Biowachs statt Mikroplastik

„Ersatz für Mikroplastik gefunden!“ Diese frohe Botschaft ging vor kurzem durch die Presse. Klingt super, denn Peelings und Zahncremes mit Kunststoff belasten die Meere und kehren über Fisch und Trinkwasser zu uns zurück. Doch bei näherem Hinsehen handelt es sich um alte Bekannte – allerdings in neuem Gewand.

Wer konventionelle Kosmetik benutzt, spült oft winzige Schleifpartikel aus Kunststoff in den Abfluss, die für glatte Haut und saubere Zähne sorgen sollen. Darüber haben wir auf naturalbeauty mehrfach berichtet. Doch dieser Reinigungsspaß hat leider fatale Folgen: Da die Polyethylen-Teilchen einen Durchmesser unter 5 Millimetern haben, sind sie viel zu winzig, um sie aus dem Klärschlamm herausfiltern zu können. Sie verschmutzen nicht nur Flüsse, Seen und Meere, sondern wurden kürzlich sogar in Honig, Milch und Leitungswasser gefunden – und das sogar oft mit unterwegs eingesammelten Umweltgiften. Außerdem lassen sie unzählige Fische und Seevögel verenden. Kein Wunder, dass die kleinen Kugeln für Riesenwirbel sorgen: Die Liste mit mikroplastikhaltigen Pflegeprodukten, die der Umweltverband BUND im Februar 2014 ins Internet gestellt hat, wurde bereits über 400.000-mal heruntergeladen. Tausende Menschen haben ihrem Unmut in Petitionen Luft gemacht. Ein heftiger Gegenwind, der einige konventionelle Kosmetikhersteller zum Umdenken gebracht hat. Konzerne wie Unilever und Colgate-Palmolive haben angekündigt, in ihren Zahncremes und Peelings demnächst Ersatzstoffe zu verwenden. Die gibt es nämlich durchaus! Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen gaben jetzt bekannt, tolle Alternativen entwickelt zu haben, und zwar biologisch abbaubare Mikropartikel aus Bienen-, Candelilla- und Carnaubawachs.  

Immer einen Schritt voraus: Naturkosmetik
Nanu, die kennt man doch, oder? Zumindest, wenn man ein echter Naturkosmetikfan ist. Allerdings haben sich diese drei Zutaten schwerpunktmäßig in Bio-Make-up einen Namen gemacht, da sie gut haften und wasserfest sind. Candelillawachs, das aus den Blättern und Stängeln eines mexikanischen Busches gewonnen wird, der sich damit vor zu starker Verdunstung schützt, steckt vor allem in Lippenstiften und Wimperntusche. Ähnlich verhält es sich mit Carnaubawachs, das die Blätter einer brasilianischen Palmenart umhüllt, und Bienenwachs, wobei letzteres zusätzlich gern in Cremes und Lotionen verwendet wird. Aber auch in Bio-Peelings werden diese Stoffe bereits eingesetzt. Wachskrümelchen haben nämlich den Vorteil, keine scharfen Kanten zu besitzen, so dass sie die Hautoberfläche nicht reizen, sondern sie beim Rubbeln obendrein mit einer zarten Pflegeschicht überziehen. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe anderer Putzhilfen im Naturkosmetik-Regal: Allen voran Kieselsäure, Tonerde, Meersalz und Bambuspulver, die ihren Job so gründlich und dabei trotzdem sanft erledigen, dass sie sogar in Zahnpasta zum Einsatz kommen. Weitere bewährte Mikroplastik-Alternativen, die überwiegend in Bio-Gesichts- und -Körperpeelings stecken: Maismehl, Mandelkleie, Jojobawachs, Kokosraspeln, Ostseesand sowie fein vermahlene Trauben- oder Olivenkerne. Relativ neu sind dagegen Beeren- und Reiswachs, die sich weniger klebrig anfühlen als die von Bienen produzierte Variante, weil die Körnchen eine weichere Konsistenz haben und während der Anwendung rückstandslos auf der Haut schmelzen. Die Palette der Polyethylen-Alternativen ist also lang. Worin besteht denn eigentlich der Fortschritt, den die Forscher des Fraunhofer Instituts verkündet haben?

Masse mit Klasse – und in Zukunft mit Wirkstoff-Fracht
„Das Besondere unserer Partikel ist die Herstellungsweise, durch die sich völlig neue Möglichkeiten ergeben“, erklärt Projektleiter Dr. Sebastian Pörschke. Die Wachse werden zunächst geschmolzen, anschließend mit Kohlendioxid vermischt und unter hohem Druck durch eine feine Düse gepresst. Bis zu 350 Kilo Mikroteilchen lassen sich so pro Stunde produzieren. Das hat den Vorteil, dass man tatsächlich so große Mengen herstellen könnte, wie für einen Bio-Wachs-Umstieg in der Industrie benötigt. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 500 Tonnen Mikroplastik in Kosmetik verarbeitet, die es zu ersetzen gilt! Ein weiterer Pluspunkt der vom Fraunhofer Institut angewendeten Methode ist, dass man damit sogar Größe und Form der Teilchen beeinflussen kann. „Denkbar wäre auch, die Bio-Wachspartikel mit Wirkstoffen zu füllen, die sie beim Gebrauch des Produkts allmählich freigeben – ähnlich wie Liposome“, so Sebastian Pörschke. Doch das ist im Moment noch Zukunftsmusik.

Das können Sie jetzt schon tun

Benutzen Sie zertifizierte Naturkosmetik, verwenden Sie Körbe oder Stoffbeutel statt Plastiktüten und kaufen Sie Obst und Gemüse möglichst ohne Folie. Auch Fleece-Bekleidung ist ein Risiko: Laut Umweltbundesamt landen bei jedem Waschgang bis zu 2.000 Kunstfasern im Meer, weil sie von Klärwerken nicht aus dem Abwasser entfernt werden können. Unter diesem Link können Sie eine Petition unterzeichnen, damit Mikroplastik in Kosmetik verboten wird. Außerdem können Sie ein Projekt unterstützen, das von dem Niederländer Boyan Slat ins Leben gerufen wurde. Er hat ein raffiniertes Auffangsystem entwickelt, das die Strömung nutzt, um Mikroplastik aus dem Meer zu fischen. Weitere Infos finden Sie hier. Wer das alles beherzigt, hat schon viel für unsere Umwelt und seine eigene Gesundheit getan.

Porentief rein ohne Plastik:
Peelings und Zahncremes aus dem Bio-Regal

Daily Refresh Sanftes Peeling von Farfalla mit Reiswachs, Carnaubawachs und Bambuspulver
Soft Peeling Bio-Acai von Sante mit Peelingkörnchen aus Traubenkernen
Glättendes Gesichts-Peeling von Oceanwell mit mikrofeinem Ostseesand
Sole Zahngel von Fitne mit Meersalz, Kieselsäure und Mineralerde
Midsummer Rose Herbal Peeling Cream von Frantsila mit Kieselerde
Creme-Peeling Bio-Aloe von Logona mit Bambuspulver, Beeren- und Candelillawachs
Balance Creme-Peeling von Heliotrop mit Kieselsäure und Maisstärke
Zahncreme Schwarzkümmel von Eco Cosmetics mit Kieselsäure und Meersalz
Lemon & Mint Peeling Shower Gel von Kivvi mit Bambuspulver
Gesichtspeeling mit Fruchtenzymen von Joik mit Olivenkern- und Bambuspulver
Birken Dusch-Peeling von Weleda mit Carnauba- und Bienenwachs
Bio Face Peeling & Mask von Eliah Sahil mit Mandelkleie und Maismehl
Fluidum Sanftes Körperpeeling von Tautropfen mit Meersalz und Bienenwachs
Heilerde Zahncreme Propolis von Cattier mit Mineralerde und Kieselsäure

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