Du kommst hier nicht rein: Resorcin

Blond, Brünett, Rothaarig und Schwarz waren einmal. Heute versprechen Colorations-Hersteller den „professionellen Mix harmonischer Farben“ mit wohlklingenden Namen wie Schoko-Toffee-Twist, Goldkupfer oder Perlmut-Hellblond. Wer chemisch färbt, hat alle Möglichkeiten – vor allem dank dem Nuancierer Resorcin. Aber: Der Stoff hat hohes Risikopotential…
Du kommst hier nicht rein: Resorcin, Foto: PIXABAY
Wie findet man Resorcin in der INCI-Liste?

Man findet Resorcin und seine Verwandten unter vielerlei Bezeichnungen in den Inhaltsstofflisten: Resorzin, Resorcin, Resorcinol, Resorcin Monoacetate, 3-Hydroxyphenylacetat, Hydroxyphenol 3, m-Dihydroxybenzene, Benzene-1,3-diol oder 1,3-Benzoldiol sind die am häufigsten verwendeten.

Was ist Resorcin eigentlich?

Resorcin ist ein farbloser, kristalliner Feststoff. Es ist leicht in Wasser löslich, ebenso in Alkohol und Glycerin. Der Stoff wirkt bakterizid, ist brennbar und wird als gefährliche Chemikalie eingestuft. Es ist gesundheitsschädlich beim Verschlucken, reizt zudem Haut und Augen. Für Wasserorganismen ist er extrem giftig

Wo wird Resorcin eingesetzt?

In der Kosmetik wird Resorcin vorwiegend zur Haarpflege eingesetzt: Es ist als Kuppler in oxidativen Haarfärbemitteln und Tönungen enthalten. Zusammen mit den Oxidationsbasen reagiert es zu unlöslichen Farbstoffen und kann Einfluss auf die Nuancierung nehmen. In Haarspülungen und Conditionern hat der Stoff eine antistatische Wirkung und sorgt für gute Kämmbarkeit. Einige Anti-Schuppen-Shampoos enthalten ebenfalls Resorcin.

In der Industrie kommt der Inhaltsstoff ebenfalls vielfältig zum Einsatz, zum Beispiel als Haftvermittler in der Reifenherstellung, als Klebstoff bei Holzkonstruktionen und zur Herstellung von Farb- und Kunststoffen.

In der Pharmazie dient es als Antiseptikum, als Desinfektionsmittel und wird in Salben zur Behandlung von Akne und Ekzemen verwendet. Darüber hinaus wird es als UV-Stabilisator eingesetzt.

Was ist so problematisch an Resorcin?

Resorcin ist in vielerlei Hinsicht umstritten: Es kann zu Allergien führen und steht außerdem unter Verdacht, für Mutationen verantwortlich zu sein – in Zellversuchen hat Resorcin Veränderungen an Chromosomen hervorgerufen. Ein Punkt, der absolut dafür spricht, während der Schwangerschaft auf chemische Haarfärbemittel zu verzichten! Die schwedische Organisation International Chemical Secretariat (Chemsec) hat Resorcin auf die SIN-List mit kritischen Substanzen in Verbraucherprodukten gesetzt. Derzeit wird geprüft, ob es auch auf die EU-Liste der besorgniserregenden Stoffe kommt.

Selbst wenn man von akuten Wirkweisen absieht, bietet dieser Stoff weiteres Risikopotential: Es kann beim Einatmen zu Übelkeit, Schwindel und geistiger Verwirrung führen. Bei Hautkontakt können Rötungen und Schmerzen auftreten. Es gilt zudem als umweltgefährlich. Da es sich leicht in Wasser löst, sind vor allem Wasserorganismen betroffen: Für sie ist Resorcin besonders giftig.

Unser Fazit

Zum Glück gibt es Alternativen! Allein die große Palette der Naturhaarfarben als Pulver oder Color Creme ist heute so breit, dass man auf modische Mixturen mit Resorcin getrost verzichten kann. Verschiedene Nuancen erzielt man bei der natürlichen Variante nämlich ganz einfach über unterschiedliche Einwirkzeiten, den Einfluss der eigenen Haarfarbe und Haarstruktur oder Geheimtipps wie schwarzen Tee zum Anrühren der Haarfarbenpulver. Und die kann man für Farbexperimente sogar noch untereinander mischen… In Haarspülungen sorgen pflanzliche Multitalente wie Klettenwurzelextrakt oder Brokkolisamenöl für Kämmbarkeit, gegen Schuppen wirken Wacholderöl, Birkenblatt- und Weidenrindenextrakt. Auf Resorcin kann die Naturkosmetik also getrost verzichten!

Hier findet Ihr alle Beiträge unserer Serie „Du kommst hier nicht rein“.

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