Geht es uns zu gut?

Der Kühlschrank ist immer voll, der Handel fast durchgehend geöffnet, und das Warenangebot scheint gigantisch. Tatsache ist aber leider, dass trotz Aufklärung viel zu viel davon im Müll landet. Geht es uns schlichtweg zu gut?

Dank zahlreicher Medienberichte, beispielhafter Initiativen in unseren Nachbarländern und der bereits 2011 veröffentlichten Doku „Taste the Waste“ bekommen wir aber so langsam ein Gefühl dafür, wie achtlos wir im Alltag mit Lebensmitteln umgehen. Denn nicht alles lässt sich auf die Unachtsamkeit des Handels schieben. Immerhin wirft jeder Deutsche im Privathaushalt pro Jahr etwa 82 kg Lebensmittel weg.

Warum wir wegwerfen
Ist ja auch schnell passiert: Man ist hungrig einkaufen gegangen, hat viel zu viel nach Hause geschleppt und kann nicht alles rechtzeitig verbrauchen. Man hat mal wieder viel mehr gekocht als gegessen wird, und die Reste landen im Müll. Oder Freunde laden spontan ein, am nächsten Abend ist man verplant, am Wochenende unterwegs und schon sind die eingekauften Zutaten nicht mehr ansehnlich und werden vor dem nächsten Einkauf ruckzuck entsorgt…

Welthunger stillen
Erschreckend: Insgesamt landen in reichen Industrieländern innerhalb eines Jahres rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Eine Zahl, bei der es einem angesichts des lebensvernichtenden Hungers in anderen Teilen der Welt den Magen umdrehen kann. Und laut seriösen Untersuchungen ist es in der Tat so, dass sich an den Lebensmitteln, die allein in Europa weggeworfen werden, alle Hungernden dieser Welt gleich zwei Mal (!) satt essen könnten.
Für diese gigantische Verschwendung ist eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich: Schon in der Landwirtschaft und im Handel wird gnadenlos vernichtet. Jede zweite Kartoffel beispielsweise wird bereits bei der Ernte aussortiert. Genau wie anderes Obst und Gemüse, weil es – oft nur aus optischen Gründen – nicht der gern gekauften Norm entspricht. Im Supermarkt geht das Dilemma dann weiter: Etwa zehn Prozent der Frischeprodukte landet hier laut aktuellen Schätzungen im Müll. Ein Grund hierfür ist das Mindesthaltbarkeitsdatum, vor dessen Ablauf die Lebensmittel aus dem Verkauf genommen werden. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass der verwöhnte Kunde am liebsten aus prall gefüllten Regalen kauft. Also werden sie immer wieder neu bestückt– unabhängig davon ob tatsächlich entsprechender Bedarf besteht. Und selbstverständlich müssen Äpfel, Paprika sowie der Rest der Obst- und Gemüseabteilung so makellos aussehen, als wären sie einem Werbefoto entsprungen. Die Folge: Was Macken hat, wandert in die Tonne.

Was wir tun können
Fakt ist: Die Halbierung des Lebensmittelmülls würde ebenso viele Klimagase vermeiden, wie die Stilllegung jedes zweiten Autos weltweit. Kaum zu glauben, wie viel Gutes aus weniger Verschwendung und der sinnvollen Nutzung von Lebensmitteln entstehen könnte. Warum fangen wir dann nicht an? Wir müssen nicht auf Gesetzesänderungen oder globales Umdenken warten, sondern könnten sofort im eigenen Haushalt loslegen – ganz ohne schmerzhaften Verzicht.

7 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

1. Der Klassiker: Zu viel gekocht – der Rest wandert in den Müll
Die naheliegende Maßnahme? Genau: Weniger kochen. So schwer ist das ja eigentlich nicht, die passende Menge Nudeln und Co. für sich oder die Familie herauszufinden. Rezeptbuch, Küchenwaage und gezielte Experimente im hauseigenen Kochstudio helfen weiter. Alternative: Noch ein bisschen mehr kochen und das was übrigbleibt entweder am nächsten Tag futtern oder einfrieren. Möglichkeit drei: Reste kreativ verwerten (mehr dazu unter Punkt 2)

2. Lebensmittel verwerten
Die Aubergine, die einen im Supermarkt so angelacht hat, wartet schon seit Tagen auf ihre Verarbeitung. Irgendwie kommt man nicht dazu, nach einem passenden Rezept zu suchen  und so fängt sie irgendwann an zu gammeln. Muss nicht sein: Wer keine Lust hat, für die Verwertung des Kühlschrankinhalts Kochbücher zu wälzen, greift einfach auf die immense  Fülle an Online-Rezepte zurück. Oder noch besser: Auf www.reste-essen.de und www.zugutfuerdietonne.de die besagten Lebensmittel eingeben und ein leckeres Rezept auswählen. Außerdem lässt sich nahezu jedes Obst und Gemüse ganz fix zu leckeren und gesunden Smoothies verarbeiten – da spielen kleine Dellen keine Rolle.

3. Zettel schreiben
Klingt spießig, macht aber Sinn. Denn auf einer Einkaufsliste – ob nun in Papierform oder im Handy – notieren wir nur, was wir wirklich brauchen und mutieren so nicht zum ziellos umherirrenden Zuviel-Shopper.

4. Richtig lagern
Dass wir gelegentlich mit schlechtem Gewissen Angeschimmeltes aus dem Kühlschrank in den Müll befördern, liegt häufig nur an der falschen Lagerung, die Lebensmittel schneller verderben lässt. Faustregel: Obst und Gemüse ins unterste Fach, darüber Fisch, Fleisch & Co. In der Mitte Milchprodukte und ganz oben, wo es am wärmsten ist, z.B. fertiges Essen. Getränke, Eier und Butter halten sich in der Kühlschranktür am besten.

5. Bewusst shoppen
Irgendwer muss den Handel zum Umdenken bewegen – warum nicht wir? Wir wäre es, wenn wir Obst mit Macken nicht verschmähen und Lebensmittel auch kaufen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) übermorgen abläuft? In beiden Fällen ist die Ware in aller Regel bestens genießbar und hält sich noch etliche Tage. Zur Info: Das MHD bedeutet lediglich, dass für das Produkt bis zu besagtem Datum äußere Eigenschaften wie Konsistenz und Farbe unverändert bleiben. Es zeigt in der Regel nicht an, ab wann das Produkt nicht mehr genießbar ist. Und im Zweifelsfall hilft die Nase…

6. Wegwerfstopp für Supermärkte
Frankreich hat es vorgemacht: Ein neues Gesetz ver­bi­etet Super­märk­ten, ess­bare Lebens­mit­tel wegzuw­er­fen. Gesetzlich vor­ge­schrie­ben sind ab sofort Preis­nach­lässe für Unver­kauf­tes sowie die kosten­lose Abgabe an gemein­nützige Organ­i­sa­tio­nen oder zur Tier­füt­terung. Die Aktion „leere Tonne“ möchte ein solches Gesetz auch in Deutschland durchsetzen. Mehr Infos dazu gibt es hier: www.leeretonne.de

7. Hässliches Gemüse kaufen
Schiefe Gurken, herzförmige Kartoffeln und Möhren mit zwei Enden. Wer im Handel bewusst zu Obst und Gemüse greift, das nicht der Norm entspricht, setzt damit Zeichen für den Wandel. Denn sobald die Supermärkte realisieren, dass auch diese Exemplare verkauft werden können, kann sich vielleicht etwas ändern. Rewe und Edeka haben dazu bereits Tests gestartet! Bei Etepetete kann man im übrigen ganz gezielt eine „Gemüseretterbox“ ordern, die ausschließlich gesundes Bio-Gemüse enthält, das aufgrund seiner äußeren Erscheinung nicht in den Handel gelangt ist.

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