Exklusives Interview: Es wird GRØN!
Silke und Stephan Becker von benecos über ihre neue Naturkosmetikmarke

Man kennt Silke und Stephan Becker als die Macher von benecos, einer Marke, die seit 2008 Erfolgsgeschichte schreibt: Jetzt machen sich die Beckers selbst Konkurrenz – mit GRØN, ihrer neuen Naturkosmetikmarke. Annährend 100 neue Produkte inklusive dekorativen Neuerscheinungen soll es geben. Was die Marke bieten wird, was an GRØN anders ist und welche Rolle Regionalität dabei spielt, verraten Silke und Stephan uns im exklusiven Interview.
Interview über die neue Naturkosmetikmarke GRØN

Was hat Euch dazu bewegt, GRØN zu launchen? Was ist das Besondere an der Marke und was unterscheidet sie von benecos?

Stephan: Wir hatten schon lange Pläne für eine erwachsene Marke, im Prinzip eine „große Schwester“ von benecos in der Schublade. Unser Wunsch war ein Sortiment, das mehr an die Bedürfnisse verschiedener Haut- und Haartypen angepasst ist. Bei benecos sollen die Texturen und Produkte hauptsächlich Spaß machen und leicht anwendbar bzw. im besten Fall selbsterklärend und gleichzeitig erschwinglich sein

Stephan und Silke Becker, Gründer von cosmondial und den zugehören Marken benecos und GRØN.
Stephan und Silke Becker, Gründer von cosmondial und den zugehören Marken benecos und GRØN. © Stephan u. Silke Becker

Natürlich kommen bei benecos trotzdem ausschließlich qualitativ hochwertige Inhaltsstoffe zum Einsatz, aber man muss in diesem Preissegment einfach die Kosten gut im Auge behalten. Daher sind wir in der Rohstoffvielfalt bei benecos leider eingeschränkt. Das hat es schwierig für uns gemacht, das Sortiment für verschiedene Haut- und Haartypen zu erweitern. In der Folge haben wir diese Idee wieder etwas aus den Augen verloren.

Dann ist uns letztes Jahr, mitten in den bayerischen Sommerferien, mehr oder weniger der Zufall zu Hilfe gekommen: Durch die kontrovers diskutierte Übernahme einer unserer Mitbewerber durch einen großen konventionellen Kosmetikhersteller und der damit verbundenen Suche des Bio-Fachhandels nach Alternativen, haben wir uns wieder an unsere Idee in der Schublade erinnert und der Stein kam endgültig ins Rollen.

Bevor wir mit GRØN – gesprochen wird es übrigens „grön“ und heißt schlicht und ergreifend „grün“, aber dazu später mehr – überhaupt in konkretere Planungen eingestiegen sind, haben wir uns überlegt, wo die konkreten Grundbedürfnisse der künftigen Verwender*innen liegen.

© GRØN

Silke: Sensible Haut braucht Texturen, welche eine gestörte Hautbarriere wieder sanft ins Gleichgewicht bringen. Auch allgemein ist reizfreie Pflege gerade ein großes Thema und häufig besteht einfach nur der Wunsch nach Kosmetikprodukten mit wenig oder gar keiner Parfümierung. Dann gibt es Verbraucherinnen, die eine „unkomplizierte“ Haut haben und eine Feuchtigkeitspflege mit leichten Texturen möchten, aber gerne mit etwas mehr Duft. Und schließlich, spätestens wenn die ersten Fältchen kommen, braucht die Haut eine anspruchsvollere, revitalisierende Pflege. Ich habe das bei mir selbst „an der eigenen Haut“ erfahren: Früher hatte ich immer eine eher etwas ölige Haut. Inzwischen reichen mir die leichten Feuchtigkeitscremes, die früher vollkommen okay waren, nicht mehr aus und meine Haut fängt dann nach kurzer Zeit an zu spannen.

Bei den Haaren ist es ähnlich: Manche haben Probleme mit fettigem Haar oder Schuppen. Andere möchten einfach nur schöne, duftige, glänzende Haare mit tollem Volumen. Wenn sich im Laufe der Zeit dann die Hormone umstellen, wird das Haar dünner und möchte anders gepflegt werden. Hier braucht es dann Shampoos, die Kopfhaut und Haar revitalisieren.

Das alles hat uns auf die Idee gebracht, drei unterschiedliche Linien mit ganz klar zugeordneten Farbcodes zu entwickeln, die auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sind: Die eher nordisch inspirierte blaue „Pure Elements“-Linie für sensible Haut, die grüne, etwas „regionalere“ „Essential Elements“-Linie für normale- und Mischhaut und die rote „Rich Elements“-Linie für reifere, anspruchsvolle Haut.

Interview über die neue Naturkosmetikmarke GRØN
© Will Li on Unsplash

Wo wir bei benecos eingeschränkt waren, dürfen wir uns jetzt bei GRØN austoben und all die tollen Rezepturen entwickeln, die für benecos vom Budget bzw. von den Bedürfnissen her einfach nicht gepasst hätten.

Stephan: Über den Namen GRØN sind wir übrigens besonders glücklich: Die Farbe Grün steht wie nichts anderes sonst für Aufbruch, Natur und das Leben. Besonders deutlich sieht man das immer, wenn die Natur nach dem Winter neu erwacht: Da spürt man sofort neue Energie und eine positive, fröhliche Grundstimmung kommt auf.

Die Entwicklung von GRØN ging ziemlich schnell. Wie lange hat es gedauert, bis Eure Idee sich als fertige Produktrange manifestiert hatte?

Stephan: Das stimmt, die Entwicklung ging wirklich sehr schnell. Im Normalfall rechnet man ungefähr zwei Jahre von der Idee bis zur Umsetzung einer Marke: Erst entwickelt man die Produkte und testet sie, daran schließt sich dann das Design des Packagings an. Dann beginnt man mit dem Aufbau eines Markenkonzeptes…

Wir haben Anfang September 2018 losgelegt und wollten bis zur Vivaness in Nürnberg Mitte Februar 2019 Produkte präsentieren. Das sind nur etwas mehr als 6 Monate. Dazwischen war noch Weihnachten… Das war ganz schön knackig und hat uns einige Nerven gekostet, aber wir haben es geschafft und sind alle sehr glücklich darüber.

Wurden die Produkte bereits zertifiziert oder beabsichtigt Ihr eine Zertifizierung?

Silke: Die Zertifizierung der Produkte ist gerade im Gange. Alle Produkte werden dem COSMOS Organic Standard entsprechen und dürfen dann als Zertifizierte Bio-Kosmetik (was noch eine Stufe über Naturkosmetik ist) bezeichnet werden.

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© Sarah Comeau on Unsplash

Sind Eure Produkte vegan?

Stephan: Die allermeisten GRØN-Produkte sind vegan. In einigen Produkten haben wir allerdings ganz bewusst Bienenwachs, Honig oder Propolis eingesetzt, um einen bestimmten Effekt zu erzielen.

Es werden viele regional verfügbare Inhaltsstoffe in den GRØN Produkten verwendet. Was sind die Beweggründe dahinter, woran glaubt Ihr?

Silke: Direkt vor unserer Haustür wachsen tolle, bodenständige Inhaltsstoffe mit fantastischen Wirkungen, die manchmal einfach übersehen werden und deren Namen über lange Zeit hinweg auch zu „unsexy“ für Kosmetik geklungen haben. Inzwischen findet aber an allen möglichen Ecken ein Umdenken statt, das natürlich von der aktuellen Klimadebatte noch befeuert wird. Rohstoffe, die in unseren Breiten wachsen, unterstützen aktiv den Ökolandbau, machen die Lieferwege kurz und sparen damit CO2.

Stephan: Das Bier in unserem Bier & Honig & Hanf-Shampoo kommt zum Beispiel von einer lokalen Brauerei aus Glattbach bei Aschaffenburg.

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© Nazar Hrabovyi on Unsplash

Welche Wirkstoffe sind bei GRØN in der Pflege tonangebend?

Silke: In der Pure Elements-Linie kommen die Mikroalge Chlorella Vulgaris und Meersalz zum Einsatz. Für die Essential Elements-Linie ist Hanf die Leitpflanze und durch die Rich Elements-Linie zieht sich Olivenöl – oft begleitet vom Traubenkernöl – wie ein roter Faden.

Die dekorative Kosmetik von GRØN bietet eine Vielzahl spannender Produkte. Was ist Euer Liebling und warum?

Silke: Hier zu entscheiden, ist für mich super schwierig, weil da einfach so viele neue Lieblinge sind. Vielleicht die Lidschattenpalette „morning dew“: Das ist eine wunderschöne Mischung aus dezenten und satten Farben aus dem kühlen Farbspektrum. Die Texturen sind hochpigmentiert und seidig und in der Palette gibt es sowohl matte als auch schimmernde Farbtöne. Damit ist man sehr vielseitig. In dieser Palette ist, was ich persönlich total praktisch finde, eine Schminkanleitung im Innendeckel enthalten.

Die Produkte kommen im Frühjahr 2019 in den Handel. Wo werden sie erhältlich sein und in welchem Preissegment bewegen sie sich?

Stephan: Ab Ende April/Anfang Mai werden die Produkte bei ausgewählten Händlern im Biofachhandel zu haben sein. Preissegment ist das gehobene Mittelpreissegment.

Sind Eure Verpackungen auch nachhaltig?

Stephan: Die Pflege von GRØN kommt in Kunststoff- und Glasverpackungen in den Handel. Bevor wir hier zu einem Entschluss kamen, haben wir uns viele Varianten an recycelten, biobasierten sowie biologisch abbaubaren Kunststoffen angeschaut:

Bei den recycelten Kunststoffen haben wir das Problem, dass diese von Produktionscharge zu Produktionscharge unterschiedlich aussehen, was dann zu Rückfragen von Handel und Verbraucher führt. Außerdem sind die Verpackungen meist spröder und damit beim Finish weniger praktisch.

Für biobasierte Kunststoffe werden Pflanzen eingesetzt, die normalerweise der Ernährung von Menschen und/oder Tieren dienen und die üblicherweise in Monokulturen angebaut werden. Das erschien uns als wenig sinnhaft.

Biologisch abbaubare Kunststoffe haben uns noch am ehesten überzeugt, allerdings liegt hier die Krux in der industriellen Gewinnung, wie auch in der Entsorgung: Auf den Komposthaufen oder in die Biotonne kann man diese Verpackungen heute noch nicht geben, da hier nicht die Feuchte- und Temperaturbedingungen herrschen, die benötigt werden, damit sich diese Kunststoffe zersetzen können. Auch der zeitliche Verlauf steht nicht im Rahmen der Anforderungen an die Kompostierbarkeit. Das grenzt also derzeit eher an Greenwashing – schönes Wortspiel zu GRØN. 🙂 So sehen es im Übrigen auch das Umweltbundesamt und Experten der Naturschutz- und Umweltverbände.

So haben wir uns für PE entschieden. Gerade PE ist aus ökologischer Sicht ein hervorragendes Material zur Herstellung von Verpackungen mit einer idealen Recyclingfähigkeit.

Interview über die neue Naturkosmetikmarke GRØN
© GRØN

Die Verpackung unseres Deko-Sortiments besteht aus Pappe mit einem minimalen Anteil an Kunststoff, der sich leider kaum vermeiden lässt. Bei den Lippenstiften ist er zum Beispiel wegen der Mechanik unverzichtbar, bei Mascara und Lipgloss wird er benötigt, um die Flüssigkeiten zu schützen.

Ansonsten ist es wie bei benecos auch: Wir versuchen Verpackung soweit es geht zu vermeiden und auch die eingesetzten Massen der Verpackung zu reduzieren; das ist der nachhaltigste und sinnvollste Ansatz und hat schlussendlich auch den deutlicheren Nutzen. Vieles andere sehen wir eher als Verbrauchertäuschung.

Vielen Dank für diesen spannenden Einblick in die Entstehung und Identität von GRØN! Wir freuen uns auf April/Mai 2019, wenn die Produkte offiziell bei ausgewählten Händlern im Biofachhandel erhältlich sein werden – und die Welt ein wenig grüner wird. 🙂

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