Exklusives Interview mit Christoph Laudon von HYDROPHIL: „Kreativität und Experimentierlust gehören dazu!“

Alles begann mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Love Water“. Das war vor fünf Jahren. Mittlerweile zählt die junge Hamburger Marke HYDROPHIL zu den bekanntesten und beliebtesten in Deutschland – zumindest bei Zero Waste- und Nachhaltigkeits-Fans.
Exklusives Interview mit Christoph Laudon von HYDROPHIL: „Kreativität und Experimentierlust gehören dazu!“ Bild: HYDROPHIL

Der Bestseller aus dem Hause HYDROPHIL: die nachhaltige Zahnbürste aus Bambus. Nach und nach kamen weitere Produkte dazu: zum Beispiel Wattestäbchen und Zahnbürsten-Etuis aus Bambus, sowie regional gefertigte Produkte, wie handgeschöpfte Seifen aus Schleswig-Holstein oder Kulturbeutel aus recycelten Neoprenanzügen, die im Hamburger Schanzenviertel produziert werden. Christoph Laudon, Gesellschafter und Mitgründer von HYDROPHIL, erzählt im Interview von den Anfängen des kleinen Startups und erklärt welche Vision ihn und seine Gründerkollegen bis heute antreibt.

Moin Christoph, zusammen mit Deinen beiden Freunden Wanja und Sebastian hast Du die Marke HYDROPHIL gegründet. Wie kam es zu dieser Idee?

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Christoph Laudon, Mitgründer von HYDROPHIL. © HYDROPHIL

Christoph: Ich habe Wanja und Sebastian bei der ehrenamtlichen Arbeit bei Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. kennengelernt. Bei einer Fahrradtour im Sommer 2013, bei der wir uns intensiv über das Thema Wasserknappheit unterhalten haben, kam die Frage auf, ob es möglich sei wasserneutrale Produkte herzustellen. Aus der Idee, wasserschonenden Konsum zu fördern, ist zunächst unser HYDROPHIL Blog und kurz darauf dann unsere gleichnamige Marke entstanden.

Euer Anliegen ist es ja wasserneutral – also mit so wenig Verbrauch und Verschmutzung von Wasser – zu produzieren. Wie schafft man das?

Christoph: Wir achten bei unseren Produkten darauf, dass diese in der Herstellung sehr ressourcenschonend, insbesondere in Bezug auf Wasser, sind. Dabei ist es uns wichtig, dass wir mit natürlichen Inhaltsstoffen arbeiten. Ein Beispiel dafür sind die Farben für unsere nachhaltigen Zahnbürsten aus Bambus. Diese beinhalten weder chemische Zusatzstoffe noch Erdöl. So können wir eine Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser vermeiden.

Für unsere Zahnbürsten verwenden wir Moso-Bambus, welcher in der Nähe unserer chinesischen Produktionsstätten in Lishui und Ningbo unter nachhaltigen Bedingungen wächst. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit benötigt der Bambus keine zusätzliche Bewässerung, außerdem ist er ein schnell nachwachsender Rohstoff.

Welches waren die speziellen Herausforderungen, die Ihr zu Beginn – aber vielleicht auch immer noch – überwinden musstet?

Christoph: Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das nachhaltige Badezimmer zu gestalten. Dabei sind wir stetig auf der Suche nach guten Alternativen, sei es bei den einzelnen Produktbestandteilen, als auch bei ihrer Verpackung. Dabei liegt uns auch die ständige Verbesserung unserer Produkte am Herzen. Seit April 2018 verwenden wir daher für die Herstellung unserer Borsten Rizinusöl, welches aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und daher erdölfrei ist.

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Vor fünf Jahren habt Ihr Eure Marke HYDROPHIL auf den Markt gebracht. Eigentlich haben Zero Waste-Fans ja genau auf Eure Produkte gewartet, oder?!

Christoph: Die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik ist bei vielen ein präsentes Thema. Wir hoffen natürlich, dass wir mit unserem Vorhaben und unseren Produkten zu einem nachhaltigeren Konsum beitragen können. Aber auch bei uns gibt es natürlich immer Verbesserungsbedarf – siehe das Beispiel unserer Borsten aus nachwachsenden Rohstoffen, wo wir lange auf der Suche nach einer passenden Alternative zu herkömmlichem Nylon waren. Wir stellen fest, dass viele Leute unsere Auffassung teilen und ihren (Plastik)Konsum minimieren, umstellen oder sogar nach dem Zero Waste-Prinzip leben möchten. Das können wir natürlich nur begrüßen.

Geht Ihr mit Eurem Engagement für „weniger Wasserverbrauch“ auch an die Öffentlichkeit?

Christoph: Unser Motto lautet ‚Jeden Tag ein bisschen besser machen‘. Dabei versuchen wir über unsere Kanäle mit unterschiedlichen Aktionen, die Öffentlichkeit über Themen wie Wasserverschmutzung zu informieren aber auch zu aktivieren, also selbst etwas zu ändern. Angefangen hat ja alles 2012 mit Sebastians HYDROPHIL-Blog. Noch heute versuchen wir über unseren Blog viele aktuelle Themen aus dem Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit aufzugreifen. Darüber hinaus findest Du auf unserer Seite auch die Interviewreihe „Auf ein Glas Trinkwasser mit…“ in der wir mit Menschen sprechen, welche sich auf ihre Weise stark machen für eine bessere Welt, z.B. im Bereich Umweltschutz. Seit kurzer Zeit haben wir auch einen HYDROPHIL- Podcast, in dem wir Personen und befreundete Unternehmen vorstellen, welche durch ihr Engagement die Welt auch jeden Tag ein kleines bisschen besser machen – und da schließt sich der Kreis wieder.

Zero-Waste ist mittlerweile zu einer starken und ernstzunehmenden Bewegung geworden. Reicht das? Oder braucht es Deiner Meinung nach noch mehr Engagement in der Gesellschaft, um etwas gegen den Wasser- und Plastikverbrauch zu unternehmen?

Christoph: Die Zero-Waste Bewegung zeigt, dass bei vielen Menschen das Bewusstsein für einen nachhaltigen Konsum wächst. Dabei kann jeder bei sich im Kleinen anfangen und nicht nur sein Konsumverhalten ändern, sondern auch lokal politisches Engagement zeigen. Ehrenamtliche Arbeit in Projekten, wie zum Beispiel bei Viva con Agua, kann auf lokaler sowie globaler Ebene viel bewirken und gleichzeitig Spaß machen.

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Immer auf der Suche nach wasserneutralen Zero Waste Lösungen: das Team von HYDROPHIL. © HYDROPHIL

Gibt es Produkte, die Ihr gerne anbieten würdet, die sich aber schwer umsetzen lassen? Oder gibt es für jedes WASH-Produkt eine Zero-Waste-Lösung?

Christoph: Wir sind immer auf der Suche nach ökologisch nachhaltigen Alternativen, um unsere Produkte plastikfrei und mit so wenig Verpackungsmaterial wie möglich anzubieten. Bei WASH-Produkten müssen gewisse Hygiene-Standards eingehalten werden. Da ist es schon eine Herausforderung, die Produkte ohne Verpackungsmaterial zu verschicken. Bei manchen, wie zum Beispiel Zahnbürsten, geht es nicht komplett verpackungsfrei. Unsere Lösung für Verpackung als auch Versand besteht daher aus recycelter Pappe. So ist die Verpackung zumindest 100% biologisch abbaubar und hinterlässt keine Spuren in unserer Umwelt. Insgesamt bin ich optimistisch und denke, dass für jedes Plastikprodukt eine Alternative zu finden ist – ein wenig Kreativität und Experimentierlust gehören vielleicht auch dazu. Beides haben wir. 🙂

Welches Eurer HYDROPHIL Produkte gehört zu Deinen absoluten Favoriten?

Christoph: Unser neuestes Produkt ist unser Zahnputzbecher für Kinder, welcher das Bad nicht nur plastikfrei sondern auch etwas bunter gestalten soll – diesen gibt es in zwei Farben und zwei verschiedenen maritimen Motiven. Für die Becher verwenden wir Arboblend, also Flüssigholz, welches erdölfrei, sowie ein nachwachsender Rohstoff ist. Spannend war für mich nicht nur die Suche nach einer umweltschonenden Alternative zu Plastik, sondern auch den kreativen Teil zu übernehmen und sich Gedanken zu den Motiven zu machen.

Vielen Dank für Deine Zeit! 🙂

Mehr Information zu den Produkten und der Vision der Wasserneutral GmbH, die unter anderem die Marke Hydrophil im Sortiment hat, findet Ihr auf der offiziellen Homepage.

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