Vegane Milchsäure: Schmu statt Kuh?

Milchsäure wird aus Milch gewonnen. Ist doch klar, oder? Doch wie kommt es dann, dass auf vielen Cremes, Duschgels und Shampoos mit diesem Wirkstoff das Vegan-Siegel prangt? Wir sind der Sache nachgegangen – mit überraschendem Ergebnis.
Magazin: Magazin: Vegane Milchsäure: Schmu statt Kuh? Bild: pixabay

Ob auf dem Teller, im Kleiderschrank oder im Bad: Auf Tierisches zu verzichten liegt voll im Trend, denn für immer mehr Menschen ist der tägliche Einkauf nicht mehr nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern auch des Gewissens. Alternativen zu finden ist zum Glück nicht schwer. Sojabratlinge ersetzen Frikadellen, Wollmäntel Daunenjacken und rote Bete den Lippenstiftfarbstoff Karmin. Gerade Bio-Beauty-Hersteller sind höchst erfinderisch, wenn es darum geht, ohne Wirkstoffe von toten Tieren auszukommen. Schließlich ist diese Klausel in den Richtlinien aller Naturkosmetik-Siegel seit langem festgelegt. Doch auch Milch, Eier und Honig verschwinden in letzter Zeit immer häufiger aus den Rezepturen, um den Wünschen der Käuferinnen und Käufer gerecht zu werden. Begriffe wie „rein pflanzlich“ oder das Veganblumen-Logo haben Hochkonjunktur. Wer sich die Zutatenliste einiger Cremes, Gesichtsreiniger und Deos genauer anguckt, wird allerdings schnell stutzig: Wie kann es sein, dass so viele der als vegan gekennzeichneten Produkte Milchsäure enthalten?

Erste Sahne für die Haut

Hinter Milchsäure verbirgt sich eine organische Säure, die aus verschiedenen Zuckerarten durch Bakterien gebildet wird. Mit Milch hat dieser Vorgang also nicht immer etwas zu tun – selbst wenn der Name die Vermutung nahe legt. Das erkennt man schon daran, dass diese Substanz ein wichtiger Bestandteil unseres natürlichen Hydrolipidfilms ist, mit dessen Hilfe sie den pH-Wert der Haut reguliert. Wie ein Magnet bindet sie Feuchtigkeit, stabilisiert den Säureschutzmantel und hilft den Hornzellen, sich optimal zu erneuern. Kein Wunder, dass Milchsäure auch gern in Kosmetik eingesetzt wird. In Shampoos, Duschgels und Gesichtswässern sorgt sie dafür, dass Haut und Haare weniger austrocknen und sich das Säure-Basen-Gleichgewicht rasch regeneriert. Deos mit Milchsäure sagen Geruchsbakterien den Kampf an, ohne die Hautflora zu stören. In etwas höherer Konzentration eingesetzt, wirkt Milchsäure wie ein sanftes Peeling, weil sie die Kittsubstanz zwischen unseren Hautschüppchen auflockert. Dadurch kann überschüssiger Talg besser abfließen, so dass sich bei fettigem Teint seltener Pickel bilden. Erste Fältchen werden gemildert. Klingt gut. Aber wie kommt die Milchsäure nun in den Tiegel?

Ene, mene, muh: Es geht auch ohne Kuh

Milchsäure entsteht durch Fermentation von Zucker – und der kommt sowohl in Milch als auch in Pflanzen vor. Da Milch relativ teuer ist, setzen die meisten Kosmetikhersteller stattdessen Getreide oder Kartoffeln als Ausgangsstoff ein. Mit Hilfe von Enzymen wird die Stärke dieser Feldfrüchte zunächst in Maltose umgewandelt. Durch Zugabe von Bakterien bildet sich aus diesem Malzzucker anschließend Milchsäure. Auch synthetisch lässt sich der Wirkstoff herstellen – allerdings passiert das nur in Japan. Etwa 70 bis 90 Prozent der Weltproduktion an Milchsäure wird fermentativ hergestellt – und ist damit vegan.

Sauer macht schön:
Naturkosmetik mit pflanzlicher Milchsäure

Sensitive Gesichtswasser von Heliotrop mit Milchsäure, Aloe vera und Baumwollsamen-Extrakt
Daily Refresh Reinigungsschaum von Farfalla mit Milchsäure, Kamille und Grapefruit
Silicium Handcreme von Fitne mit Milchsäure, Aloe vera, Silicium aus Reis und Kamelienöl
Deo Roll-On Acai Energy von Sante mit Milchsäure, Acaibeeren und Sauerampfer-Extrakt
Men Active After Shave Lotion von Speick mit Milchsäure, Hamamelis, Schilfrohr- und Zuckerrüben-Extrakt

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