Beim Kochen die Welt retten?

Klingt lecker: Das „Zukunftsmenü“ von Sarah Wiener mutet zunächst als neues Kochbuch der sympathischen Spitzenköchin an. Rezepte aus der nachhaltigen oder regionalen Küche sucht man in dem 224 Seiten starken Werk jedoch (fast) vergebens: Statt leichtem Feldsalat mit Spalten heimischer Äpfel erwartet den Leser eher schwere Kost. „Zukunftsmenü“ ist – wenn man so will – eine literarische Suche nach den Ursprüngen unseres Essens. Und nach der Frage, ob man die Welt wirklich mit Genuss retten kann.

Über den Tellerrand schauen
Sarah Wiener ist bekannt für den nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln: Frisch, regional und auch saisonal orientiert ist ihre köstliche Küche. Guter Geschmack ist dabei selbstverständlich – aber ebenso der achtsame Genuss. Und der beginnt für die 51-Jährige schon lange vor der Einkaufsstätte. Moderne Nutztierhaltung, echtes Sauerteigbrot und der Weg der Milch vom puren Grundnahrungsmittel zum Industrieprodukt sind nur einige der Themen, die die gebürtige Westfälin in „Tischgesprächen“ (so die Headline der meisten Themen im Buch) mit Experten wie Tierärzten, Holzofenbäckern und Imkermeistern diskutiert. Dabei geht es immer wieder um Schlagworte wie Qualität, Schadstoffe, den Wert von Lebensmitteln und Tradition. Dazwischen informieren Statistiken über Fleischkonsum, die Zahl ökologisch wirtschaftender Betriebe, den jährlichen Verbrauch von Vollmilch oder Zucker. Das Zukunftsmenü schafft damit Transparenz durch und durch.

Happen fürs Hirn
Neben Fakten und spannenden Infos aus erster Hand, die auch aufgrund ihrer Darstellung sehr authentisch wirken, überrascht das prall gefüllte Werk zudem mit Statements, die so manchen Leser ins Grübeln bringen dürften: „Genussvoll essen heißt, sich durch eine gewisse Selbstdisziplin kreativ zu beschränken, zum Beispiel aus einer Obstsorte mehrere verschiedene Speisen zu machen – und nicht aus zwanzig Sorten einen Salat!“ Stimmt. Genauso wie jeder einzelne der gut 15 Gründe dafür, warum man selbst kochen sollte, die weiß auf braunem Grund in einer Infobox nach Aufmerksamkeit verlangen: Kochen macht unabhängig, und es bringt Spaß. Es fördert die Entwicklung eines individuellen Geschmacks, entspannt und entschleunigt. Kochen transportiert Zuneigung – nicht umsonst heißt es, Liebe geht durch den Magen. Es fördert die Kommunikation. Kochen ist sinnlich. Und: Sie wissen immer genau, was Sie essen. Das kleine ABC der Zusatzstoffe in Lebensmitteln reicht aus, um dem Leser deutlich zu zeigen, was nicht ins Essen gehört. Und die vieldiskutierte Frage, wie viel Frucht eigentlich im Fruchtjoghurt steckt, tut ihr Übriges (der Mindestgehalt liegt nämlich bei nur 6 Prozent).
Lösungsansätze hat Sarah Wiener natürlich auch zu bieten. Und die sind überaus praxistauglich: vom klimafreundlichen Speiseplan, einem Saisonkalender für den Einkauf bis hin zu Tipps zur Verwertung von Resten und vermeintlich ungenießbaren Lebensmitteln gibt die leidenschaftliche Köchin jedem Weltretter den passenden Tipp an die Hand. Und damit scheint die Aufgabe auch gar nicht mehr so schwer… Unser Fazit: Ein Basiswerk für Menschen, die gern hinter die Kulissen schauen und harte Fakten nicht scheuen. Und für alle, die Genuss einmal in völlig neuen Facetten betrachten möchten.

Sarah Wiener: „Zukunftsmenü. Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können“, Riemann Verlag, 224 Seiten, 19,99 Euro.

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