Unter Hochdruck: Schonende Pflanzenextraktion

Um wertvolle Inhaltsstoffe für Naturkosmetik zu nutzen, muss man sie aus ihrer pflanzlichen Verpackung extrahieren. Dafür wird ein Lösungsmittel benötigt. Kohlendioxid im so genannten überkritischen Zustand hat sich als besonders geeignet erwiesen.
Pflanzenextraktion, Foto: PIXABAY
Flüssig und doch gasförmig

Lösungsmittel wie Alkohol und Wasser sind bekannt. Doch es gibt Alternativen, die gegenüber diesen und anderen Klassikern sogar Vorteile aufweisen. Hierzu gehören verdichtete Gase, die in der Hochdruckextraktion Einsatz finden. Interessant ist dabei ihre überkritische Form, deren Eigenschaften zwischen denen des flüssigen und gasförmigen Zustands liegen – und die trotz ihres Namens alles andere als heikel ist.

Extraktion mit CO2

Überkritisches Kohlendioxid zum Beispiel weist die Dichte einer Flüssigkeit in Kombination mit der Viskosität eines Gases auf. Es entsteht, wenn man reines Kohlendioxid (die Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff) einer Temperatur von mehr als 31°C und einem Druck von mehr als 74 bar aussetzt. Das so entstandene Gas kann besonders leicht in andere Stoffe eindringen. Unter Hochdruck und Ausschluss von Sauerstoff werden dann die begehrten Extrakte gewonnen. Dank der recht niedrigen Temperatur ist eine besonders schonende Behandlung der Naturstoffe möglich und auch natürliche Aromen bleiben bei der CO2-Extraktion weitgehend erhalten. Das Ergebnis: lösungsmittelfreie Konzentrate und Essenzen.

Die Vorteile im Überblick

Das CO2 selbst lässt sich nahezu vollständig rückgewinnen. Weitere Vorteile: Im Gegensatz zu anderen Lösungsmitteln ist es absolut ungiftig, nicht brennbar, nicht korrosiv und wirkt sogar keimhemmend. Die entstehenden Extrakte sind damit nahezu steril und benötigen keine Konservierung. Außerdem ist ihre Haltbarkeit besonders hoch: “Natürlich hängt die Haltbarkeit immer auch von der Art des Ausgangsmaterials ab. Da CO2-Extrakte weder Wasser noch Proteine oder Kohlenhydrate enthalten, setzen wir die Haltbarkeit der meisten Produkte bei fünf Jahren an”, verrät Dr. Karl-Werner Quirin, Geschäftsführer der FLAVEX Naturextrakte GmbH. FLAVEX gehört zu den führenden Anbietern im Bereich der CO2-Extraktion und beliefert unter anderem Hersteller wie Wala und Weleda.

Die Aromen, Essenzen, Extrakte und Öle sind absolut naturrein und bei entsprechendem Ausgangsmaterial kompatibel zur Zertifizierung als Bio-Rohstoff. Laut Dr. Quirin hat ihre Gewinnung mit Hilfe von CO2 aber auch in Sachen Ökologie einen entscheidenden Vorteil: “CO2-Extraktion ist besonders umweltfreundlich. Bei der Extraktgewinnung mit diesem Verfahren entsteht nicht einmal Abwasser!” Schade, dass die Methode nicht universell nutzbar ist: “Die CO2-Extraktion ist zum Beispiel sehr gut für fette und ätherische Öle sowie Antioxidantien geeignet. Für die Gewinnung anderer Rohstoffe stehen ja Alkohol und Wasser als ebenfalls unbedenkliche Lösungsmittel zu Verfügung”, erklärt Dr. Quirin.

Auch wenn die Methode ihre Grenzen hat: CO2-Extraktion gehört zu den fortschrittlichsten Verfahren in der Naturstoffgewinnung. Darüber hinaus findet Kohlendioxid immer mehr Einsatzgebiete – selbst zur Entkoffeinierung von Kaffee wird es bereits seit Jahrzehnten verwendet.

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