Fette Pflanzenöle und Feuchtigkeit:
So funktioniert‘s!

Sie sind aus der Naturkosmetik nicht wegzudenken: Fette Pflanzenöle. Oftmals sind sie Basiszutaten, werden aber gleichermaßen als Wirkstoffe angepriesen, die der Haut Feuchtigkeit spenden sollen. Doch geht das überhaupt – wie sollen denn Lipide für Hydration verantwortlich sein?
Fette Pflanzenöle

Würdet Ihr zum Olivenöl greifen, um Euren Durst zu stillen? Die Antwort ist ganz klar nein und macht auch deutlich, dass fette Pflanzenöle nicht halten können, was viele Produktversprechen beinhalten. Aber das heißt längst nicht, dass sie keine Vorzüge haben. Manchmal muss man einfach ein wenig um die Ecke denken…

Einsatzort Hautbarriere

Susanne Gans, Leitung Labor bei Speick Naturkosmetik, erklärt was die Hauthelfer leisten: „Fette Öle an sich können keine Feuchtigkeit spenden. Aber wenn sich Öle sehr gut in die Hautbarriere integrieren, so verschließen sie die Zwischenräume, wie bei einer Backsteinmauer der Mörtel. Dadurch kann der Transepidermale Wasserverlust verhindert werden.“

Transepidermaler Wasserverlust (TWL) bedeutet, dass zu viel Wasser aus der Haut nach außen tritt und so Feuchtigkeit verloren geht. Ihn zu regulieren, ist die Basisaufgabe einer guten Pflege, die der Gesunderhaltung unseres größten Organs dient. Ist die Hautbarriere beschädigt, ist der TWL erhöht. Der Verlust erfolgt unkontrolliert.

Natur vs. synthetische Rohstoffe

Man könnte meinen, die Zwischenräume der Zellen müsse man bedingungslos schließen und das könnten auch synthetische Zutaten –  aber dies ist ein Trugschluss: „Das Ganze funktioniert nicht bei okklusiven Ölen wie Paraffinöl oder Mineralölen, die sich nicht in die Barriere integrieren. Zwar liegt hier der Ölfilm auf der Haut, da er sich aber nicht in die Hautbarriere einfügt, ist der Effekt der „Abdichtung“ nur von sehr kurzer Dauer und damit nutzlos für die Hautfeuchtigkeit“, so Susanne Gans.

Bleibt der synthetische Film an der Hautoberfläche aber erhalten oder wird häufig nachgelegt, kann dies die Ausscheidungsprozesse der Haut behindern. Zusätzlich dazu zieht eine Behinderung des TWL eine Quellung der Hornschicht nach sich – unser Teint trocknet noch stärker aus.

Gemeinsam, statt einsam
Fette Pflanzenöle
© Photo by Samara Doole on Unsplash

Demnach sind fette Pflanzenöle also doch die bessere Wahl? Definitiv ja! Doch statt sie als Einzelkämpfer einzusetzen, sollte man sie mit anderen Zutaten kombinieren: „Sinnvoll ist, sie zusammen mit echten Feuchthaltefaktoren einzusetzen. Wir bei Speick nehmen dafür zum Beispiel unseren Rübenextrakt, der ein 24 Stunden Langzeitfeuchtigkeitsdepot in der Haut hat. Beliebt sind vor allem Substanzen, die auch in der Haut als sogenannter „Moisturizing Factor“, also natürlicher Feuchthaltefaktor, vorliegen und die die Feuchthaltung der Haut regulieren. Hyaluronsäure ist so ein Stoff. Oft wird auch Glycerin eingesetzt, da es, sofern auch Wasser in der Formulierung enthalten ist, als hygroskopische Substanz das Wasser in der Haut hält. Auch Aloe Vera ist ein begehrter Feuchtigkeitsspender“, erklärt Susanne Gans.

Fette Öle sind also kein Solitär. Besonders, wenn Ihr eine sehr trockene Haut oder eine gestörte Hautbarriere habt, kann eine reine Ölpflege ohne das Zufügen von Feuchtigkeit Euren Teint zusätzlich stressen. Dasselbe gilt für reife Haut. Verwendet Ihr fette Pflanzenöle solo, sollten sie immer direkt nach der Reinigung auf die noch feuchte Haut aufgetragen werden. Auch in Kombination mit Hydrolaten entfalten sie ihre Talente.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass fette Pflanzenöle an sich keine Feuchtigkeit spenden. Sie wirken allerdings feuchtigkeitsbewahrend, indem sie die Hautbarriere stärken und einen zu hohen transepidermalen Wasserverlust verhindern. In Kombination mit H2O, Hydrolaten oder Feuchthaltefaktoren können sie dem Teint tatsächlich Wasser zuführen und als Moisturizer fungieren – nur eben nicht allein.

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