Salze des Lebens

„Alle Krankheiten beruhen auf Störungen im Mineralhaushalt.“ Dieser Überzeugung war der Oldenburger Arzt und Homöopath Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler. Darauf basierend entwickelte er im 19. Jahrhundert eine Therapie, die er selbst als „Biochemie“ bezeichnete. Sie stützt sich auf die Wirkung von Mineralsalzen im Inneren unserer Zellen. Ferrum phosphoricum, Kalium sulfuricum, Calcium fluoratum…
Salze des Lebens, Foto: PIXABAY

Die anfänglichen Bezeichnungen haben die Jahrhunderte überdauert – und mehr noch: Schüßlers „Salze des Lebens“ zählen heute zu den meistverkauften Naturheilmitteln, wir finden sie in vielen Hausapotheken für die Selbstbehandlung alltäglicher Beschwerden – und sie sollen sogar Haut und Haar verschönern!

Um das einfache Prinzip der Schüßler-Salze zu verstehen, sollte man die Funktionen des menschlichen Körpers etwas genauer kennen: Unser Körper bezieht einen Großteil seiner Energie aus biochemischen Prozessen in den Zellen. Über unsere Nahrung nimmt er die notwendigen Mineralstoffe auf. Sie dringen über den Blutkreislauf als Baustoffe in die Billionen von Zellen ein und steuern dort Stoffwechselprozesse sowie chemische Abläufe. Durch verschiedenste äußere Einflüsse, wie zum Beispiel Stress, Umweltbelastung oder Krankheiten, kann es allerdings zu Versorgungsengpässen der Zellen kommen.
Dr. Schüßler hat sich dieses Themas schon vor 150 Jahren angenommen. Seine These: Jede Körperzelle benötigt eine bestimmt Anzahl an Mineralstoffen, um richtig zu funktionieren. Im Laufe seiner Forschungen stieß er auf 12  Mineralsalze, die er als lebensnotwendig für die Funktion der Zellen erachtete: Kalziumfluorid, -phosphat, -sulfat, Eisenphosphat, Kaliumchlorid, -phosphat, -sulfat, Magnesiumphosphat, Natriumchlorid, -phosphat, -sulfat und Silizium.

Kleine Pille, große Wirkung

Homöopathisch aufbereitete Mineralsalze, wie sie bei der Schüßler-Therapie eingesetzt werden, sollen unseren Zellen einen Impuls geben, das Mineral wieder vermehrt aufzunehmen und in die Zellen zu verteilen. Durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers soll Krankheiten vorgebeugt und unser Mineralstoffhaushalt ins Gleichgewicht gebracht werden.
Zum Einsatz kommen die Heilsalze bei den unterschiedlichsten Symptomen und Beschwerden – selbst als Ergänzung einer schulmedizinischen Behandlung. Denn Schüßler-Salze haben in der Regel keine Nebenwirkungen und können auch nicht überdosiert werden. Lediglich bei Laktose-Intoleranz kann es durch den Milchzucker, der in unterschiedlicher Menge als Trägerstoff für die Tabletten dient, zu leichten Unverträglichkeiten kommen.

Weniger ist mehr – die Potenzierung

Schüßler-Salze sind im Grunde genommen stark verdünnte Mineralsalzprodukte. Denn laut Dr. Schüßler muss „jedes biochemische Mittel so verdünnt sein, dass die Funktionen gesunder Zellen nicht gestört, vorhandene Funktionsstörungen aber ausgeglichen werden können“. Die aus der Natur gewonnenen mineralischen Ausgangsstoffe werden ähnlich wie in der Homöopathie durch Potenzierung verdünnt. So gelangen keine hohen Dosen in die Zellen, sondern nur Impulse, die Hilfe zur Selbsthilfe liefern sollen.

Schüßler-Salze werden in niedrigen D-Potenzen eingesetzt (D3, D6 und D12). Die Herstellung erfolgt durch Potenzierung in Dezimalschritten – daher die Klassifizierung mit einem D und einer Zahl. In einer ersten Verdünnungsstufe wird ein Teil des Wirkstoffes mit 9 Teilen Milchzucker verrieben. Das Ergebnis ist die erste Dezimalpotenz D1. Für die zweite Potenzstufe wird ein Teil der D1 Mischung verwendet und erneut mit 9 Teilen Milchzucker verrieben. Dieses Prinzip wird so lange fortgesetzt, bis die gewünschte erreicht ist.

Face Mapping

Für Schüßler-Neulinge vielleicht etwas befremdlich: Wie bei homöopathischen Mitteln finden wir auf den Packungen keine Anwendungsgebiete. Dies ist auf die Registrierung zurückzuführen, denn für eine Indikation müssten die Salze als Arzneimittel zugelassen sein. In jedem Fall ist vor der Einnahme eine individuelle Beratung empfehlenswert, die man in der Apotheke, bei einem Arzt oder Heilpraktiker bekommt. Dazu zählt auch die sogenannte Antlitzanalyse, bei der Gesichtsfarbe, Zustand und Spannkraft der Haut analysiert werden. Allerdings stellt dies kein objektiv-wissenschaftliches Diagnoseverfahren dar! Grundsätzlich ist die Therapie mit den zwölf Funktionsmitteln recht überschaubar, und im Netz gibt es umfangreiche Informationen über Einsatzgebiete und empfohlene Dosierungen.

Alles Hokus-Pokus?

Fakt ist: Die Selbstmedikation mit Schüßler-Salzen ist äußerst beliebt, besonders schonend und wird gerne als vorbeugende Gesundheitsmaßnahme eingesetzt. Nicht nur unter Heilpraktikern gelten die Mineralsalze als beliebte Therapie, um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen.
Auch für Haare, Haut und Nägel leisten Schüßler-Salze, zum Beispiel Nr. 11 Silicea, tolle Dienste. Aber Achtung: Schüßlers Thesen sind wissenschaftlich nicht anerkannt und eine Wirksamkeit der Salze ist nicht nachgewiesen. Deshalb sind sie nicht geeignet für die Selbstmedikation bei schweren Erkrankungen mit Fieber, heftigen Beschwerden oder wenn die Selbstheilungskräfte nicht mehr ausreichend funktionieren.

Herbst-fit mit Schüßler

Neugierig geworden? Dann schlagen Sie dem aktuellen Schmuddelwetters einfach ein Schnippchen. Kälte, Heizungsluft, stürmisches Wetter und feuchte Witterung fordern unserer Gesundheit ganz schön viel ab – da kann die folgende Schüßler-Salz Kombination helfen: Nr. 3 Ferrum phosphoricum D12 und Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 (jeweils 3 Tabletten pro Tag im Mund zergehen lassen).

Die Nr. 3 enthält Eisenphosphat, das Salz fürs Immunsystem. Es unterstützt die Sauerstoffversorgung und stärkt unsere Abwehrkräfte. Das Magnesium der Nr. 7 hilft bei Erschöpfung, wirkt entspannend und schenkt einen ruhigen Schlaf. Schließlich ist ein ausgeruhter Körper doch die beste Voraussetzung für eine starke körpereigene Abwehr!

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