Pflanzliche Stammzellen – Biotech meets Beauty

Sie gelten als hochwirksam und multifunktional: Pflanzliche Stammzellen bieten neue Perspektiven für die Schönheitsindustrie. Aber harmonieren sie auch mit unseren ethischen und ökologischen Grundsätzen? Und sind sie wirklich „natürlich“?
MAGAZIN Pflanzliche Stammzellen: Biotech meets Beauty Bild: pexels

Das Thema Stammzellen hat in den vergangenen Jahrzehnten ein breites Spannungsfeld in der Gesellschaft erzeugt: Was die einen als grundlegend falsch erachten, sehen Befürworter als Chance und Zukunft auf vielerlei Gebieten. Wie weit darf der Mensch gehen? Selbst in der Medizin sind embryonale Stammzellen überaus umstritten. Forschung auf Basis pflanzlicher Stammzellen hingegen eröffnet dank modernster Biotechnologie völlig neue Möglichkeiten ohne ethische Bedenken– auch in Sachen Kosmetik.

Stammzellen sind wahre Multitalente, deren Rolle im Organismus nicht final festgelegt ist. Sie haben die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Funktionen zu übernehmen und erfüllen vor allem eine Aufgabe: sie regenerieren.

Stammzellen können sich zu verschiedensten Zelltypen entwickeln. Beim Menschen sind embryonale Stammzellen die Vorläufer für alle Körperzellen. Doch auch als Erwachsene haben wir diese Alleskönner noch im Körper. In der Haut sind sie zum Beispiel dafür verantwortlich, dass sich neue Zellen bilden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Stammzellenzahl jedoch ab. Hier kommt die Pflege ins Spiel: Pflanzliche Stammzellen gelten als hochpotenter Beauty-Wirkstoff, der die Lebensdauer unserer hauteigenen Stammzellen signifikant erhöhen kann. Aber wie funktioniert das?

Selbstheilung in der Pflanzenwelt

Pflanzen besitzen eine außergewöhnliche Regenerationskraft. In der Natur sind sie einer Vielzahl an ökologischen Belastungen wie UV-Strahlung, Schwermetallen, Insekten und Mikroorganismen ausgesetzt. Sie aktivieren dann ihre Stammzellen, um sich gegen Schäden und freie Radikale zur Wehr zu setzen. Werden Pflanzen zum Beispiel verletzt, entsteht zunächst eine nicht differenzierte Abdeckung, die sich erst zu spezifischem Gewebe umwandelt, wenn die Verletzung mithilfe von Stammzellen vollständig geschlossen wurde. Erst dann bilden sich aus dem „Schnellverschluss“ zum Beispiel Rinde oder Sprossen. Nicht nur in der Pflanze selbst, sondern auch in ihren Früchten sind hochwirksame Stammzellen enthalten. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise bestimmte Apfelsorten besonders lagerfähig sind.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
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Der Unterschied zwischen Mensch und Pflanze ist deutlich geringer, als uns bewusst ist – denn mit den Vertretern der Flora haben wir weit mehr gemeinsam als beispielsweise mit Bakterien. Sterben unsere Stammzellen ab, ist Hautalterung ein unvermeidlicher Prozess. Vor allem Umweltgifte, Ozon und UV-Licht schädigen die Zellen. Pflanzliche Stammzellen können unser Hautgewebe wieder stärken, indem sie unsere hauteigenen Stammzellen schützen und sie in ihrer Widerstands- und Regenerationskraft unterstützen. Mit jeder Anwendung regen sie den Kollagenaufbau an, reduzieren Falten und erhalten so die Festigkeit und Schönheit unserer Haut. Vor allem hoch antioxidative Phyto-Stammzellen aus besonders robusten, langlebigen Pflanzen mit regenerativen, stärkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften scheinen dank ihrer Wirksamkeit mehr zu sein, als ein kurzer kosmetischer Trend. Immer mehr Hersteller präsentieren mittlerweile Produkte mit einem ausgeklügelten Stammzellenkomplex zur Verjüngung, Erneuerung und Regeneration der Haut.

Ökologie und Nachhaltigkeit

Der Jungbrunnen scheint gefunden. Manche bezeichnen die neue Technologie darüber hinaus als „Öko-Durchbruch“ in der Anti Aging Pflege. Denn mittlerweile kann man Stammzellen unter reinen Laborbedingungen kultivieren: Komplizierte Biotech-Prozesse ermöglichen die Auswahl und Reproduktion von Stammzellen, die eine bis zu 1000 Mal höhere Konzentration an Antioxidantien aufweisen, als sie in Pflanzen aus der Natur vorkommen. Und das ohne die Nutzung von Erde, ohne genetische Veränderungen und ohne schädliche Einflüsse durch Schadstoffe wie Pestizide und Toxine. Die benötigten Moleküle können in größeren Mengen isoliert und weniger Pflanzen verwendet werden, um hochwirksame Inhaltsstoffe zu erhalten. Und: Es wird nicht die gesamte Pflanze benötigt – sie bleibt nach der Entnahme der Stammzellen am Leben. Auch der Wasserverbrauch reduziert sich in der Herstellung auf ein Minimum. Die Laborkultur reduziert außerdem Treibhausgase und wertvolle Ackerböden bleiben nutzbar für den Anbau von Lebensmitteln anstelle von kosmetischen Inhaltsstoffen.

Fazit

Es gibt durchaus gute Gründe, die für Produkte mit pflanzlichen Stammzellen sprechen. Gerade im Anti Aging Bereich weisen sie ein großes Wirkpotential auf. Ethische Bedenken muss man bei ihrer Verwendung keine haben. Darüber hinaus hat sich die Verfügbarkeit der begehrten Rohstoffe in den letzten Jahren stark vereinfacht, so dass sie mittlerweile nicht mehr nur in hochpreisigen Luxus-Cremes zu finden sind, sondern mitunter sogar den Drogeriemarkt erobern. Bei einer Züchtung unter Laborbedingungen überwiegen die ökologischen Vorteile – was bleibt, ist der Wermutstropfen, dass die so gewonnenen Stammzellen nicht aus der freien Natur stammen und die Pflanzen nicht einmal mit Sonnenlicht in Berührung kamen. Beim Einsatz in echter Naturkosmetik erscheint das manchem vielleicht als Widerspruch.

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