Hinter der Fassade

Schlichter könnte ein Buchtitel kaum sein. Dabei ist „Schön!“ von Rebekka Reinhard alles andere als oberflächlich. Die Philosophin wagt den Blick hinter die Fassade unserer von Schönheit besessenen Welt und konfrontiert Sie auf 240 Seiten mit den Weisheiten von Sokrates, Laotse oder Schopenhauer. Ein raffiniert-flüssiger Schreibstil, unterhaltsame Vergleiche und ein beinahe erschreckender Realitätsbezug machen „Schön!“ zu einem literarischen Vergnügen.

Allem voran steht der gesellschaftliche Druck: Wer nach Perfektion strebt, sich den optimalen Job, den besten Partner, die schickste Wohnung und den wohlerzogensten Hund wünscht, kann schließlich nicht mit einer Hakennase herum laufen. Oder doch? Und überhaupt: Was ist eigentlich schön? Rebekka Reinhard widmet sich dieser Frage in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, lässt dabei Statistiken, Trends und antike Ansätze gleichermaßen in ihre Betrachtungen einfließen.

Schönheit und der Sinn des Lebens
Das weibliche Schönheitsideal, der modebegeisterte Mann und die Frage, ob Schönheit wirklich im Auge des Betrachters liegt, finden in den ersten drei Kapiteln Raum. Später geht es um Diven wie Marilyn Monroe, Blender wie Silvio Berlusconi und kleine, wertvolle Gebrauchsanweisungen für uns Normalsterbliche im Alltag. Denn zwar ist Schönheit gewissermaßen ein menschliches Grundbedürfnis, aus philosophischer Sicht kann das höchste Ziel des Menschen dennoch nicht sein, Topmodel zu werden – sondern vielmehr ein schönes, erfülltes Leben zu haben.

Mit gutem Aussehen zum Glück?
Bleiben wir bei diesem Beispiel: Heidi Klums Topmodel-Kandidatinnen verdeutlichen den Glauben, dass gutes Aussehen nicht nur ein Ticket zu mehr Selbstwertgefühl ist, sondern auch zu einem guten Leben insgesamt. Das Problem dabei: Schönheit ist mit allerlei kosmetischen Mittelchen und sogar OPs „machbar“ – Glück hingegen nicht. Stattdessen steigen unsere Minderwertigkeitsgefühle nur noch weiter, wenn das gewünschte Ergebnis (nämlich ein glückliches Leben) sich auch nach 30 Kosmetik-Behandlungen nicht von selbst verwirklichen will. Die Autorin versucht, den Leser zu der Erkenntnis zu bringen, dass Alterserscheinungen wie Falten und schlaffes Bindegewebe keine Probleme sind, die wir tunlichst bearbeiten müssen – sondern vielmehr eine Mahnung, nicht noch mehr wertvolle Lebenszeit vor dem Spiegel zu verplempern. Denn wahre Schönheit finden wir vor allem in uns selbst.

Fazit:
Eine spannende Reise durch alle Zeitalter, die Schönheit im Fokus hat, ohne dabei das Leben selbst aus dem Blick zu verlieren. Wer sich schon immer gern ausführlich mit dem Schön-Sein beschäftigen wollte, dabei aber nicht hundert Werke aus verschiedensten Epochen zur Rate ziehen möchte, für den ist dieses Buch genau die richtige Lektüre. Noch dazu verbindet Rebekka Reinhards viertes Werk Anspruch mit trivialem Zeitgeist und Unterhaltung. Durchaus eine schöne Geschenkidee – im wahrsten Sinne des Wortes.

Rebekka Reinhard: „Schön!“, 240 Seiten, LUDWIG Buchverlag, 19,99 Euro.

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