Süßes Nichtstun

Manchmal geht alles irgendwie zu schnell: Alltag, Beruf und Familie, aber auch die digitale Welt haben unser Leben ganz schön im Griff. Langeweile kommt da eher selten auf. Und mehr noch: Es scheint fast so, als ob wir das süße Nichtstun verlernt hätten. Höchste Zeit für ein wenig Entschleunigung – und die Erkenntnis, wie gut vor allem unserem Kopf Pausen zu Gesicht stehen.

Zurück zur Langsamkeit – so könnte man Entschleunigung treffend beschreiben. Leider tendieren wir häufig zum Gegenteil: Immer besser, immer schneller soll alles werden, kein Moment ungenutzt bleiben. Dabei kann ein klein wenig „Zeitverschwendung“ sogar zu mehr Kreativität verhelfen.

Faul sein als Antrieb
Füße hoch, Kopf aus: Was einfach klingt, fällt vielen Menschen schwer. Schließlich kann man die Couch-Zeit ja bestens mit Lesen, Fernsehen, Online-Shopping oder Social Networking verbinden. Doch gerade die Momente echter Langeweile, des Loslassens und ganz bewusst im Hier und Jetzt Seins, sind wichtig für unser Wohlbefinden. Denn: Langeweile dient nicht nur der mentalen und seelischen Balance – sie macht auch schlau und kreativ!

Hirnforscher haben nämlich entdeckt, dass gelegentliche Faulheit notwendig ist, damit Erlebtes und Gelerntes ihren Platz im Gehirn finden und mit Vorhandenem verknüpft werden können. Zuständig dafür ist eine Art kopfinternes Netzwerk, das immer dann anspringt, wenn unser Geist eigentlich ruht. Diese Nervenareale schalten jedoch ab, sobald neue Aufgaben – gleich welcher Art – zu erledigen sind. Mit ständigen Ablenkungen gehen uns somit sowohl entspannende Tagträume verloren als auch die Verarbeitung emotionaler Vorgänge…und dazu jede Menge geniale Ideen.

Eine schmerzliche Erkenntnis
Wie sehr wir Auszeiten heute als regelrecht lästig empfinden, zeigt ein Experiment: Forscher setzten mehr als 400 Testpersonen jeweils für 15 Minuten ohne Smartphone, Tablet oder Lesestoff in ein Wartezimmer. Die einzig mögliche Ablenkung: Sich selbst kurze Stromstöße verpassen. Ein auf den ersten Blick seltsames Angebot, das dennoch die Hälfte der Probanden annahm: Fast 70 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen zogen den gelegentlichen Elektroschock der Langeweile und dem Lauschen der eigenen Gedanken vor.

Weniger Tempo bedeutet nicht Stillstand
Mal abgesehen vom wirklichen totalen Nichtstun gibt es zahlreiche effektive Wege, sein Leben in etwas ruhigere Bahnen zu lenken:  Ausreichend Schlaf, große und kleine Portionen Freizeit und vor allem ein selbst definiertes „Tempolimit“ für die täglichen Herausforderungen in Job und Familie sind schon mal eine gesunde Basis für die persönliche Entschleunigung. Genau wie die Erkenntnis, dass Zeit gewissermaßen Luxus ist – und man ihr dementsprechend Raum einräumen sollte, um sie in vollen Zügen genießen zu können.

Die Gedanken sind frei
Fakt ist: Wer Langweile einfach mal „erträgt“, der wird ganz schnell entdecken, dass sie wie von selbst wieder verfliegt. Denn wenn unsere Gedanken ohne Vorgaben umherstreifen dürfen, zeigt sich ihre wahre Kraft. Probieren Sie es doch mal aus. Sie werden überrascht sein über die Vielfalt an kreativen Ideen und den intensive Austausch mit dem eigenen Selbst…

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