Kracher des Monats: Grün pflegt ohne Gift

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Fast ein Drittel aller Kosmetika enthält hormonartig wirkende Konservierungsmittel und UV-Filter, darunter auch zahlreiche Markenprodukte. Wie gefährlich sind diese Inhaltsstoffe wirklich und wie kann man sich davor schützen? Und: Die Proteste zeigen erste Erfolge!

Ob Shampoo, Gesichtscreme oder Lippenstift: Sich zu pflegen und zu schminken sollte eigentlich Spaß bringen. Doch die Freude daran ist vielen Menschen Ende Juli 2013 gründlich vergangen, nachdem diverse Tageszeitungen Alarm geschlagen und auf die Belastung von Kosmetik mit hormonell wirkenden Stoffen hingewiesen haben. Aufgedeckt wurde diese besorgniserregende Tatsache durch eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), in der die Organisation mehr als 62.500 Beauty-Produkte unter die Lupe genommen hat. Dabei wurde nach 15 Chemikalien gesucht, die Krankheiten wie Brustkrebs, Fruchtbarkeitsstörungen, Fettleibigkeit und Schilddrüsenprobleme auslösen können, weil sie im Körper wie Hormone wirken. In 30 Prozent aller Fälle wurden die Wissenschaftler fündig. Besonders gravierend ist das Problem ausgerechnet bei den führenden konventionellen Drogeriemarken und im Luxussegment – hier war fast jedes zweite Produkt ein trauriger Treffer. Um was für Stoffe handelt es sich eigentlich – und was sagen die Hersteller zu all den schwerwiegenden Vorwürfen?

Auf der Fahndungsliste: Parabene und UV-Schutzfilter

Im Kreuzfeuer der Kritik stehen vor allem bestimmte Konservierungsmittel, die Parabene, vor denen naturalbeauty hier bereits im Oktober 2012 gewarnt hat. Der wichtigste, Methylparaben, steckt in jedem vierten deutschen Kosmetika und wird oft mit seinen Verwandten Propylparaben, Ethylparaben und Butylparaben gemischt. Auch der synthetische UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate gehört zu den östrogenartig wirkenden Substanzen, die auf der schwarzen Liste des BUND standen. Besonders bitter ist, dass Parabene sogar in Babypflege eingesetzt werden – was in Dänemark schon seit Jahren verboten ist. Das geht gar nicht, fand die Berliner Mutter Caroline Rosales. Gemeinsam mit dem BUND rief sie eine Online-Petition ins Leben, in der sie die Marke Penaten aufforderte, die bedenklichen Konservierungsmittel aus der Rezeptur zu entfernen. Mit riesigem Erfolg: Innerhalb von nur einer Woche forderten über 25.000 Menschen in wütenden Protestmails das Gleiche. Johnson & Johnson beugte sich dem Druck und sicherte jetzt zu, seine Kinderpflege ab 2014 ohne Parabene herzustellen.

Und was sagen die anderen Hersteller?
„Wer in Deutschland kosmetische Mittel kauft, kann sie ohne gesundheitliche Bedenken anwenden“, heißt es in einer Stellungnahme des Industrieverbands Köperpflege und Waschmittel (IKW). „Vereinzelte Warnungen wegen vermuteter hormonähnlicher Wirkungen bestimmter Inhaltsstoffe sind unbegründet. Diese Substanzen kommen in so geringen Mengen mit dem menschlichen Körper in Kontakt, dass eine hormonähnliche Wirkung nicht erfolgen kann.“ Der BUND hält dem entgegen, dass jedes fünfte untersuchte Kosmetikprodukt jedoch nicht nur eine, sondern gleich mehrere der riskanten Chemikalien enthielt. Bedenkt man dann auch noch, dass jeder Deutsche vom Deo übers Duschgel bis zu Creme und Zahnpasta gleich mehrere Produkte pro Tag benutzt, wird klar, dass sich die Schadstoffbelastung oft schon allein dadurch stark erhöhen dürfte.

Naturkosmetik ist zu 100 Prozent frei von den üblen Verdächtigen

Wer sich vor Chemikalien wie Parabenen oder Ethylhexyl Methoxycinnamate schützen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Zum einen bietet der BUND eine App an, mit der man den Strichcode seines Lieblingsprodukts einscannen und selbst überprüfen kann, ob es bedenkliche Substanzen enthält. Leider bislang nur für iPhones. Außerdem wird darin nur ein Bruchteil aller in Deutschland erhältlichen Kosmetika erfasst. Zum anderen kann jeder die Zutatenliste seiner Beauty-Produkte durchforsten, in der alle Inhaltsstoffe deklariert sein müssen. Doch es geht viel einfacher! Wer auf zertifizierte Naturkosmetik vertraut, braucht keine App und muss sich auch nicht mühselig durch zwanzig oder dreißig komplizierte chemische Bezeichnungen ackern. Darin sind hormonartig wirkende Substanzen garantiert nicht enthalten. Achten Sie auf die Siegel des BDIH oder von Ecocert oder NATRUE, die unter anderem auf den Produkten von Logona, Farfalla, Sante, Speick, Oceanwell, Heliotrop, Absolution, Weleda, Primavera, Santaverde, Lavera und Fitne zu finden sind. Grün pflegt nämlich mit Natur und Köpfchen – ohne Gift! Eine Übersicht der Hersteller mit BDIH-Logo finden sie hier, eine Liste von Produkten mit NATRUE-Zeichen hier.

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