Tusch! 100 Jahre Mascara

Sie beschert uns täglich schöne Augenblicke und macht jedes Make-up erst komplett: Die Wimperntusche feiert hundertsten Geburtstag! Während in ihren Anfängen eher von Improvisation die Rede sein kann, haben wir heute die Wahl zwischen unzähligen professionellen Mascara-Looks. Zeit auf ihre Geschichte zu blicken – und das Geheimnis toller Wimpern zu lüften…

Augen sind der Spiegel der Seele. Sie sprechen ohne Worte, können unser Herz berühren und hinterlassen oft einen bleibenden Eindruck. Das gilt besonders, wenn sie von einem dichten, seidigen Wimperkranz umrahmt sind. Den meisten von uns fehlt es jedoch an Farbe, Länge oder Volumen. Doch zum Glück gibt es Mascara! Der Begriff kommt übrigens aus dem Italienischen und bedeutet „Maske“. Sie hat den Effekt, den Blick optisch zu öffnen – egal ob im zarten Natural-Look oder kräftig getuscht. Deshalb greifen 80 Prozent der deutschen Frauen regelmäßig zur Wimpertusche. Doch so leicht wie wir hatten es unsere Vorfahrinnen nicht. Und auch Naturkosmetik-Fans mussten lange warten, bis es endlich die erste Bio-Mascara gab.

Asche, Ruß und Rosenblätter

Wo wir heute nur entspannt ins Beauty-Case greifen, musste man im alten Ägypten, dem antiken Griechenland und im Alten Rom noch Einfallsreichtum beweisen: So mischte man Pasten aus Ruß, verbrannten Rosenblättern und Dattelkernen, die dann auf die Wimpern aufgetragen wurden. Während die ägyptischen Männer und Frauen sich damit vor bösen Energien schützen wollten, galten lange Wimpern beim weiblichen Geschlecht des Alten Roms als Zeichen von Keuschheit. In Europa fand man erst im 19. Jahrhundert langsam Gefallen an Kosmetik. Allerdings widmeten sich auch die Damen im viktorianischen Zeitalter dabei noch Do-it-yourself-Experimenten: Die Wimperntusche dieser Zeit bestand meist aus Asche, Ruß und Holunderbeerensaft. Erst als der gebürtige Franzose Eugene Rimmel in England einen schwarzen Block kreierte, von dem man mit einem feuchten Pinsel Farbe für die Wimpern abnehmen konnte, entstand das erste kommerzielle Wimpernprodukt.

Liebe ist: Ihm schöne Augen zu machen
Die erste wirkliche Mascara entstand 1913 in den USA, als die verliebte Maybel Williams ihren Angebeteten mit einem betörenden Blick für sich gewinnen wollte. Ihr Bruder, der Chemiker T.L. Williams, erschuf aus Vaseline und Kohlenstaub eine neuartige Paste für sie – und Maybel eroberte ihren Schwarm mit dem neuen Augenaufschlag im Sturm. Ab 1915 vertrieb Williams die Mascara unter dem Namen „Maybelline“, einer Kombination aus „Maybel“ und „Vaseline“, im Versandhandel. Seit 1935 ist das Produkt schließlich im Einzelhandel erhältlich.

Mascara kommt in Mode
In den Golden Twenties, den 1920er Jahren, erlebte die dekorative Kosmetik insgesamt einen Boom. Verschiedene Leinwandgöttinnen prägten entscheidend das Schönheitsideal ihrer Zeit und brachten auch die Wimperntusche mehr und mehr in Mode. Ab den 1930er Jahren entwickelte sich die Mascara entscheidend weiter: 1938 kommt die erste wasserfeste Mascara auf den Markt, 1960 wird erstmalig ein Produkt im Fläschchen mit integrierter Spiralbürste lanciert.

Gehobene Ansprüche
Spätestens in den 90ern war die Auswahl an Mascaras bereits so groß, dass Frauen sich kaum noch zwischen den Werbeversprechen der zahllosen Hersteller entscheiden konnten – und damit wuchs der Anspruch. Während die Damenwelt einst glücklich war, ihren Wimpern mit simplen Hausmittelchen ein wenig mehr Farbe und Dichte verleihen zu können, muss die moderne Mascara ein Alleskönner sein: Volumen, Länge, Schwung und Pflege soll sie bieten, dabei langanhaltend haften, wisch- und wasserfest sein, sich aber dennoch schonend wieder entfernen lassen. Für die gewünschten Effekte setzen konventionelle Hersteller vor allem auf künstliche Polymere, Nylon, Silikon oder Kunstseide, die zusätzliche Länge verleihen – Inhaltsstoffe, die unseren echten Wimpern aber auf Dauer schaden können. Denn die verlängernden Kunststoffe fördern mit ihrer Starre leider das Abbrechen der feinen Härchen. Auch die Farbstoffe einiger herkömmlicher Produkte sind nicht ganz ohne: Triethanolamin kann z. B. krebserregende Nitrosamine bilden.

Natur als Herausforderung
Als 1997 von Dr.Hauschka die erste Naturkosmetik-Mascara eingeführt wird, ist sie zunächst ein Liebhaberstück. Denn ohne Silikone, Kunststoffe, chemische Farbgeber, Lacke und Co. ist sie zwar deutlich schonender zu den Wimpern – in Sachen Performance kann sie aber noch nicht mit den konventionellen Produkten mitzuhalten. Zumindest zu Beginn. Während Naturkosmetik-Mascara anfänglich nur bei Pflege und Verträglichkeit punkten konnte, hat sich bis heute einiges getan. Die Wimpern werden zwar nach wie vor mit Ölen und Wachsen umhüllt und mit rein natürlichen Pigmenten gefärbt. Anstelle von Nylon- oder Kunstseide-Fasern, die die Wimpern künstlich verlängern, fügen Naturkosmetik-Hersteller ihren Produkten häufig Gummi arabicum, ein natürliches Verdickungsmittel aus dem Saft von Akazien, hinzu.

Trick mit Köpfchen: Die Bürste macht’s
Die unterschiedlichen Effekte wie Länge, Dichte und Volumen erreichen Bio-Mascaras allerdings nicht allein durch ihre Rezeptur, sondern vor allem mit Hilfe clever kreierter Bürstchen. Es gibt schmale und breite, spitze und runde Modelle. Auch Abstand und Länge der Borsten, sowie ihre Stärke variieren – je nachdem, ob die Mascara Volumen geben oder die Wimpern vor allem färben und optisch verlängern soll. Als Grundregel gilt: Kurze Wimpern können mit einer Bürste mit kürzeren, weniger dicken Borsten optimal umhüllt werden. Für normale bis lange Wimpern dürfen es auch längere, kräftige Borsten sein. Welche Naturkosmetik-Mascara die richtige für Sie ist? Am besten ausprobieren – und vorab einen Blick in unsere Galerie werfen. Denn die verrät, welche Bürste in welchem Fläschchen steckt!

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