Kracher des Monats: Pestizide

Obst und Gemüse sind gesund, denkt man. Doch das gilt nicht, wenn sie mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Diese Giftstoffe können nicht nur krank machen, sondern killen auch Bienen und schaden der Umwelt. Dabei könnten wir locker darauf verzichten, beweist eine neue Studie. Was ist am meisten belastet, wie können wir uns schützen?

Rotbackig, knackig und rundum lecker sieht er aus, der Apfel. Da möchte man am liebsten sofort reinbeißen und sich etwas Gutes damit tun! Doch der Schein trügt. Ob Jonagold, Elstar oder Boskop: 99 Prozent aller Äpfel sind mit Pestizid-Rückständen übersät, hat eine Studie des amerikanischen Ministeriums für Landwirtschaft ergeben, die jetzt von der Organisation „Environmental Working Group“ (EWG) in Form einer traurigen Hitliste veröffentlicht wurde. Der Apfel belegt bei den am häufigsten belasteten Obst- und Gemüsesorten ganz klar den ersten Platz – dicht gefolgt von Erdbeeren, Weintrauben, Sellerie und Spinat. In Deutschland sieht es leider nicht viel besser aus. Bei einer Untersuchung, die im Jahr 2010 von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde, kam heraus, dass auch bei uns fast 80 Prozent des konventionell angebauten Obstes und über 55 Prozent des Gemüses Pestizid-Spuren enthalten. Ein alarmierendes Ergebnis, vor allem für Menschen, die sich fleischarm oder vegetarisch ernähren, denn Pflanzenschutzmittel können Allergien hervorrufen, unser Erbgut schädigenden und sogar Krebs auslösen. Auch für unsere Böden, das Grundwasser und eine ganze Reihe von Tieren sind Pestizide buchstäblich Gift. Besonders Bienen sind betroffen, was eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzt.

Summ, summ, summ: Das Bienensterben ist für alle dumm
„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr“, hat der Physiker Albert Einstein einmal gesagt. Ein Großteil unserer Feldfrüchte ist nämlich darauf angewiesen, dass ihre Pollen von Insekten verbreitet werden, sonst können sie sich nicht fortpflanzen. Ohne Bienen würde es z. B. keine Birnen, Kirschen, Kartoffeln und Kaffeesträucher mehr geben. Da Pestizide nicht zwischen Schädlingen und Nützlingen unterscheiden, sondern ganze Arbeit leisten, ist der Bestand an Bienenvölkern in den letzten Jahren bei uns um rund 30 Prozent zurückgegangen. Auf Druck von Umweltverbänden, Imkern und Verbrauchern hat die EU im April 2013 zwar die Nutzung von drei besonders gefährlichen Pflanzenschutzmitteln verboten – aber nur für einen Zeitraum von 24 Monaten. Außerdem hat der Chemiekonzern BASF im November 2013 Klage gegen diesen Beschluss erhoben. Das Ende ist noch offen.

Bio ist besser – für Menschen, Tiere und Umwelt

Fragt sich nur, warum wir überhaupt so große Mengen dieser Giftstoffe einsetzen. Allein in Deutschland werden laut Umweltbundesamt jährlich ca. 35.000 Tonnen versprüht. Ist das denn wirklich nötig? Nein, besagt eine Studie von Greenpeace. In ihrem Report „Plan Bee – Leben ohne Pestizide“ zeigt die Umweltorganisation einen einfachen, aber äußerst wirkungsvollen Lösungsweg auf: Den konsequenten Umstieg auf ökologische Landwirtschaft. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist dabei nämlich tabu. Stattdessen sichern Bio-Bauern ihre Ernte durch raffinierte Tricks, etwa indem sie durch Wildkräuter an den Feldrändern Marienkäfer anlocken, die Schädlinge fressen. Mit großem Erfolg! Die Bienen bleiben am Leben und auch sonst ist die Artenvielfalt in der Umgebung ökologisch geführter Höfe bis zu sechsmal höher als auf konventionell bewirtschafteten. Und das Beste: 87 Prozent des Bio-Obstes und –Gemüses sind völlig pestizidfrei. Das ergab ein Monitoring des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren im Jahr 2013. Dass es bei den restlichen 13 Prozent trotzdem mal minimale Spuren gibt, ist durch starke Stürme oder mehrtägige Regengüsse zu erklären, die in seltenen Fällen das auf herkömmlichen Feldern versprühte Gift mehrere Kilometer weitertragen können. Wer sich selbst und seine Umwelt optimal schützen will, sollte also möglichst zu Obst und Gemüse aus Bio-Anbau greifen. Dann sind Paprika, Weintrauben und Äpfel wieder das, was sie sein sollten: Ein gesunder Hochgenuss.

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