Pflanzenporträt: Arnika

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd’ – aber leider auch nicht mehr viel Arnika. Der heute in Naturkosmetik und medizinischen Tinkturen eingesetzte Extrakt stammt aus Pflanzen, die speziell für diesen Zweck angebaut oder umweltverträglich gesammelt werden. Fest steht: Sie ist ein ziemlich schräger Typ, den nicht nur Bindegewebe, Haut und Muskeln heiß lieben!
Titelbild Pflanzenporträt: Arnika Bild: pixabay

“Wenn ein Mann eine Frau mit Arnika berührt, wird sie sofort für ihn entflammen“, hat Hildegard von Bingen bereits im Mittelalter geschrieben. Zumindest auf der Haut gelingt das tatsächlich, denn der Extrakt, der aus den leuchtend gelben Blüten gewonnen wird, bringt das Blut in Wallung wie kaum ein anderes Kraut. Verantwortlich für diesen Effekt sind vor allem sein Kampfergehalt und der Bitterstoff Arnicin, der die Haut sanft reizt und die Mikrozirkulation ankurbelt. Dadurch kommt es zu einem wohligen Wärmegefühl, das Muskelkater lindert, blaue Flecken schneller verblassen lässt und die Wundheilung beschleunigt. Das Terpen Helenalin wirkt zudem entzündungshemmend und mildert Schmerzen. Und zwar so super, dass Arnika-Gel bei einem Test an der Uniklinik Zürich gegen Gelenkbeschwerden vergleichbar gut abschnitt wie eine Salbe mit dem Schmerzmittel Ibuprofen. Gerbstoffe und Kieselsäure straffen zusätzlich das Bindegewebe, weshalb der Blüten-Extrakt nicht nur eine beliebte Zutat für Massageöle und Sportpflege-Produkte ist, sondern auch gegen Cellulite eingesetzt wird.

Kämpfernatur mit wildem Liebesleben

Wer Arnika in der Natur finden möchte, muss hoch hinaus: Die mehrjährige Pflanze wächst vorzugsweise in den Bergen, vor allem in den Alpen und Vogesen. Ihre Blüten, die an kleine Sonnen erinnern, sehen zerzaust und verwegen asymmetrisch aus, und auch die Fortpflanzung des Krauts läuft nicht gerade in geregelten Bahnen ab: Es hat weibliche Zungenblüten und zwittrige Röhrenblüten, kann sich von Insekten bestäuben lassen, diesen Job allerdings genauso gut ohne Hilfe von außen selbst erledigen. In punkto Verbreitung lässt sich die Arnika ebenfalls nicht gern festlegen. Die Samen haben pusteblumenartige Schirmchen, mit denen sie durch die Luft fliegen, können auf Gebirgsbächen schwimmen oder sich ans Fell von Hasen oder Rehwild heften, bevor sie irgendwo austreiben. Selbst bitterkalte Bergwinter übersteht die Arnika mühelos, da sie all ihre Kraft im Wurzelstock sammelt, bis ihr junges Grün sich im Frühjahr wieder an die Erdoberfläche kämpft. Umso erstaunlicher, dass eine so zähe und einfallsreiche Pflanze wie die Arnika in einigen Ländern vom Aussterben bedroht ist. Woran liegt das?

Der Sonderling mag’s sauer

Der jährliche Arnikabedarf Deutschlands wird auf etwa 50.000 Kilogramm geschätzt. Nicht gerade wenig! Doch die intensive Nutzung der Heilpflanze ist nur zum Teil für den Rückgang verantwortlich. Hauptursache ist vielmehr die konventionelle Landwirtschaft, die mittlerweile sogar in höheren Berglagen betrieben wird. Während Hafer, Weizen, Roggen und die meisten Kräuter besonders gut auf nährstoffreichem Boden gedeihen und viele Bauern deshalb tüchtig düngen, bevorzugt die Arnika magere Wiesen. Am wohlsten fühlt sie sich auf saurer, möglichst kalkarmer Erde, die früher charakteristisch für Gebirgsregionen war. Doch die ist heutzutage Mangelware. Die wichtigsten Herkunftsländer von Arnikablüten sind Rumänien und Spanien, wo die Pflanze für Naturkosmetik-Hersteller und die Pharmazie schonend von Hand gesammelt wird. Es gibt aber auch erste Zuchterfolge mit der ursprünglichen Wildpflanze. Ein Glück, denn so können wir Globuli, Tinkturen, Massageöle und Sportsalben mit Arnika auch weiterhin guten Gewissens benutzen und uns damit die Kraft die Berge ins Haus holen!

Weitere, interessante Pflanzenporträts unserer Serie: z. B. Melisse, Schachtelhalm, Malve, Brennnessel, Granatapfel,  Kamille, Rosmarin, Thymian, Brokkoli, Salbei, Aloe vera, Lavendel, Minze, Augentrost, Calendula, Hamamelis und Wildrose.

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