Kracher des Monats: Gift in Schuhen

Schrei vor Glück, lautet der Werbe-Slogan von Zalando. Doch diese Schlagzeile hat uns eher vor Schreck aufschreien lassen: Der Online-Shop rief kürzlich Schuhe zurück, weil sie mit hautreizendem, krebserregenden Chrom VI belastet sind. Kein Einzelfall! Wir verraten, was es damit auf sich hat und wie Sie Alternativen finden.

Chrom VI, das hat man doch schon mal irgendwo gehört, oder? Stimmt, denn genau diese Chemikalie spielte in dem preisgekrönten Film „Erin Brockovich“ mit Julia Roberts eine traurige Rolle, der auf einer wahren Begebenheit beruht: Nachdem ein Energie-Konzern jahrelang das Grundwasser der US-Gemeinde Hinkley damit verunreinigt hat, gab es dort ungewöhnlich viele Krebsfälle. Doch Probleme durch Chrom VI gibt’s nicht nur in Amerika, sondern auch bei uns. Anfang April 2014 musste der Online-Modehändler Zalando mehrere Schuhmodelle zurückrufen, da sie dieses Gift enthalten. Bei einer amtlichen Analyse des Leders durch das Landeslabor Berlin-Brandenburg wurde die zulässige Höchstgrenze teilweise um mehr als das 13fache überschritten. Leider keine Seltenheit. So fand die Zeitschrift Ökotest die Chemikalie im Oktober 2013 in 6 von 10 Baby-Krabbelschuhen. Auch die Stiftung Warentest entdeckte im Juli 2013 in jedem fünften Kinderstiefel Chrom VI. Ein unhaltbarer Zustand, findet Baden-Württembergs Verbraucherminister Alexander Bonde und fordert die Wirtschaft jetzt in einem aktuellen Statement zum Handeln auf. Wie kommt eine so riskante Substanz überhaupt in die Schuhe rein?

Das geht unter die Haut: Gerben auf Kosten von Mensch und Natur

Bevor Schuhe angefertigt werden können, muss erst einmal aus Tierhäuten Leder hergestellt werden. Das geschieht durch Gerben. In 90 Prozent aller Fälle wird dafür Chrom eingesetzt, und zwar in Form gesundheitlich unbedenklicher Chrom-III-Salze. Diese sind zwar relativ teuer, lassen sich hinterher aber gut aus dem Gerbschlamm herausfiltern und wiederverwenden. Um Schuhe möglichst preiswert anbieten zu können, erfolgt die Lederherstellung allerdings meist in Schwellen- und Billiglohnländern wie Indien, China, Taiwan oder Bangladesch, wo Arbeits- und Umweltschutz bestenfalls auf dem Papier existieren. Durch unsachgemäße Produktionsmethoden kommt es immer wieder zur Bildung von krebserregendem Chrom VI, das im Leder zurück bleibt und mit den Gerb-Abwässern in umliegende Flüsse geleitet wird. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden die meisten Gerberei-Beschäftigten in Bangladesch unter schweren Erkrankungen und sterben bereits vor ihrem 50. Geburtstag. In Deutschland sind vor allem Allergien gegen Chrom VI bekannt. Besonders bei direktem Hautkontakt mit dem verunreinigten Leder, wie in Sandalen oder Ballerinas, können sich juckende Ekzeme bilden, aber auch durch Strümpfe hindurch wird die reizende Chemikalie leicht aufgenommen, wenn man an den Füßen schwitzt.

Es geht auch anders: Ökologisch korrekte Stiefel und Pumps
Wer sich vor Ausschlägen und Krankheiten schützen möchte, sollte am besten nur Schuhe kaufen, deren Leder ohne Chrom hergestellt wurde. Eine schicke Auswahl finden Sie z. B. beim Waschbär-Versand, bei Hessnatur, Grüne Erde oder unter Oekoschuhe.de. Die dort angebotene Fußbekleidung besteht meist aus hochwertigem, europäischen Leder und wurde durch Pflanzenstoffe gegerbt, etwa mit Eichen- oder Kastanien-Rinde. Sie können sich aber auch für Baumwoll-Turnschuhe, Filz-Pantoffeln, Gummistiefel aus Naturkautschuk oder die in diesem Modesommer topaktuellen Espadrilles aus buntem Leinen entscheiden. Damit tun Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihrer Umwelt etwas Gutes.

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