Verpackungsfreie Läden

Ob Käse, Tofu oder Gurken: In den meisten Lebensmittelgeschäften gibt’s das alles nur in Plastik eingeschweißt – und oft dazu noch mit Umkarton. Muss das sein? Nein, finden immer mehr Händler und bieten ihre Waren hüllenlos an. Tolle Idee. Doch wie läuft das eigentlich ab? Wir packen aus!

„Guten Tag, könnte ich bitte eine Tasse Zucker haben?“ Solche Sätze kennt man eigentlich nur noch, wenn die Nachbarin läutet, weil sie überraschend Besuch bekommen hat. In Geschäften erklingen sie dagegen selten. Doch das könnte sich bald ändern: Läden, die ihre Waren nahezu unverpackt anbieten, liegen voll im Trend, denn sie sparen nicht nur Abfall, sondern damit auch große Mengen Erdöl, Wasser, Energie und klimaschädliches Kohlendioxid ein. Laut Statistischem Bundesamt verursacht jeder Deutsche pro Jahr 456 Kilo Hausmüll, wovon 32 Kilo allein aufs Konto von Verpackungen gehen. Dabei sind die meisten gar nicht nötig, sondern belasten lediglich die Umwelt. Der erste Supermarkt, der wie in alten Zeiten konsequent auf lose Waren setzt, wurde 2007 in London eröffnet, inzwischen gibt es aber auch schon welche in Berlin, Bonn, Kiel und Wien. Bei den Kunden stößt das Konzept auf größtes Interesse: Das Team des Lebensmittelgeschäfts „Original Unverpackt“, das demnächst ebenfalls in Berlin eröffnen soll, hat sein Startkapital über eine Crowdfunding-Aktion gesammelt – und die erforderliche Mindestsumme von 45.000 Euro in nur drei Tagen zusammen bekommen. Ein grandioser Erfolg. Doch wie geht so ein Einkauf überhaupt vonstatten?

Precycling statt Recycling: So funktioniert’s
Wichtig ist vor allem, dass die Kunden Eigeninitiative beweisen und genug Transportbehälter mitbringen, also z. B. Einmachgläser, Milchkannen oder Tupperdosen. Diese werden zuerst leer abgewogen, damit der Preis für die gekaufte Ware richtig abgerechnet werden kann. Statt bunter Kunststofftüten und Kartons gibt es in den Regalen vor allem große Glasboxen, sogenannte Bulk Bins, aus denen man sich Reis, Linsen, Waschmittel oder Müsli abfüllt. Zusätzlich sind in den Läden meist auch Papier- und Stoffbeutel in verschiedenen Größen erhältlich, etwa für Brot. Zucchini, Kartoffeln, Äpfel und Tomaten liegen in Körben oder Holzkisten bereit. Die Waren stammen häufig von Bauern aus der Region oder werden von Bio-Großhändlern in Säcken geliefert.

Restlos happy: Auch genaues Portionieren spart Abfall
Wenn Nudeln, Kekse, Schinken und Mehl nicht mehr fix und fertig verpackt sind, hat das noch einen weiteren Vorteil: Man kann exakt die Mengen kaufen, die man tatsächlich benötigt. Das ist beispielsweise höchst praktisch, wenn man ein neues Rezept mit einem exotischen Gewürz ausprobieren möchte, aber nur einen Teelöffel davon benötigt – und keine ganze Dose. Hinzu kommt, dass Singles keine Familienpackungen zu nehmen brauchen oder wir nicht die Hälfte der Käsescheiben wegwerfen, weil wir es nicht geschafft haben, sie vor dem Verderb aufzuessen. Das ist nämlich öfter der Fall, als den meisten von uns bewusst ist: Rund 80 Kilo Lebensmittel wirft jeder Deutsche pro Jahr in den Müll. Wenn man nur 100 Gramm Tofu kaufen kann, wird dieses Stück garantiert auch rechtzeitig verbraucht. Klingt schön und gut, doch die Zahl der verpackungsfreien Läden kann man derzeit noch an fünf Fingern abzählen. Was tun, wenn keiner davon in der eigenen Stadt liegt?

Nehmen Sie’s selbst in die Hand: Shoppen ohne Plastik

Schon jetzt haben Sie die Möglichkeit, Ihren Müll beim Einkaufen deutlich reduzieren. Relativ einfach geht das, wenn Sie Obst und Gemüse in einem Bioladen besorgen, denn hier werden Brokkoli, Birnen und Salat fast immer unverpackt angeboten – während der Gesetzgeber Supermärkten, die sowohl konventionell als auch ökologisch Angebautes im Sortiment haben, vorschreibt, dass sie die Bio-Ware eingeschweißt verkaufen müssen. Zum einen, damit man es unterscheiden kann, und zum anderen, weil die Früchte nicht mit den Pestiziden der herkömmlichen in Kontakt geraten sollen. Auch auf Wochenmärkten und in kleinen Hofläden hat man häufig Glück. Milch, Mineralwasser und Säfte gibt es nicht nur in PET-Flaschen, sondern oft auch in solchen aus Glas. Und – das dürfte Ehrensache sein: Kunststoffbeutel kommen sowieso nicht in Tüte. Immer eine Stofftasche oder einen Einkaufskorb mitnehmen! Dann packen wir denn abfallarmen Einkauf auch ohne spezielle Läden, bis es genug davon gibt, wetten?

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