des Kirchenchores am Tag nach Heiligabend einen Strauß Rosmarin an ihren Gewändern trugen. Ähnlich wie der Christbaum galt die Pflanze nämlich lange Zeit als Symbol des Lebens, weil es auch im Winter grün bleibt. Auch bei Eheschließungen oder Taufen war der fromme Segensspender daher in ganz Europa damals ein gern gesehener Gast.

Das Beste sind jedoch seine Inhaltsstoffe, allen voran das ätherische Öl. Es verleiht dem Rosmarin neben seinem delikaten Geschmack und dem verführerischen Duft auch eindrucksvolle Heilkräfte.

Ein Heißsporn, der die Sinne weckt

Rosmarinsträucher werden bis zu zwei Meter hoch und besitzen unzählig viele, schmale Blättchen, die an den Rändern leicht eingerollt sind und an Tannennadeln erinnern. In ihrem Innern steckt ein raffinierter Wirkstoff-Mix aus Borneol, Linalol, Harzen, Gerbsäuren und Bitterstoffen. Es gibt aber noch drei weitere Substanzen, die das ätherische Öl besonders wohltuend wirken lassen. Carnosolsäure, die ebenfalls in Salbei vorkommt, bekämpft Bakterien und wehrt freie Radikale ab, die die Zellen schädigen und die Haut schneller altern lassen.

Wissenschaftler der britischen Northumbria University haben zudem entdeckt, dass 1,8-Cineol nicht nur Schleim löst, sondern obendrein die Gedächtnisleistung steigern kann. Kampfer bringt die Durchblutung auf Trab, wärmt und macht munter wie ein kleiner Espresso. Kein Wunder also, dass Rosmarin auch nachgesagt wird, dass er das Feuer der Leidenschaft entfachen kann! Nicht ohne Grund war das Kraut im alten Griechenland der Liebesgöttin Aphrodite geweiht und zur Zeit Karls des Großen unter dem Namen Hochzeitsblume bekannt. In Belgien hieß es sogar, Neugeborene würden aus Rosmarinsträuchern gepflückt – ähnlich wie sie bei uns der Legende nach vom Storch gebracht wurden. Ob an den Baby-Gerüchten etwas dran ist, sei dahingestellt. Tatsache ist jedoch, dass diese Heilpflanze bei Blutergüssen, Prellungen, Muskelkater, Völlegefühl, Erkältungen, Kreislauftiefs und nervösen Herzbeschwerden rasch Linderung bringt. Wie angenehm, dass Rosmarin auch noch äußerst lecker ist: Besonders zu mediterranen Kartoffelgerichten, Eintöpfen, Bohnen, Quark und Fisch schmeckt der heilkräftige Wachmacher einfach nur köstlich.

Jung, schön und duftig mit Rosmarin-Beauty

„Wenn du dich schwach fühlst, dann koche die Blätter des Rosmarins und wasche dich damit, bis du glänzt. Wenn du am Rosmarin riechst, wird es dich jung erhalten“, lautete bereits 1525 ein Ratschlag aus „Banckes Kräuterbuch“. Heute haben wir es zum Glück einfacher, denn das Kraut steckt in vielen Kosmetikprodukten. In Fußcremes schützt der Extrakt vor Gerüchen und bringt Eisfüße zum Schmelzen. Sportpflege mit Rosmarin lockert verspannte Muskeln, Duschgels und Bäder damit vertreiben Müdigkeit. Eingearbeitet in Shampoos hält das ätherische Öl schnelles Nachfetten, Schuppen und Haarausfall in Schach. Auch in Gesichtswässern und Cremes gegen unreine Haut wird die Pflanze gern eingesetzt, da sie Keime killt und die Heilung fördert.

Außerdem hat Rosmarin schon vor langer Zeit eine Karriere als Duftstoff gestartet. Schon in einem der ersten destillierten Parfüms, bei dem ätherische Öle mit Alkohol kombiniert wurden, spielte das Kraut eine entscheidende Rolle. Das Rezept wurde im Jahr 1370 notiert und hieß nach der Königin Elisabeth von Ungarn, für die es kreiert wurde, „Ungarisches Wasser“. Auch das seit Generationen beliebte Kölnisch Wasser erhält seinen typischen Charakter durch eine Extraportion Rosmarinöl. Klar, dass so ein dufter Naturbursche in Bio-Kosmetik nicht fehlen darf. Die Palette reicht von Haut- und Haarpflege über Reinigungsprodukte bis hin zu herrlich aromatischen Parfüms.

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Thymian, Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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