Pflanzenporträt: Melisse

Bienen, Schlaflose und Klosterfrauen fliegen auf sie: Die Melisse. Auch sonst ist das grüne Kraut ein echter Traumtyp. Es muntert Euch auf, wenn’s Euch schlecht geht, sorgt dafür, dass Ihr morgens erfrischt aufwachen, und lässt Euch auch bei Pickeln oder Herpes nicht im Stich. Nebenbei beweist der Naturbursche auch noch Geschmack und duftet toll!
Titelbild Pflanzenporträt: Melisse Bild: pixabay

Das Telefon klingelt Sturm, auf dem Schreibtisch türmt sich die Post und abends steht in der Schule auch noch ein Elternabend an: Kein Wunder, dass man nach so einem anstrengenden Tag schlecht abschalten kann! Schlaflos wälzen wir uns in den Kissen herum und starren im Dunkeln auf die Leuchtzeiger des Weckers. Unsere Großeltern hatten für so einen Fall ein simples Hausmittel parat: Melissengeist! Okay, das klingt vielleicht ein bisschen antiquiert, aber damit tut man dieser Heilpflanze unrecht. Sie ist ein rundum toller Wirkstoff und immer noch topaktuell. Wer keinen Alkoholauszug einnehmen will, kann sich stattdessen einen Tee aus den Blättern kochen, die obendrein ein herrlich fruchtig-frisches Aroma haben. Deshalb wird die Pflanze auch Zitronenmelisse genannt. Sie schmeckt aber nicht nur lecker, sondern hat auch in Sachen Gesundheit, Hautpflege und Naturschutz einige Talente auf Lager.

Alles in Balance: Dufter Helfer für Körper und Seele

Kaum ein anderes Kraut ist ein solcher Segen für uns wie die Melisse, fand Karl der Große und erließ daher schon 800 Jahre nach Christus die Verordnung, sie in jedem Klostergarten anzubauen. Kein Wunder, dass die Pflanze auch Hildegard von Bingen vertraut war, die sie als „Herztrost“ gegen innere Unruhe und zur Aufhellung der Stimmung empfahl. Ob gegen Einschlafstörungen, Verdauungsprobleme, Schnupfen oder Regelschmerzen: Das ätherische Öl wirkt harmonisierend auf die Nerven und all unsere Organe. Es beruhigt und entkrampft, ohne spürbar müde zu machen. Das Elixier, das wir als klassischen Melissengeist kennen, wurde übrigens 1611 von Karmeliter-Nonnen erfunden und im Jahr 1775 von der Klosterfau Maria Clementine Martin aus Coesfeld durch Zufügen einiger weiterer ätherischer Öle verfeinert. Dass es sich über Hunderte von Jahren gehalten hat, beweist einmal mehr die Wirksamkeit dieses Krauts.

Herpes, Pickel oder Mischhaut? Melisse sorgt für Klarheit!

Nicht nur innerlich, auch äußerlich angewandt hat die Melisse einiges zu bieten. Ende der 1970er Jahre entdeckten Forscher, dass der Pflanzen-Extrakt ein exzellentes Mittel gegen Lippenherpes ist. Bestimmte Gerbstoffe, die medizinisch als Phenolcarbonsäuren bezeichnet werden, haben einen derartig hohen antiviralen Effekt, dass die Bläschen sich nicht weiter ausbreiten und deutlich schneller abheilen. Aber auch in der Naturkosmetik wird die Melisse gern genutzt. Sie gleicht Mischhaut aus, beugt Unreinheiten vor und sorgt dafür, dass vorhandene Pickel rasch wieder verschwinden.

Probiert es mit diesem Rezept für eine Kompresse doch einfach mal selbst aus: 6 TL Melissentee, 2 EL Olivenöl und 1/4 Liter Weißwein aufkochen, 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen, leicht abkühlen lassen, einen Waschlappen damit tränken und eine Viertelstunde aufs gereinigte Gesicht legen.

Wer das Kraut im Garten oder auf dem Balkon anbaut, hat übrigens nicht nur stets frische Blätter zur Hand, sondern tut nebenbei auch noch der Umwelt etwas Gutes. „Melissa“ ist nämlich Griechisch und bedeutet Biene. Da die Insekten den Duft dieser Pflanze lieben und sich mit Wonne vom Nektar der Blüten ernähren, pflanzen Imker auch heute noch gern Melisse vor die Bienenstöcke und reiben den Stock mit dem ätherischen Öl aus, um ihn zu reinigen. In einigen Regionen wird sie deshalb auch als Bienenkraut oder Honigblume bezeichnet. Echt Zucker für die Haut ist sie in jedem Fall!

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: z. B. Schachtelhalm, Malve, Brennnessel, Granatapfel,  Kamille, Rosmarin, Thymian, Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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