Mikroplastik: Jetzt auch im Trinkwasser

Ob Zahncreme, Peeling oder Duschgel: Wer konventionelle Kosmetik benutzt, spült oft winzige Reinigungspartikel aus Kunststoff in den Abfluss. Mit schwerwiegenden Folgen: Nicht nur Meere und Fische sind belastet. Mittlerweile sind die Kügelchen sogar in Honig, Milch und Leitungswasser angekommen.
Mikroplastik, Foto: Fotolia

Wir verwenden Stoffbeutel statt Tüten, kaufen unverpackte Äpfel, greifen zu Getränken in Glasflaschen – und tragen trotzdem oft ahnungslos dazu bei, dass unsere Welt ein immer größeres Kunststoff-Problem bekommt. Ausgerechnet im Badezimmer, wo es um Sauberkeit geht, befindet sich eine häufig unterschätzte Quelle für die Verunreinigung unserer Meere: Mikroplastik!

Dahinter verbergen sich winzige Kügelchen aus Polyethylen, die in Waschgels, Zahnpastas und Dusch-Peelings als Schleifpartikel eingesetzt werden. Auch in Anti-Falten-Cremes, Make-ups oder Lippenstiften werden die Körnchen manchmal verwendet, weil sie so schön schimmern. Dass es riskant sein könnte, wenn die Partikel ins Abwasser geraten, wurde lange Zeit nicht bedacht. Was sollen Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 5 Millimeter schon für Auswirkungen haben? Leider schlimmere als gedacht! Nicht nur an Stränden, in Muscheln, Fisch und verendeten Seevögeln werden sie gefunden – sondern neuerdings auch in Lebensmitteln, die mit dem Meer gar nichts zu tun haben: Honig, Milch und Leitungswasser. Wie konnte das passieren?


Zu Wasser, zu Land und in der Luft: Mikroplastik findet viele Wege

„Leider sind die Kunststoffpartikel so klein, dass sie kaum durch den Klärschlamm aus dem Abwasser herausgefiltert werden können“, sagt Arnold Schäfer, Betriebsleiter des Hamburger Klärwerks Köhlbrandhöft, das voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Forschungsprojekt zum Thema Mikroplastik starten wird. „Der Löwenanteil des Polyethylens verbleibt im Wasser und wird in die Flüsse geleitet.“ Eine Erklärung dafür, warum vor ein paar Wochen Plastikfasern im Trinkwasser gefunden hat, ist das allerdings noch nicht, denn das, was aus unserem Hahn fließt, wird meist aus Grundwasser gewonnen.

Es gibt jedoch Ausnahmen: „In Köln beispielsweise wird das Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheins gewonnen“, weiß Arnold Schäfer. „In solchen Regionen wäre es durchaus möglich, dass es zu einer erhöhten Belastung durch Polyethylenpartikel kommt.“ Doch auch in Milch und Honig wurden kürzlich Spuren von Mikroplastik gefunden. Prof. Dr. Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg vermutet, dass durch den Klärschlamm, der in einigen Landstrichen als Dünger benutzt wird, Polyethylen auf die Felder und benachbarte Weiden gelangt ist, so dass Kühe und Bienen damit in Kontakt gekommen sein könnten. Die Folgen für die menschliche Gesundheit sind noch nicht abschätzbar. Fakt ist jedoch, dass Plastik Weichmacher wie z. B. Phthalate enthält, die das Hormonsystem durcheinanderbringen und dadurch Unfruchtbarkeit und Krebs hervorrufen können. Immerhin sind einige konventionelle Kosmetikhersteller bereit, umzudenken. Nivea hat angekündigt, die Polyethylenkügelchen bis 2015 zu ersetzen. Auch Aok, Johnson & Johnson, Unilever und Garnier arbeiten nach zahlreichen Protestmails von Verbrauchern an Alternativen.

Grüne statt schwarze Liste: Bio-Beauty wirkt ohne Polyethylen

Wer selbst etwas gegen die Misere tun möchte, sollte sich die Zutatenliste auf Zahnpasta, Duschgel und anderen Kosmetika genau durchlesen. Tauchen darin Begriffe wie Polyethylene, Polypropylene, Polyethylenterephthalate oder Polymethylmethacrylate auf, ist Mikroplastik enthalten. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) bietet zudem eine Art Negativ-Liste an, in der Sie nachgucken können, ob Ihr Produkt betroffen ist. Es geht aber noch einfacher: Benutzen Sie Naturkosmetik, denn darin ist Mikroplastik tabu. In Bio-Duschgels und Peelings werden z. B. Kügelchen aus Silizium oder Jojobawachs verwendet, in Naturkosmetik-Zahncremes sorgen Kalziumcarbonat, Meersalz und Kieselerde für Sauberkeit. Auch auf glamouröses Make-up brauchen Sie nicht zu verzichten. Mica und pulverisierte Edelsteine zaubern sanft und natürlich verführerischen Glanz.

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