Palmöl: Warum schadet es dem Regenwald?

Toller Wirkstoff oder Regenwaldkiller? Palmöl ist umstritten, steckt aber auch oft in Naturkosmetik. Warum das so ist und wie Sie trotzdem ganz viel fürs Klima tun können, erfahren Sie in in der brandheißen Folge 3 unserer Serie.
Palmöl, Foto: PIXABAY

„Muss nur noch kurz die Welt retten“, singt Tim Bendzko. Da machen wir natürlich alle gern mit. Kaum einer ahnt, dass wir tagtäglich unbewusst zur Zerstörung des Regenwalds beitragen. Ob Schokolade, Spülmittel, Seife oder Bodylotion: In fast jedem zweiten Alltagsprodukt steckt Palmöl. Und leider bringt es in diesem Fall auch nicht viel, 148 Zutaten zu checken, denn Palmöl taucht oft gar nicht auf der Verpackung auf, sondern wird hinter nebulösen Bezeichnungen wie „pflanzliches Öl“ versteckt. Auch bei Kosmetik ist es nur bedingt möglich, das umstrittene Fett zu erkennen, obwohl es ja die Inci-Liste gibt. Des Rätsels Lösung: Palmöl wird oft gar nicht pur verwendet. Häufig dient es auch als Ausgangsstoff für Tenside, Emulgatoren oder pflanzliches Glyzerin, deren Herkunft nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Trotzdem gibt es Auswege, speziell wenn Sie Bio-Produkte benutzen. Wir stellen Euch dieses brisante Öl vor.

Warum schadet Palmöl dem Regenwald?

Fakt ist: Palmöl ist das am meisten produzierte Pflanzenfett der Welt. Rund 54 Millionen Tonnen werden pro Jahr aus dem Fruchtfleisch und den Kernen der Ölpalme gewonnen. Etwa 29 Millionen Tonnen davon werden zur Herstellung von Kosmetik verwendet. Um die große Nachfrage zu befriedigen und Platz für gigantische Ölplantagen zu schaffen, wird der Regenwald kurzerhand vernichtet – besonders in Indonesien und Malaysia. Ein echtes Problem – denn der Regenwald ist „die grüne Lunge“ unserer Erde. 20 bis 30 Prozent unseres Sauerstoffs werden allein durch ihn geliefert. Außerdem bildet der Regenwald Dunstwolken, die das Sonnenlicht wegreflektieren und die Erde abkühlen. Das können Ölpalmen nicht leisten, so dass sich das Klima durch die Zerstörung des Regenwalds kontinuierlich erwärmt.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Brandrodung mit jedem abgefackelten Hektar etwa 220 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden. Deshalb wird Palmöl, auch wenn es ein nachwachsender Rohstoff ist, oft zum Bumerang – und zwar nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die einheimischen Bauern und die dort lebenden Orang-Utans, die bereits vom Aussterben bedroht sind. Ähnlich wie in den Zutatenlisten der Lebensmittelhersteller gibt es aber auch hier Hintertürchen, mit denen einige Firmen ihren Reinigungsmitteln oder Pralinen ein sauberes Image verpassen wollen.

Greenwashing: Das bringt uns auf die Palme

Da die EU beschlossen hat, ab 2015 zumindest bei Nahrungsmitteln auf einer Kennzeichnungspflicht von Palmöl zu bestehen, ändern einige konventionelle Hersteller ihre Taktik. Sie stehen dazu, Palmöl zu benutzen, weisen aber darauf hin, dass es nachhaltig sei. Anders als bei seriösen Bio-Siegeln ist auf extra Regenwald-Labels aber nur wenig Verlass. Im Gegenteil: Greenwashing ist damit an der Tagesordnung. Von der Organisation “Rettet den Regenwald” wird vor allem das Siegel des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) kritisiert, das z. B. weitere Abholzung, Monokulturen und den Einsatz hochgiftiger Pestizide erlaubt. Aber auch das Logo der Online-Plattform von GreenPalm ist umstritten. Hier können Firmen in Form einer Ausgleichsabgabe Zertifikate von RSPO-Plantagenbesitzern kaufen und sich damit eine weiße Weste verleihen – egal, ob das tatsächlich im Produkt enthaltene Öl nun nachhaltig produziert wurde oder nicht.

Ölwechsel? Leider Fehlanzeige

Fragt sich nur, weshalb man Palmöl nicht einfach ersetzt, etwa durch Sonnenblumen- oder Olivenöl. Besonders in punkto Hautpflege müsste ein solcher „Stoffwechsel“ doch einfach möglich sein, oder? „Das geht leider nicht so einfach“, erklärt Dr. Roland Grandel, Chemiker beim Naturkosmetik-Zertifizierer BDIH. „Da Palmöl ein ganz eigenes Fettsäurespektrum hat, würde die komplette Rezeptur eines Produktes nicht mehr funktionieren.“ Im Gegensatz zu anderen Ölen liefert es nämlich nicht nur Vitamin A, Vitamin E und Ölsäure, sondern ist bei Zimmertemperatur butterartig fest. Das macht es zu einem tollen Konsistenzgeber in Cremes.

Verantwortlich dafür ist der hohe Anteil an Palmitin- und Laurinsäure, die Pflegeprodukte herrlich geschmeidig machen, sich optimal als Basis für Seife eignen und dieses Öl vergleichsweise stabil halten. Letzter, und wahrscheinlich auch stark ausschlaggebender Pluspunkt: Palmöl ist gnadenlos günstig. 1 Liter kostet im Schnitt 70 Cent!

Bio ist besser: Auch fürs Klima

Um trotzdem möglichst umweltverträgliche Naturkosmetik zu produzieren, arbeiten Bio-Beauty-Hersteller vor allem mit zwei Strategien: Zum einen beziehen sie ihr Palmöl vorrangig aus Südamerika, wo es Öko-Anpflanzungen gibt. Für diese Plantagen wurde kein Regenwald abgeholzt, da sie auch schon vorher landwirtschaftlich genutzt wurden, etwa für Bananen. Pestizide und Kunstdünger sind tabu und der Lohn für die Bauern ist fair. Zum anderen sind Bio-Beauty-Firmen fieberhaft auf der Suche nach Tensiden, Emulgatoren und Glyzerin, die nicht aus konventionellem Palmöl hergestellt werden.Doch das ist gar nicht so einfach. Im Gegensatz zu Ringelblumen, Salbei oder Rosmarin, die oft liebevoll in eigenen Heilkräutergärten angebaut und direkt im Werk zu Extrakten verarbeitet werden, können diese Hilfsstoffe nicht selbst hergestellt werden. Dazu sind viele Naturkosmetikhersteller einfach zu klein. Diese Hilfsstoffe müssen von externen Firmen zugekauft werden – und die lassen gern mal im Dunkeln, woher sie ihr Palmöl beziehen. Doch es gibt zunehmend mehr Alternativen!

Relativ häufig setzen Naturkosmetikanbieter z. B. bereits Tenside und pflanzliches Glyzerin aus Kokosfett ein, die allerdings zehnmal so viel kosten wie konventionelle Hilfsstoffe. Dadurch werden auch Cremes und Shampoos, in denen sie eingebaut werden, etwas teurer. Doch billig würde in diesem Fall auf Kosten der Umwelt gehen. Dafür zahlen die meisten von uns sicher gern 50 Cent mehr.

„Allerdings muss man auch ganz klar sehen, dass Kosmetik nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist“, sagt Dr. Roland Grandel. „Gemessen an dem Palmölverbrauch für Nahrungsmittel, Reinigungsmittel und Bio-Kraftstoffe ist der Einsatz in Hautpflegeprodukten sehr gering.“ Wer echte Naturkosmetik verwendet, tut aber auf jeden Fall schon sehr viel, um ein bisschen was von unserer schönen Welt zu retten…

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