Kracher des Monats: Mode mit Gewissen

Sich schick anzuziehen macht Spaß! Allerdings nicht jedem, denn günstige Kleidung entsteht oft auf Kosten von Umwelt und Arbeitskräften, die in Billigfabriken dafür schuften. Woran erkennt man, ob Jeans und Jacken fair produziert wurden? Und was ist von dem Textil-Siegel zu halten, das die Politik noch dieses Jahr einführen will?

Tragbare Mode: Dabei denkt man vor allem an aparte Hosen, Shirts und Blusen, die uns sowohl im Büro als auch beim Stadtbummel gut aussehen lassen. Untragbar sind allerdings die Zustände, unter denen solche Kleidungsstücke manchmal hergestellt werden. Das wissen wir spätestens seit dem Unglück in Bangladesch, bei dem im April 2013 eine baufällige Textilfabrik eingestürzt ist und über 1000 Billig-Arbeiter, die meisten von ihnen Frauen, unter sich begraben hat. Auch wenn es sich bei den eingenähten Hilferufen, die dieser Tage in Oberteilen der Marke Primark gefunden wurde, vermutlich um eine geschickt lancierte Aktion handelt, haben sie die Diskussion um menschenwürdige Arbeits- und Produktionsbedingungen neu angefacht. Und das ist gut so! Doch wie kann man als Verbraucher eigentlich beurteilen, ob ein Kleidungsstück nachhaltig und sozialverträglich hergestellt wurde?

Fashion Week statt Fastfood Fashion: Hier wird gezeigt, wie’s geht
Eins dürfte klar sein: Jeans und Pullis, die nur ein paar Euro kosten und meist schon nach wenigen Wäschen kaputtgehen, können wohl kaum sozial verträglich geschneidert worden sein. Rund 95 Prozent der in Deutschland verkauften Kleidung wird heutzutage im Ausland produziert, bevorzugt in China, Indien, Bangladesch, Kambodscha und Vietnam, weil es dort am günstigsten ist. Bis zu 16 Stunden am Tag müssen die Frauen nähen, sind chemischen Dämpfen, Staub und Hitze ausgesetzt, und das oft für nur 5 Cent pro Stunde. Wer sich für gerechte Löhne und verantwortungsvolle Fertigungsmethoden stark machen möchte, sollte daher um Discounter-Mode einen großen Bogen machen. Dass es inzwischen jede Menge tolle, grüne Alternativen gibt, können Sie jetzt wieder ganz aktuell auf der Fashion Week sehen, die vom 8. bis 11. Juli 2014 in Berlin stattfindet: Rund 120 Label präsentieren im Green Showroom, bei der Ethical Fashion Show und beim Lavera Showfloor Kleidung, die nicht nur trendy ist, sondern auch fair und biologisch produziert wurde. Eine Liste der Aussteller finden Sie unter diesem Link im Internet. Auch bei den Umweltversandhäusern Waschbär, Hessnatur und Grüne Erde gibt es eine große Auswahl an nachhaltiger Bekleidung.

Mit Brief und Siegel: Von der Baumwollernte bis zum Bügel
Fragt sich nur: Was ist eigentlich mit Gütezeichen? Die gibt es zwar auch in der Mode-Branche, aber bislang keins, das gesetzlich verankert ist und alle Kriterien, die für nachhaltige Mode wichtig sind, in sich vereint. Doch das könnte sich bald ändern: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will die deutsche Fashion-Branche mit einem neuen Textilsiegel dazu bewegen, soziale und ökologische Mindest-Standards einzuhalten. Es soll voraussichtlich Ende 2014 umgesetzt werden. Die Industrie befürchtet jedoch, dass die Kunden eine damit verbundene Preiserhöhung bei vielen Kleidungsstücken nicht akzeptieren würden. Bis es soweit ist, können Sie sich am derzeit wohl verlässlichsten Zeichen für faire Bio-Mode orientieren, dem GOTS-Siegel. Der weltweit bekannte Global Organic Textile Standard wurde 2008 durch einen Zusammenschluss deutscher, englischer, amerikanischer und japanischer Naturtextilien-Verbände festgelegt. Er garantiert einen ökologischen Status – ab dem Anbau der Rohmaterialien – und schreibt eine umweltschonende und sozial verantwortliche Herstellung und Verarbeitung der Bekleidung vor. Weitere, empfehlenswerte Siegel gibt es z. B. von der Fair Wear Foundation, dem Internationaler Verband der Naturtextilien e.V. und Cotton Made in Africa.

Weitere lesenswerte Folgen unserer Rubrik Kracher des Monats: z. B. Giftiges Chrom VI in Schuhen, Mikroplastik, Hormone in konventioneller Kosmetik, Nanoteilchen, Nerzöl in Kosmetik, Kreativ gegen Müll und Bitterer Nachgeschmack: Nahrungsmittelzusätze.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.