Pflanzenporträt: Thymian

Er ist ein absoluter Frauenliebling: Schon im Mittelalter nahmen die Mädchen ihn gern mit ins Bett und so mancher Mann eroberte das Herz seiner Liebsten mit einem Strauß des duftenden Krauts. Kein Wunder: Der grüne Kerl riecht toll, beweist Geschmack, sorgt für reinen Teint, frische Haare, löst Husten und macht sogar in der Küche einen guten Job.
Titelbild Magazin: Pflanzenporträt Thymian Bild: pixabay

“Der nächste Schnupfen kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt“, lautet ein altes, deutsches Sprichwort. Tatsächlich ist die mediterrane Pflanze bis heute in vielen Naturheilmitteln gegen Schnupfen, Heiserkeit und Bronchitis zu finden. Aber auch am Herd ist das Kraut ein gern gesehener Gast. Wenn die Tomatensoße im Topf köchelt und ein würzig-aromatischer Hauch Thymian unsere Nase kitzelt, fühlen wir uns im Nu rundum glücklich – fast wie im Sommerurlaub. Doch wer die Pflanze auf diese traditionelle Rolle reduziert, kennt ihre besten Seiten noch nicht. Oder wusstet Ihr, dass dieses Kaut Hormonmangel ausgleicht und gegen so manches Beautyproblem deutlich besser wirkt als moderne medizinische Tinkturen?

Vom Mittelmeer zu den Mönchen: Ein Kraut mit Geschichte

Ursprünglich stammt der Thymian aus dem Mittelmeerraum. Doch auch in anderen Ländern, in denen er ein trockenes, sonniges Plätzchen findet, fühlt sich der Strauch mit den holzigen Stängeln pudelwohl. Dann kann er bis zu einem halben Meter hoch werden! Die Blüten sind zartrosa und sehen wunderhübsch aus, aber der wahre Schatz des Krautes sind die ovalen, intensiv duftenden Blättchen, die bei winterharten Sorten das ganze Jahr über grün bleiben. Die wichtigsten Wirkstoffe befinden sich im ätherischen Öl: Die Phenole Thymol und Carvacrol halten Keime und Pilze in Schach, verflüssigen darüber hinaus festsitzenden Schleim. Gerb- und Bitterstoffe unterstützen die Verdauung. Schon die Ägypter nutzten die antibakterielle Wirkung des Thymians und setzten ihn zur Einbalsamierung ein. Im antiken Griechenland diente die Pflanze als Räuchermittel und römische Legionäre nahmen ein ausgedehntes Bad mit dem Kraut, bevor sie in die Schlacht zogen. Im 11. Jahrhundert brachten Benediktinermönche den Thymian über die Alpen nach Deutschland und bauten ihn hier in Klostergärten an.

Natur ist die beste Medizin: Haut und Haare ins Reine bringen

Jede Menge Inhaltsstoffe, die gegen Entzündungen und Pilze wirken? Das macht den Thymian natürlich auch zu einem begehrten Kandidaten für Kosmetik. Besonders in Bio-Pflegeprodukten gegen fettige, unreine Haut ist er eine beliebte Zutat. Wie exzellent das Kraut gegen Pickel hilft, ist jetzt sogar amtlich: Wissenschaftler der Metropolitan Universität in Leeds haben nachgewiesen, dass der Kräuterextrakt noch effektiver wirkt als Benzoylperoxid, ein Wirkstoff, der häufig in medizinischen Akne-Waschlotionen und -cremes verwendet wird. Hinzu kommt, dass Thymian selbst sensible Haut nicht reizt, was bei Benzoylperoxid durchaus der Fall sein kann. Auch in Deos, Fußcremes und gegen fettige Kopfhaut ist die Heilpflanze ein Hit. Der Inhaltsstoff Carvacrol killt zuverlässig Müffelbakterien unter den Achseln und an den Sohlen. Gerbstoffe verengen die Poren und regulieren den Schweißfluss. Thymol sorgt dafür, dass überschüssiger Talg verdünnt wird und besser abfließen kann. Das schützt vor Pusteln, speckigem Glanz und zu schnellem Nachfetten der Haare. Und auch ölige Kopfschuppen sind mit Thymian-Shampoos bald Schnee von gestern!

Dufter Tipp für Frauen im Wechselbad der Hormone

In der Provence war es lange Zeit Brauch, dass ein junger Mann seiner Angebeteten einen kleinen Strauß Thymianzweige an die Tür hängte, um ihr damit seine Liebe zu offenbaren. Kein schlechtes Geschenk, wenn man bedenkt, dass Thymian hormonelle Turbulenzen ausgleichen kann. Wie ein Zündfunken regt er die Bildung körpereigenen Östrogens und Progesterons an, hilft so bei Regelschmerzen, Schwangerschafts- und Wechseljahrsbeschwerden. Und das sogar mit Gottes Segen: In der Klostermedizin wird Thymian oft als Marienkraut bezeichnet. Wenn eine Frau sich Kinder wünscht, rät ihr eine alte Volkssage dazu, ihr Kopfkissen mit getrockneten Thymianblättchen zu füllen oder ein paar frische Zweige mit ins Bett zu nehmen. Das soll sexy und fruchtbar machen – und unerschrocken obendrein: Der Name „Thymian“ kommt nämlich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “Mut, Stärke und Tapferkeit”. Ob Thymian wohl deshalb bis heute so eine beliebte Duftnote in Parfüms ist? Gut möglich!

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Hamamelis, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula und Wildrose.

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