Kracher des Monats: Belastetes Mineralwasser

Wer seinen Durst mit Mineralwasser stillt, erwartet Natur pur. Doch darauf ist leider kein Verlass: Jede dritte Flasche ist durch Pestizide, Arzneimittel-Rückstände und Süßstoffe verunreinigt. Wie gelangen die da rein? Und was kann man überhaupt noch trinken?

Mit dem Rad zur Arbeit fahren, nach Feierabend eine Runde durch den Stadtpark joggen und dabei die Sonne genießen – ein Traum! Aber auch ganz schön schweißtreibend, besonders an einem heißen Sommertag. Gibt es jetzt etwas Herrlicheres als ein kühles Glas Mineralwasser? Es erfrischt, löscht den Durst und versorgt uns mit jeder Menge Magnesium, Kalium und Kalzium. Statistisch gesehen trinkt jeder Deutsche 140 Liter davon pro Jahr. Für viele ist dieses Getränk der Inbegriff von Reinheit. Doch der Schein trügt: Stiftung Warentest hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass ein Großteil unserer natürlichen Mineralwässer mit Medikamenten-Rückständen, Pflanzenschutzmitteln und dem künstlichen Süßstoff Acesulfam-K belastet ist. Ein Produkt enthielt zudem Nickel, drei weitere waren durch schädliche Keime kontaminiert. Nur sechs der 30 überprüften Getränke lieferten keinen Grund zur Beanstandung. Der Mineraliengehalt fiel dagegen oft überraschend mager aus. Zu viele Schadstoffe, zu wenig Gesundes. Wie kann das sein? Ist der Begriff Mineralwasser nicht gesetzlich geschützt?

Gute Stoffe, schlechte Stoffe: Aus dem Erdboden in die Flasche
Was Hersteller als „natürliches Mineralwasser“ bezeichnen dürfen, ist in der Mineral- und Tafelwasserverordnung geregelt. Danach hat das Getränk „seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen“, muss an seinem Gewinnungsort, also direkt an einer Quelle oder einem Brunnen, abgefüllt werden und von Natur aus Mineralien enthalten. Wie hoch dieser Gehalt sein soll, bleibt allerdings offen – was schon mal erklärt, weshalb unsere Erwartungen häufig nicht viel mit der Realität zu tun haben. Oft sind es tatsächlich nur Spuren. Hinzu kommt, dass sich das Wasser auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten der Erde nicht nur mit wertvollen Mineralien anreichert, sondern leider auch Umweltgifte aufnimmt, die sich dort im Laufe der Jahre angesammelt haben. Zum einen Pestizide aus konventioneller Landwirtschaft, zum anderen Arzneimittel-Rückstände, die von Klärwerken nicht aus unserem Abwasser entfernt werden können. Sogar der künstliche Süßstoff Acesulfam-K gelangt auf diese Weise in unser heimisches Trinkglas! Da der Mensch diese Substanz, die in etlichen Light-Getränken und Lebensmitteln eingesetzt wird, unverarbeitet wieder ausscheidet und auch sie nicht herausgefiltert werden kann, wandert sie übers Grundwasser ins Erdreich und schließlich ins Mineralwasser.

Bis hierhin und nicht weiter? Konkrete Grenzwerte fehlen

Dass sich Schadstoffe in unserem Mineralwasser befinden, ist also nur bedingt Schuld der Hersteller. Aber auch unabhängig davon ist es schwierig, nun Konsequenzen zu verlangen, denn ähnlich wie die Höhe des Mineralstoffgehalts ist auch der Grenzwert für Verunreinigungen nirgendwo verbindlich festgelegt. Es gibt lediglich sogenannte Orientierungsvorschläge. „Ein Nullstandard, wie Stiftung Warentest es tut, kann man allerdings nicht anlegen, so wie die Welt heutzutage nun mal ist, und vor allem bei den modernen Untersuchungsmethoden, die bis zu Nanogramm pro Liter, also milliardstel Gramm pro Liter messen“, nimmt der Verband Deutscher Mineralbrunnen im Deutschlandfunk Stellung zu den Vorwürfen. „Wir machen uns in der Tat schon seit Jahren in Brüssel dafür stark, dass die ‚ursprüngliche Reinheit‘ irgendwie handhabbar geregelt wird und da gehören Grenzwerte auch mit dazu und am besten im Rahmen einer europäischen Richtlinie." Bis was passiert, kann allerdings noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Deshalb sollte jeder von uns – so gut es geht – selbst aktiv werden. Doch das ist in diesem Fall gar nicht so einfach.

Klar handeln statt im Trüben fischen: Das können Sie tun
Das Problem: Als Kunde haben wir keine Möglichkeit, saubere Mineralwässer von verunreinigten zu unterscheiden. Man kann weder nach einem bestimmten Stoff in der Zutatenliste suchen, um ihn zu meiden, noch auf ein Siegel achten, durch das man Giftfreiheit sicherstellen könnte. Immerhin: Die Belastung der untersuchten Mineralwässer ist so gering, dass davon allein laut Stiftung Warentest keine allzu große Gefahr ausgehen soll. Essen Sie deshalb möglichst viel Obst und Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau! Dann sind Sie vor einer weiteren Pestizid-Belastung geschützt, so dass sich diese Substanzen in Ihrem Körper nicht summieren können. Außerdem trägt Öko-Landbau dazu bei, dass Böden und Grundwasser weniger verunreinigt werden. Das kommt langfristig auch unserem Mineralwasser zugute. Ihren Durst können Sie auch mit Bio-Säften und Leitungswasser stillen. Das kühle Nass aus unserem Hahn besteht nur zu etwa zwei Dritteln aus Grundwasser und zu einem Drittel aus Oberflächenwasser, das Seen oder Talsperren entnommen wird. Damit ist eine Belastung zwar nicht ausgeschlossen, aber derzeit geringer als bei so manchem Mineralwasser. Die von Stiftung Warentest empfohlenen Marken sind Frische Brise, Vio sowie die Eigenmarken von Kaufland, Lidl und Rewe. Weitere Infos finden Sie in der Augustausgabe des Heftes. Auf www.test.de/Mineralwasser finden Sie zusätzlich eine Datenbank, in der Sie gezielt nach Ihrem Lieblingswasser suchen können.

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