Pflanzenporträt: Augentrost

Schon sein Name verheißt viel Gutes: Augentrost hilft super gegen Tränensäcke, Bindehautreizungen und dicke Lider, sorgt als Wirkstoff in Naturkosmetik zudem für einen strahlenden Blick. Unter Bauern ist dieses Kraut allerdings als Milchdieb verschrien und manch einer will es nicht im Haus haben. Alles über den kleinen Wohltäter und Vampir!
Pflanzenporträt: Augentrost Bild: pixabay

Heiter sieht er aus, wenn er seine weißen, blasslila durchzogenen Blütenköpfe mit dem gelben Fleck in der Mitte der Sonne entgegen streckt. Wer den Augentrost an Berghängen, auf Wiesen oder in der Heide aufblitzen sieht, muss oft unwillkürlich lächeln, weil sein Anblick sofort gute Laune macht. Darum heißt dieses Kraut, das zwischen fünf und 30 Zentimeter hoch werden kann, botanisch auch Euphrasia officinalis, was auf Griechisch Frohsinn bedeutet. Da die Blüten ein wenig an kleine Augen erinnern, kam man bereits im Mittelalter auf Idee, die Pflanze als Heilmittel gegen Augenprobleme zu verwenden. Damals richtete man sich nämlich stark nach der sogenannten Signaturenlehre, nach der die Form einer Pflanze als Hinweis dafür gewertet wurde, für welches Organ sie heilsam sein könnte. In vielen Fällen ist dieser Zusammenhang sogar bewiesen, etwa wenn man an Bohnen denkt, die harntreibend wirken und deshalb gut für die Nieren sind, oder an Walnüsse, die durch ihren Vitamin-B-Reichtum das Gehirn stärken. In der chinesischen Medizin und der Homöopathie spielt die Signaturenlehre bis heute eine Rolle. Die Wirkung des Augentrosts ist aber auch unabhängig davon medizinisch anerkannt.

Sieh mal einer an, was der Augentrost alles kann

Im Gegensatz zu manch anderer Heilpflanze, bei der nur die Blüten oder Samen genutzt werden, verwendet man bei der Euphrasia officinalis alle oberirdischen Teile der Pflanze, die man im Spätsommer erntet. Der Extrakt, der sich daraus herstellen lässt, ist reich an Bitterstoffen, ätherischen Ölen, Flavonoiden und Gerbsäure. Sie hat einen zusammenziehenden Effekt auf die Äderchen, so dass die Augen weniger gerötet aussehen und Schatten darunter weniger auffallen. Wichtigster Inhaltsstoff ist aber das Aucubin, ein Glucosid, das abschwellend, schmerzstillend und entzündungshemmend auf die Bindehaut und die gesamte Augenpartie wirkt. Euphrasia officinalis steckt nicht nur in vielen Augentropfen, sondern wird auch in der Naturkosmetik gern als lindernder Zusatz für Augencremes, Mascara und Wimpernwuchsmittel eingesetzt.

Ein Kraut mit zwei Gesichtern

Wie kommt es also, dass der Augentrost bei einigen Menschen so unbeliebt ist? Das liegt vor allem daran, dass er ein Schmarotzer ist. Um sich optimal mit Nährstoffen zu versorgen und auch in Dürrezeiten an genug Wasser zu kommen, zapft das Kraut kurzerhand die Wurzeln der umliegenden Pflanzen an und saugt sie wie ein kleiner grüner Vampir aus. Besonders Gräser haben es dem Augentrost angetan. Klar, dass diese Vorliebe speziell bei Bauern nicht gut ankommt, denn das Heu, das sie als Futter für ihre Kühe anbauen, enthält nach so einer Attacke deutlich weniger Vitamine und Mineralien. Deshalb wird Augentrost in der Landwirtschaft auch Milchdieb genannt. In diesem Sinne also schuldig, doch der zweite Vorwurf, der dieser Heilpflanze manchmal gemacht wird, ist reiner Aberglaube: Früher dachten nämlich viele Menschen, dass sie vom Blitz getroffen würden, wenn sie ein Sträußchen in der Tasche oder im Haus aufbewahrten.

Naturschutz im Blick

1997 wurden 46 Augentrostarten in die Rote Liste weltweit gefährdeter Pflanzenarten aufgenommen. Davon gilt die Euphrasia omiensis inzwischen als ausgestorben. Doch auch in diesem Punkt erinnert das Kraut ein bisschen an Vampire, denn die Euphrasia arguta, die seit 1904 für tot gehalten wurde, ist im Juli 2008 plötzlich wieder gesund und munter in einem australischen Wald nahe Sydney aufgetaucht. Trotzdem können Sie Cremes, Mascaras und Tropfen mit Augentrost guten Gewissens benutzen, denn Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller verwenden dafür nur noch Kräuter, die speziell für diesen Zweck angebaut wurden.

Do-it-yourself!

Habt Ihr Lust bekommen, das Heilkraut selbst mal auszuprobieren? Dann versucht es doch mal mit einer Kompresse für strahlende Blicke: 1 Esslöffel oder einen Beutel Augentrosttee mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Abseihen, ein paar Körnchen Salz einrühren und abkühlen lassen. Wattepads mit dem lauwarmem Sud tränken und fünf bis zehn Minuten auf die geschlossenen Lider legen.

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