Pflanzenporträt: Johanniskraut

Der Volksglaube schreibt ihm magische Kräfte zu und kein germanisches Sonnenwendfest durfte ohne das goldgelb blühende Gewächs stattfinden. Auch Hildegard von Bingen und Paracelsus schworen darauf. Kein Wunder, denn Johanniskraut, die Heilpflanze des Jahres 2015, hat so viele positive Wirkungen auf uns, dass man fast von einem Wundermittel sprechen könnte.
Titelbild Pflanzenporträt: Johanniskraut Bild: pixabay

Mit ihren sattgelben, spitz zulaufenden Blütenblättern sieht man sie jetzt überall leuchten.  Die Blütezeit der Heilpflanze beginnt Ende Juni, wenn die Tage am längsten sind, und geht weit bis in den September. Früher wurden aus Johanniskraut Kränze gebunden, die an der Stalltür oder auf dem Dach angebracht vor Blitzeinschlag, Teufeln und Dämonen schützen sollten. Auch wenn uns der etwa kniehohe Strauch heute nicht mehr vor dem Bösen bewahren muss, so zeigt er eine Wirkkraft, die in der Homöopathie, in der Schulmedizin sowie in der Naturkosmetik genutzt wird.

Als typischer Sommerblüher saugt sich die Heilpflanze mit dem botanischen Namen Hypericum perforatum förmlich voll mit den heilenden Strahlen der Sonne. Und das spiegelt sich in den Inhaltsstoffen der ölreichen Blüten und Blätter wider: Ihre Hauptwirkstoffe Hypericin und Hyperforin sind nur in den Blüten enthalten, doch die gesamte Pflanze ist reich an Flavonoiden, Bitter- und Gerbstoffen, Harzen sowie ätherischen Ölen. Verwendet werden übrigens die Blütenknospen, die noch grünen Kapseln, die geöffneten Blüten und die Blätter.

Für die Haut

Äußerlich angewendet wirkt Johanniskraut antibakteriell, entzündungshemmend, schmerzlindernd und gleichzeitig beruhigend, stärkend sowie tonisierend. Dadurch hilft es nicht nur bei trockener, rauer, gereizter  Haut und Neurodermitis, sondern auch bei leichten Verbrennungen, Insektenstichen oder Sonnenbrand. In der Naturkosmetik ist Johanniskraut deshalb Bestandteil verschiedenster Pflegeprodukte für Gesicht und Körper. Darüber hinaus kommt das charakteristische Rotöl der Heilpflanze auch bei rheumatischen Erkrankungen, Prellungen und Verstauchungen zum Einsatz.

Für die Nerven

Früher nutzte man Johanniskraut in erster Linie äußerlich, um Wunden zu heilen. Heute wird es in Form von Öl, Tee, Tinktur, Globuli oder Tabletten auch innerlich angewendet und gilt als hervorragendes Heilmittel für ein angegriffenes Nervenkostüm. Die Pflanze hat sich als natürliches Beruhigungsmittel und Stimmungsaufheller bewährt, weil sie die Neurotransmitter (Überträgersubstanzen) im Gehirn stimuliert, ohne dabei die Reaktionsfähigkeit des Körpers herabzusetzen. Auch Schlafstörungen lassen sich übrigens mit Johanniskraut lindern.

…und mehr noch

Nicht nur Haut und Nerven profitieren von den hübschen goldgelben Blüten. Auch auf unsere Atemwege, das Verdauungssystem oder den Stoffwechsel haben sie positiven Einfluss. Und in der Frauenheilkunde wird Johanniskraut bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrbeschwerden oder unregelmäßigem Zyklus eingesetzt.

Gelb wie die Sonne, rot wie Blut

Sehr spannend ist übrigens die Tatsache, dass die gelben Johanniskrautblüten die Hände rot färben, wenn man sie zerreibt. Diese wundersame Wandlung entsteht, weil Licht und Sauerstoff die Inhaltsstoffe der Blüten auflösen. Kein Wunder also, dass zwei seiner Volksnamen auch Johannisblut und Blutkraut lauten. Vielleicht ist an der Mythologie doch etwas dran: Dass Johanniskraut als lebensspendende Pflanze die Sonnenkraft direkt überträgt? Wer weiß…

Jedenfalls gehört das Kraut zu den am besten erforschten Heilkräutern und gilt als älteste Heilpflanze Europas. Übrigens gibt es über 450 Arten, aber nur ein „Echtes Johanniskraut“, das medizinisch und kosmetisch genutzt wird. Die Pflanze wächst bevorzugt in lichtem Gebüsch sowie an sonnigen Wegrändern, Böschungen oder Feldern. Und zwar weltweit – allein die kalten arktischen Regionen und die trockenen und heißen Wüsten spart sie aus.

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Arnika, Melisse, Schachtelhalm, Malve, Brennnessel, Kamille, Granatapfel, Rosmarin, Thymian, Brokkoli, Salbei, Lavendel, Aloe vera, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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