Andere Länder, andere Sitten

Spekulatius, Lebkuchen, Stollen – diese süßen Köstlichkeiten gehören zum Weihnachtsfest wie der Tannenbaum und das Christkind. Zumindest bei uns. Aber wie ist das in anderen Ländern? Was mögen unsere Nachbarn in der festlichen Zeit? Lassen Sie sich inspirieren – von köstlichen Weihnachtsbräuchen rund um den Globus…

Das Weihnachtsfest wird in vielen Ländern der Welt gefeiert. Beim Gebäck jedoch scheiden sich die Geister: Während es in Deutschland nach Vanillekipferl und Lebkuchen duftet, wird in Frankreich das Pompe de Noël gebacken, ein traditionelles Weihnachtsbrot aus der Provence. Das flache Brot aus Mehl, Hefe, Olivenöl, frischen Orangen und Orangenlikör wird traditionell am Weihnachtsmorgen gegessen. Dabei bricht sich jeder ein Stück ab. Denn wer mit dem Messer schneidet, der geht Überlieferungen zufolge im folgenden Jahr bankrott. Um den köstlichen Fladen leichter teilen zu können, wird er vor dem Backen sternförmig eingeritzt.

Südliche Traditionen
In Griechenland ziehen die Kinder an Heiligabend mit Trommeln und Schellen durch die Straßen und singen Lobgesänge. Das soll ihnen und ihren Familien Glück bringen. Geschenke bringt der heilige Vassilius den Kindern erst an Neujahr. Und für die Erwachsenen gibt’s köstliche Weihnachtskuchen aus Eiern, Zucker, Walnüssen und Ouzo. Darin ist eine Geldmünze versteckt… Wer sie findet, dem soll das ganze Jahr über Glück beschert sein.

Italienische Familien veranstalten am 24. Dezember eine Art Lotterie, bei der jeder ein Los für ein kleines Geschenk zieht. Es folgt ein opulentes Weihnachtsessen, bei dem natürlich der berühmte Panettone nicht fehlen darf. Der traditionelle Weihnachtskuchen stammt ursprünglich aus Mailand. Klassischer Panettone hat die Form einer Kuppel und besteht aus einem würzig-leichten Hefeteig mit kandierten Früchten und Rosinen.

Very British
In England wird am 25. Dezember der weltweit berühmte Christmas Pudding oder Plum Pudding gegessen. Einer alten Tradition zufolge wird das Gericht bereits am Sonntag vor dem 1. Advent zubereitet. Jedes Familienmitglied darf einmal umrühren und sich dabei etwas wünschen. Die Zutaten – unter anderem Fett, Trockenfrüchte, Nüsse, Mehl, Eier und Gewürze – werden zu einem Teig verarbeitet und anschließend im Wasserbad gedämpft. An einen kühlen Ort bewahrt man ihn dann bis Weihnachten auf und serviert ihn flambiert mit Brandy und einer zuckersüßen Soße. 

Im hohen Norden
In Finnland warten die Kinder am Weihnachtstag auf Trompte, den Weihnachtswichtel. Ihm stellen sie das Frühstück vor die Tür und warten darauf, dass es Runebergintortut gibt. Diese delikate Torte aus Lebkuchen, Himbeermarmelade, Mandeln, Mehl, Zucker und Sahne schmeckt immer anders, da jede Hausfrau und jede Familie ihr Geheimrezept hat.

In Norwegen genießt die Weihnachtsbäckerei ganz besondere Aufmerksamkeit. Die beliebtesten Plätzchen sind Pfefferkuchen und Krumkake. Die köstlichen gedrehten Waffeln werden aus Zucker, Butter, Eiern, Mehl und Vanille und mit einem speziellen runden Waffelholz hergestellt.

Weihnachtsgrüße aus Moskau
Ein sehr leckeres Weihnachtsgebäck stammt aus Russland: Die Russischen Weihnachtsschnitten bestehen aus fein geschnittenen kandierten Früchten, Eiern, Butter, Zucker, gehackten Mandeln und Mehl. Der Teig wird gleichmäßig auf ein Backblech gestrichen und mit Mandelblättchen, Vanille-, Puder- und Hagelzucker bestreut. Nach dem Backen teilt man den Blechkuchen in kleine Rauten oder Quadrate. 

Genüsse aus Übersee
In Südafrika haben die europäischen Einwanderer ihre weihnachtlichen Spuren hinterlassen. Soetkoekies sind Weihnachtsplätzchen, die herrlich nach exotischen Gewürzen duften. Der Teig besteht aus Mehl, braunem Zucker, Butter, gehackten Mandeln, Eiern und Backpulver. Aromatisiert wird der Teig mit Zimt, Ingwer, Muskatnuss, gemahlenen Nelken und Rotwein oder Sherry.

In Bolivien wird am 24. Dezember um 12 Uhr nachts angestoßen und gegessen, danach geht es mit der ganzen Familie zur Prozession. Anschließend tanzt man zuhause ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden nach den Rhythmen heimischer Musikinstrumente. Am nächsten Tag werden die beliebten Buñuelos gegessen. Die frittierten Quarkbällchen, in Zimt und Zucker oder Honig gewälzt, sind auch in Kolumbien und Mexiko eine beliebte Weihnachtsleckerei.

Das Weihnachtsfest in den USA ist bunt, hell und mächtig. In echtem Kontrast dazu stehen die eher unscheinbaren aber dafür umso leckereren Ingwerplätzchen, für die jede amerikanische Hausfrau ihr Lieblingsrezept hat. Sie gehören natürlich zum traditionellen Weihnachtsessen, zu dem man sich mit Verwandten, Bekannten und Freunden trifft, Truthahn isst und gemeinsam fröhliche Lieder singt.

In heimischen Gefilden
Nichtsdestotrotz zählt Deutschland zweifelsfrei zu den traditionsreichsten Weihnachtsgebäck-Ländern. Deshalb an dieser Stelle auch noch ein klitzekleiner Einblick in das, was bei uns in diesen Tagen auf keinem Plätzchenteller fehlt:

Spekulatius wurden ursprünglich zu Ehren des Heiligen Nikolaus gebacken. Sie sollten daran erinnern, dass Bischof Nikolaus von Myra, den Hungernden und Bedürftigen Brot gegeben hat. Der Name Spekulatius stammt vom lateinischen Begriff speculator (Aufseher), so nannte man damals die Bischöfe. Spitzbuben sind ein Weihnachtsgebäck aus dem Schwäbischen, bestehend aus zwei Mürbeteigplätzchen, in deren süßer Mitte Marmelade versteckt ist. Vanillekipferl sind ein traditionelles deutsch-österreichisch-böhmisches Weihnachtsgebäck in Hörnchenform. Lebkuchen wurden früher in Klöstern als Heil- und Arzneimittel eingesetzt. Das Gewürz- und Honigbrot war auch wegen seiner langen Haltbarkeit beliebt. „Pfefferkuchen“ nannte man ihn, weil früher alle exotischen Gewürze pauschal als "Pfeffer" bezeichnet wurden.
Zimtsterne sind ein aus Schwaben stammendes Weihnachtsgebäck aus einer mit geriebenen Mandeln angereicherten Baisermasse, die dem Gebäck die typisch weiße Glasur verleiht.
Auch unser (Christ-)Stollen hat eine lange Tradition. Seine Form soll an das gewickelte Christkind erinnern. Das ursprüngliche „Christbrot” aus dem 14. Jahrhundert war ein Fastengebäck der Klöster aus Mehl, Hefe und Wasser. Die heutige dicke Zuckerschicht darauf war damals viel zu teuer. Als süßes Weihnachtspräsent wurde er erstmals 1329 an Bischof Heinrich in Naumburg überreicht. 

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