Pflanzenporträt: Schachtelhalm

Hart, aber herzlich: So lautet das Motto des Schachtelhalms. Auch wenn man das unscheinbare, grüne Kraut am Wegrand leicht übersieht, sind seine Leistungen beachtlich. Besonders als Kraftspender fürs Bindegewebe und die Haare, gegen Harnwegsinfekte sowie im Bio-Landbau hat es sich einen Namen gemacht – und wegen seiner bewegten Vergangenheit.

Im Guinness-Buch der Rekorde hätte er so manche Erwähnung verdient: Mit seinen knapp 400 Millionen Jahren zählt der Schachtelhalm zu den ältesten Pflanzen der Welt. In seiner Entstehungszeit konnte er bis zu dreißig Meter hoch werden und glich einem riesigen Baum, so dass es ganze Urwälder daraus gab. Bei Ausgrabungen konnte man versteinerte Exemplare mit einem Stiel-Durchmesser von einem Meter finden. Obwohl das Kraut heutzutage selten Kniehöhe überschreitet, ist es bei Landwirten alles andere als beliebt, weil seine Wurzeln sich tief im Erdboden verzweigen und eine überraschende Kuriosität auf Lager haben: Zerhackt man die unterirdischen Triebe, etwa beim Umpflügen eines Feldes, schießt aus jedem Stück ein neuer Schachtelhalm hervor und verdrängt stellenweise ausgesätes Getreide, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Doch das tut er nicht etwa aus Boshaftigkeit. Wer sich näher mit dieser Pflanze beschäftigt, erkennt schnell ihren guten Kern und kann sie vielfältig nutzen.

Was des konventionellen Bauern Feind, ist des Öko-Bauern Freund
Ein Wildkraut, das die Ernte beschränkt? Klar, dass so etwas manchem Farmer auf den Zeiger geht. Bio-Landwirte sehen den Schachtelhalm dagegen als „Zeigerpflanze“, an der sich wertvolle Hinweise über die Bodenqualität ablesen lassen. Da das Gewächs vor allem auf feuchten Äckern mit geringem Humusanteil wuchert, auf denen es obendrein an Wühlmäusen und Maulwürfen fehlt, ist es sinnvoll, die Erde dort aufzulockern und zu belüften. So kann sich die Nässe nicht mehr stauen. Außerdem werden durch diese Maßnahme Regenwürmer angelockt, die den Boden auf natürliche Weise mit Nährstoffen aufwerten. Das steigert den Ernte-Ertrag – und der Schachtelhalmbewuchs geht von allein zurück. Clevere Öko-Bauern stellen aus dem Kraut übrigens eine Art Bio-Pflanzenschutzmittel her, denn der Sud hilft super gegen Mehltau, Blattläuse und andere Schädlinge. Das kann jeder Hobbygärtner ganz leicht selbst ausprobieren, indem er Tomaten, Basilikum oder Salbei mit abgekühltem Schachtelhalmtee besprüht. Damit er optimal wirkt, sollte man ihn zuvor allerdings 20 Minuten lang köcheln lassen. In Japan werden die gegarten Stängel übrigens als knackige Alternative zu Bambus in Reisgerichten geschätzt. In Deutschland weist man dem Kraut dagegen eher die Aufgaben eines guten Hausfreundes zu. Es macht schön, lindert Krankheiten und erledigte früher manch lästigen Putz-Job: Mit den harten, knubbeligen Stängeln wurden Pfannen und Metallgeschirr geschrubbt, was ihm im Volksmund auch die Namen Zinnkraut und Scheuergras beschert hat.

Feste Stängel, feste Schenkel: Kräftigungsmittel für Haut, Haare und Knochen
Wenn man den Schachtelhalm betrachtet, fallen einem sofort die unzähligen Verästelungen und Knotenpunkte auf. Gemäß der Signaturenlehre des Mittelalter-Arztes Paracelsus, der die Form einer Pflanze als Zeichen für ihr Einsatzgebiet interpretierte, symbolisieren die Teile unsere Sehnen, Knochen und Bindegewebsfasern. Und mit dieser Vermutung lag der Mediziner genau richtig! Da der Schachtelhalm zu 10 Prozent aus Kieselsäure besteht, ist er ideal für unsere Kollagenfasern und sorgt zudem für füllige Haare. Cremes und Bodylotions mit dem Kräuter-Extrakt werden nicht nur zur Straffung von Gesicht, Hals und Busen eingesetzt, sondern wegen des ebenfalls sehr hohen Gehalts an entwässerndem Kalium auch gegen Cellulite. Schachtelhalmtee päppelt Haut, Haare, Bewegungsapparat und Nägel von innen auf. Außerdem wirkt der Aufguss stark harntreibend und regt die Nierentätigkeit an, so dass er entschlackt, Blasenentzündungen bekämpft und sogar Rheuma und Gicht lindern kann. Also, hoch die Tassen. Stoßen wir auf den Schachtelhalm an!

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: z. B. Malve, Brennnessel, Granatapfel,  Kamille, Rosmarin, Thymian, Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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