Pflanzenhaarfarbe: So geht Haare
färben ohne Chemie

Ob komplette Typveränderung oder lediglich ein wenig neuer Glanz: Frische Farbe im Haar bringt neuen Pepp! Probiert es doch mal aus – und zwar ganz ohne Chemie. Pflanzenhaarfarben können heute deutlich mehr, als die meisten denken. Wir verraten, wie sie funktionieren, was drin steckt – und welche Problemstoffe gerade nicht.
Magazin: Pflanzenhaarfarbe: So geht Haarefärben ohne Chemie! Bild: pexels

Fünf Jahre jünger aussehen in nur einer Stunde? Was die beste Anti-Age-Creme nicht schafft, klappt oft mit frisch gefärbten Haaren. Fest steht: Ein Hauch Mahagoni oder ein goldener Schimmer lassen uns auf Anhieb interessanter aussehen. Kein Wunder, dass 60 Prozent der deutschen Frauen ihre Haare regelmäßig colorieren. Doch muss man dazu wirklich zu Chemie greifen?

Ganz schnell: So geht’s konventionell

Wer seinen Naturton stark verändern oder graues Haar perfekt abdecken will, kommt um den klassischen Colorationsprozess nicht herum. Doch dafür wird tief in den Chemiebaukasten gegriffen. Die Schuppenschicht des Haares wird zunächst mit Inhaltsstoffen wie Ammoniak aufgebrochen, denn nur so können Farbvorstufen und Wasserstoffperoxid durch Löcher ins Haarinnere schlüpfen. Dort angelangt, zerstört das Wasserstoffperoxid Eure eigenen Pigmente und reagiert mit den eingeschleusten Farbvorstufen zu neuen Farbpartikeln. Damit diese nicht sofort wieder ausgespült werden, versiegeln Zutaten wie Silikon den Haarschaft anschließend wieder. Purer Stress für Haar und Kopfhaut!

Die Folge: Je öfter Ihr färbt, desto brüchiger und glanzloser wird Euer Haar. Doch das ist noch längst nicht alles. Synthetische Farbstoffe stehen im Verdacht, die Entstehung von Allergien und Blasenkrebs zu begünstigen. Damit statt dicker Ammoniak-Luft beim Färben dezenter Beerenduft entsteht, wird mit künstlichen Parfümstoffen nachgeholfen. Auch Konservierungsmittel, die die Haut reizen können, sind in konventionellen Produkten an der Tagesordnung. Doch es gibt eine Alternative: Pflanzenhaarfarben.

Grünes Licht für Bio: Natur gibt den Ton an

Colorationen, die das Haar nicht schädigen, sondern obendrein schön kräftigen und pflegen: Mit Bio-Farben geht dieser Wunsch in Erfüllung. Doch wie funktioniert das? Statt mit Chemie tönen Pflanzenfarben mit gemahlener Baumrinde, Henna, Kamillenblüten oder pulverisierten Walnussschalen, deren Pigmente sich wie ein Mantel um jedes einzelne Haar legen. Das bringt jede Menge Vorteile:

Zum einen schimmert Euer Naturton leicht durch. Dadurch wirkt Eure neue Farbe super natürlich. Zum anderen reflektiert der Schutzfilm das Licht, sodass das Haar herrlich glänzt. Der Farbfilm macht das Haar sogar ein wenig dicker und mogelt so mehr Fülle ins Haar. Pflegende Zutaten wie Amla oder Brahmi kitten zudem kleine Löcher und übernehmen auf raffinierte Art den Job des Silikons: Sie bilden einen feinen Schonbezug, der dafür sorgt, dass Euer neuer Pflanzenfarbton nicht so bald wieder ausgewaschen wird. Aufhellungen oder Blondierungen sind so zwar nicht möglich, aber dafür bleiben problematische Zutaten zu 100 Prozent draußen. Deshalb sind Pflanzenhaarfarben sogar für Jugendliche unter 16 Jahren erlaubt und können auch in der Schwangerschaft angewendet werden.

Kreativität trifft Komfort
MAGAZIN Pflanzenhaarfarbe: So geht Haare färben ohne Chemie Bild: pixabay
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Im Gegensatz zu konventionellen Färbungen werden Pflanzenhaarfarben meist als Pulver zum Selbstanrühren angeboten. Doch mittlerweile sind auch einige Creme-Colorationen im Handel. Insbesondere um nachwachsende Ansätze nachzufärben, ist diese Anwendungsform ideal.

Die Pflanzenpulver lassen Euch viel Raum für eigene Farbspiele: Die unterschiedlichen Nuancen lassen sich untereinander mischen oder auch mal in kaltem Kaffee statt in Wasser anrühren.

Heinz-Jürgen Weiland, Geschäftsführer von Ayluna, verrät weitere wertvolle Tipps für die richtige Anwendung von Pflanzenhaarfarben – und worauf man bei der anschließenden Haarpflege achten sollte:

„Die Pflanzenhaarfarbe wird nur mit Wasser (bis es klar ist) ausgespült und nicht mit Shampoo gewaschen. Ansonsten wäscht man Teile der Farbe wieder aus und die Färbung wird nicht ganz so intensiv. Die erste Haarwäsche sollte erst nach 24-48 Stunden vorgenommen werden.
In diesem Zeitraum sollten auch keine Styling-Produkte verwendet werden.  Die Farbe entwickelt sich in dieser Zeit noch (oxidiert mit dem Sauerstoff in der Luft nach). In dieser Zeit wird die Verbindung zwischen Haar und Pflanzenfarbe noch gefestigt und die Haltbarkeit am Haar aufgebaut.

Nach dem Färben sollte auf konventionelle Shampoos und Pflegeprodukte verzichtet werden, da sich dadurch die Farbe eventuell schneller auswäscht und austrocknet. Filmbildner verursachen, dass die nächsten Färbungen schlecht anhaften.

Direkt nach der Färbung sollte von daher auch keine Spülung und keine Haarkur genommen werden, auch damit bitte ein bis zwei Tage warten, bis sich die Haarfarbe vollständig gefestigt hat.

Wichtig ist die in den ersten 24 Stunden die Haare möglichst nicht zu behandeln, da sich in dieser Zeit die Farbe noch entwickelt. Ein unerwünschter Ton direkt danach, verschwindet meist von allein.“

Zimmerservice: Die besten Quick-Tipps für zu Hause
  • Gut vorbereitet: Wer seine Frisur gern stylt oder regelmäßig Kuren benutzt, sollte vor dem Colorieren eine Packung mit Ghassoul (Lavaerde) Pulver oder Heilerde anwenden. Dadurch werden Rückstände vom Haar entfernt und die Farbenpigmente können sich optimal anlagern. Auf Pflegeprodukte wie Spülungen und Co. sollte direkt vor der Anwendung unbedingt verzichtet werden.
  • In Deckung gehen: Pflanzenhaarfarben färben Haare – aber auch Haut und Kleidung. Daher Einweghandschuhe tragen und alte Klamotten tragen oder alternativ ein großes Handtuch über die Schultern hängen.
  • Den richtigen Ton treffen: Zuerst nur das Ende einer einzelnen Strähne färben. Je nach Farbe variiert die Einwirkzeit zwischen 15 Minuten und 2 Stunden – dabei wird die Farbe immer intensiver. Hier also einfach etwas ausprobieren. Wärmezufuhr, zum Beispiel durch Föhnen, beschleunigt den Färbeprozess und verkürzt somit die nötige Einwirkzeit. Gefällt Euch das Ergebnis, könnt Ihr zur Tat schreiten.
  • Buntwäsche: Damit die Farbfreude möglichst lang anhält, am besten ein zertifiziertes Bio-Shampoo verwenden. Sie reinigen das Haar mit sanften Waschsubstanzen aus Zucker oder Kokos, die den Schaft weniger aufquellen lassen. Auch gut: Ein Haaröl oder eine Spülung mit Klettenwurzelextrakt, der wie ein Schutzfilm wirkt.
  • Pannenhilfe: Falls Eure neue Farbe zu intensiv geworden ist, hilft das sofortige Anwenden einer Haarspülung, die mit Zitronensaft und Kamillentee angerührt werden kann. Diese solltet Ihr eine Viertelstunde lang einwirken lassen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe lösen einen Teil der noch frischen Pigmente wieder ab.
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