Sonnenschutz: Ist LSF 50+ sinnvoll?

Viel hilft viel – oder weniger ist mehr? Darüber lässt sich nicht nur in Sachen Sonnenschutz streiten. Aber für wen macht LSF 50+ wirklich Sinn und hat er überhaupt eine Daseinsberechtigung in unseren gemäßigten Breiten?
MAGAZIN Sonnenschutz: Ist LSF 50+ sinnvoll? Bild: pixabay

In Asien ist Blässe Trend. Sie gilt seit vielen Jahrhunderten als Statussymbol und Schönheitsideal. Auch noch im Jahr 2018. Für einen makellos-weißen Teint nimmt man deshalb gern Geld in die Hand – sei es für Kosmetik mit aufhellender Wirkung oder extrem hohen Lichtschutz in preisintensiven Produkten. Und in Europa? Hier regiert die Vielfalt – und kaum jemand wünscht sich einen Teint, so hell wie der Milchschaum auf seinem Latte Macchiato. Trotzdem erfreut sich Sonnenschutz mit Faktor 50+ auch bei uns immer größerer Beliebtheit.

Klassengesellschaft

Hierzulande sind die Möglichkeiten kaum begrenzt: UV-Schutz gibt es in fünf Produktklassen. Niedrig mit LSF 2, 4, 6; mittel mit LSF 8, 10, 12; hoch mit LSF 15, 20, 25; sehr hoch mit LSF 30, 40, 50 – und ultra: LSF 50 +.

Die Angabe 50+ gilt für alle Sonnenschutzmittel, bei denen Faktoren über 50 gemessen wurden. Danach ist Schluss. Damit wird EU-weit das Wettrüsten nach immer höheren Lichtschutzfaktoren begrenzt. Auch die Bezeichnung „Sunblocker“ gibt es nicht mehr, da die Aussage als absoluter Schutz vor den Sonnenstrahlen missverstanden werden könnte. Und den gibt es tatsächlich nicht: Auch Präparate mit dem LSF 50+ absorbieren „nur“ bis zu 98 Prozent der UV-Strahlen.

Theorie vs. Praxis

Der Lichtschutzfaktor gibt an, um welchen Wert die Eigenschutzzeit der Haut verlängert wird. Beträgt sie 10 Minuten und man nutzt einen Sonnenschutz mit LSF 30 auf, kann man 30 mal 10 Minuten, also fünf Stunden in der Sonne bleiben – soweit die Theorie.

Doch Hautärzte warnen:  Die tatsächliche Wirkung beträgt nur etwa 25 Prozent vom angegebenen Lichtschutzfaktor! Das liegt meist an einer zu geringen Menge beim Auftrag. Die LSF-Werte auf den Verpackungen beziehen sich nämlich auf Labortests, bei denen zwei Milligramm Sonnenmilch pro Quadratzentimeter Haut verwendet werden. Und in der Praxis? Maximal 0,5 bis 1 Milligramm kommen durchschnittlich zum Einsatz. Eine höhere Dosierung bietet beim UV-Schutz also deutliches Optimierungspotential. Die Internetseite des Bundesverbands Deutscher Dermatologen (BVDD) meint dazu: „Die EU empfiehlt für ein einmaliges Eincremen des gesamten Körpers bei einem Erwachsenen sechs Teelöffel (35 g).“ Nur nicht geizen…

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Für Sonnenschutz gibt es kein Patentrezept. Je nach Hauttyp und der Intensität der Sonne sind die individuellen Anforderungen sehr unterschiedlich: Die UV-Strahlung ist in den Bergen, am Wasser und im Süden intensiver. Und rothaarige oder blonde, blasse Menschen brauchen mehr Schutz als Dunkelhaarige.

In Europa sollte man vor dem Sonnenbaden trotzdem immer einen LSF zwischen 20 und 30 wählen, denn der hält über 95 Prozent der Strahlung ab. Die Wahl eines niedrigen Lichtschutzfaktors empfehlen Dermatologen nur für gut gebräunte Haut. Und einen höheren?

Medizinischer Lichtschutz

Für Sonnenschutzmittel mit hohen Faktoren über 50 gibt es wenige, aber wichtige gute Gründe: Mallorca-Akne, Lichtdermatosen und erhöhte Photosensibilität, frische Narbenflächen oder Pigmentstörungen. Auch die Anwendung von Peelings mit Fruchtsäuren oder Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Antibiotika, kann die Haut lichtempfindlich machen. Natürlich darf man auch empfindliche Kinderhaut mit hohen Faktoren schützen, wobei auch hier bereits Cremes mit LSF 30 in richtiger Dosierung ausreichen.

Lichtschutz und Vitamin D

Eines sollte man bedenken: Sonnenlicht ist Fluch und Segen zugleich. Ein gewisser Schutz ist nötig, aber abschirmen sollten wir uns und unsere Haut nicht vor dem warmen Licht. Dürfen UV-Strahlen nämlich nicht mit dem Teint in Berührung kommen, behindert das die Vitamin D Synthese. Auch keine gesunde Sache…

Unser Fazit

Produkte mit LSF 50+ sind in den meisten Fällen zu viel des Guten – zumindest besteht hierfür bei gesunder Haut keine Notwendigkeit. Dem Wettlauf um den höchsten Lichtschutz hat die EU aus gutem Grund einen Riegel vorgeschoben. Viel wichtiger ist die Dosierung unserer Sonnencremes: Denn ist die aufgetragene Menge zu gering, schützt kein Lichtschutzfaktor zuverlässig vor Sonnenbrand, Hautalterung & Co.

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