Pflanzenporträt: Brokkoli

Her mit dem jungen Gemüse! Ja gern, besonders, wenn es über so viele unbekannte Begabungen verfügt wie der Brokkoli. Der grüne Einwanderer schützt nicht nur vor Krebs, sondern macht neuerdings auch Karriere in der Beauty-Branche. Aus den Samen lässt sich nämlich eine Art Bio-Silikon herstellen, das Haut und Haare verwöhnt.

Auch wenn viele meinen, er sei ein typisch deutsches Gemüse: Brokkoli stammt ursprünglich aus Kleinasien. Im Rest der Welt war er lange Zeit unbekannt. Erst im 16. Jahrhundert wurde er in Italien, Frankreich und England sesshaft, bevor es ihn als Gastarbeiter schließlich auch nach Deutschland verschlug. Präsident Thomas Jefferson sorgte im 18. Jahrhundert persönlich dafür, dass die Kohlsorte sich ebenfalls in Amerika niederlassen durfte. Wo auch immer der Brokkoli hinkam, gewann er mit seinem leckeren Geschmack die Herzen im Sturm. Mittlerweile ist man sogar in der medizinischen Forschung und bei Naturkosmetik-Herstellern auf das Gemüse aufmerksam geworden – und hat Erstaunliches entdeckt. Kein Wunder, dass auch der Saatgutkonzern Monsanto jetzt gern Geschäfte mit ihm machen will…

Toller Krebsschutz auf dem Teller

Brokkoli strotzt nur so vor Vitaminen und Mineralstoffen: Neben Kalzium, das die Knochen stärkt, enthalten die grünen Röschen auch viel zellschützendes Selen und Eisen, das den Sauerstofftransport übers Blut unterstützt. Eine geballte Ladung Vitamin C und Vitamin A wappnen das Immunsystem gegen Erkältungen und halten die Kollagenfasern elastisch. B-Vitamine sorgen für glatte Haut und feste Fingernägel. Das absolute Highlight der Brokkoli-Inhaltsstoffe ist aber das Senföl Sulforaphan. Wissenschaftler der Universität Heidelberg haben herausgefunden, dass diese Substanz die Entstehung von Krebs verhindern kann, besonders an Blase, Prostata und Bauchspeicheldrüse. Hinzu kommt, dass Sulforaphan entzündungshemmend wirkt und bestimmte Enzyme blockiert, die für die Zerstörung von Gelenkknorpeln verantwortlich gemacht werden. Ideal zur Vorbeugung von Arthrose! Forscher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore konnten überdies eine Schutzwirkung gegen UV-Strahlen nachweisen. Der regelmäßige Verzehr von Brokkoli regt die Haut an, bestimmte Eiweißstoffe zu bilden, durch die sie nicht so leicht einen Sonnenbrand bekommt. Da Sulforaphan wasserlöslich ist, sollten Sie Brokkoli am besten nur dämpfen oder das Kochwasser zur Zubereitung von Soßen oder Suppen verwenden. Brokkoli hält aber nicht nur gesund, er kann uns auch schön machen. Als Zutat in Kosmetik!

Vom Kochtopf in den Cremetopf: Brokkoli als Bio-Silikon

Brokkoli im Beauty-Regal? Von dieser zweiten Laufbahn haben bis jetzt eigentlich nur Insider etwas mitbekommen. Heimlich, still und leise hat sich das Gemüse nämlich zum begehrten Wirkstoff-Lieferanten für Anti-Aging-Fluids, Shampoos und Conditioner gemausert. Beworben wird dieser Einsatz allerdings nur selten. Schließlich klingt Brokkoli eher hausbacken und viele hätten wohl auch die Befürchtung, dass die Produkte damit nach Kohl riechen könnten. Das ist aber nicht der Fall. Verwendet wird nämlich gar nicht das Gemüse selbst, sondern das Öl der Samen. Das goldgelbe, leicht grünlich schimmernde Pflanzenfett riecht zart süßlich und wird in Kosmetik sofort vom Duft der anderen Zutaten überdeckt. Neben Öl- und Linolsäure, die super Durstlöscher für trockene Haut sind, enthält Brokkolisamenöl stolze 48 Prozent der seltenen Erucasäure. Diese einfach ungesättigte, langkettige Fettsäure hat den Vorteil, geballte Pflege zu liefern, ohne sich schwer oder fettig anzufühlen. Eingearbeitet in Anti-Aging-Seren und –fluids polstern die federleichten Minitröpfchen ruck, zuck kleine Falten auf. In Shampoos und Spülungen ummantelt Brokkolisamenöl das Haar mit einem hauchfeinen Glanzfilm, der herkömmlichen Produkten mit Silikon in der Wirkung durchaus das Wasser reichen kann. Bloß ohne umweltschädliche Nebenwirkungen oder den gefürchteten Build-up-Effekt, der bei konventionellen Produkten durch Rückstände auf dem Haar entstehen kann.

Traurige Aktualität: Monsanto sät Zweifel
Obwohl Mediziner und Naturkosmetik-Hersteller dem Brokkoli eine buchstäblich schöne Zukunft voraussagen, ist er in den letzten Monaten unschuldig in die Negativschlagzeilen geraten. Im Juni 2013 hat das Europäische Patentamt (EPA) dem Saatguthersteller Seminis, der zum Monsanto-Konzern gehört, ein Patent auf einen gezüchteten Brokkoli erteilt, der sich durch seinen längeren Stiel besonders leicht ernten lässt. Schlimm daran ist, dass die Landwirte durch diese Entscheidung abhängig von einem einzigen Produzenten werden. Bei dem „geköpften Brokkoli“ handelt es sich nämlich um „Einweg“-Pflanzen, die für eine Wiederaussaat nicht geeignet sind. So kann ein Bauer nicht mehr wie früher aus eigenen Pflanzen Samen zur Aussaat gewinnen oder sie mit anderen Landwirten tauschen. Er muss das neue Saatgut erneut bei Monsanto kaufen. Die Gefahr, dass wir vielleicht bald nur noch diese Spezialzüchtung auf dem Teller haben, ist also relativ groß. Wer das nicht möchte, kann hier eine Petition unterschreiben, damit das Patent widerrufen wird. Öko-Bauern streben zudem an, ihren Brokkoli zukünftig nur noch aus Bio-Saatgut anzupflanzen.

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: Salbei, Aloe vera, Hamamelis, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula und Wildrose.

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