Fracking: Gift fürs Trinkwasser?

„Lebensader Flüsse“, lautete das Motto des diesjährigen Tags der Erde, denn Wasser ist die Grundlage allen Seins. Doch auch das kühle Nass, das tagtäglich durch unsere Hähne fließt, ist zunehmend gefährdet – durch eine aggressive Methode zur Erdgas-Förderung. Berechtigte Kritik oder nur Panikmache?

Wasser – das ist für viele von uns der Inbegriff von Reinheit. Wenn es frisch über unsere Hände sprudelt oder kristallklar unser Glas füllt, können wir uns kaum vorstellen, dass es möglicherweise mit Schadstoffen belastet ist. Doch genau das kann uns demnächst verstärkt passieren – durch Fracking. Nachdem dieses umstrittene Energie-Gewinnungs-Verfahren in den letzten Jahren in Deutschland kaum noch eingesetzt wurde, soll es im Mai 2014 nun in Mecklenburg-Vorpommern erneut getestet werden. Grund genug, uns am Earth Day, der alljährlich am 22. April in 175 Ländern zum Schutz der Erde stattfindet, mit diesem brisanten Thema zu befassen. Wie bedenklich ist Fracking tatsächlich?

Warum in die Ferne schweifen: Erdgas gibt’s auch bei uns
Fakt ist: Fossile Brennstoffe wie Erdöl und -gas gehen allmählich zur Neige. Das wird uns durch die Krim-Krise gerade jetzt noch mal doppelt bewusst, denn Russland ist unser Haupt-Gaslieferant. Was liegt also näher, als sich auf seine eigenen Ressourcen zu besinnen? Die gibt es nämlich auch in der Bundesrepublik, auch wenn viele das gar nicht vermuten. Besonders in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen lagern größere Mengen an Erdgas – allerdings ist es nur schwer zugänglich, da es meist in Schiefer gebunden ist und sich zudem oft unter Wohngebieten befindet. Um es trotzdem fördern zu können, nutzt die Industrie eine Technologie, die Hydraulische Frakturierung oder kurz Fracking genannt wird. Dabei werden durch Bohrungen und mit Hilfe eines Wasser-Sand-Gemischs, das unter starkem Druck ins Erdreich geleitetet wird, künstliche Risse erzeugt, um das Gestein aufzusprengen und an das Gas zu gelangen. In den USA wird dieses Verfahren bereits seit Anfang der 2000er Jahre angewandt und hat dort dazu geführt, dass die Energiekosten stark gesunken sind. Klingt erst mal gut, doch Fracking birgt erhebliche Risiken.

Hoher Preis für billigen Brennstoff: Verunreinigtes Trinkwasser
Obwohl die Konzerne gern beteuern, dass die Druckflüssigkeit zu 98 Prozent aus Wasser und Sand besteht, verschweigen sie häufig, dass die restlichen zwei Prozent aus hoch giftigen, teilweise krebserregenden Chemikalien und Schmiermitteln zusammengesetzt sind, z. B. Dimethylformamid, Benzol und Formaldehyd. Das hört sich zwar zunächst nach relativ wenig an, aber wenn man bedenkt, dass pro Bohrung rund zehn Millionen Liter von diesem Mix ins Erdreich gepumpt werden und oft nur knapp ein Drittel davon wieder herausgeholt werden kann, summiert sich die Schadstoffbelastung schnell. Außerdem können kleinere Erdbeben ausgelöst werden. Aus Amerika ist überdies bekannt, dass in Regionen, in denen Fracking angewendet wurde, Methangas aus Wasserhähnen geströmt ist. Das hat, nahezu filmreif, sogar schon Mini-Explosionen im Bad verursacht, wenn gleichzeitig geraucht wurde. „Der Einsatz von Chemikalien beim Fracken ist meines Erachtens grundsätzlich zu verbieten, da diese sowohl den Boden als auch unser Grund- und Trinkwasser verunreinigen können“, sagt Arnold Schäfer, Betriebsleiter des Hamburger Klärwerks Köhlbrandhöft. „Überhaupt ist der Ansatz, kohlenstoffhaltige Gase aus dem Boden zu quetschen, um damit letztendlich bei deren Verbrennung zusätzlich das Klima zu schädigen, in meinen Augen der falsche Weg. Stattdessen sollten wir lieber umdenken und regenerative Energien wie Wind- und Solarstrom sowie Biogas stärker fördern, damit die CO2-Belastung endlich sinkt. Somit ist mein klares Votum: Finger weg vom Fracking.“ In Frankreich und Bulgarien ist diese Methode übrigens verboten. Wer sich das auch für Deutschland wünscht, kann hier eine Petition unterzeichnen.

Weitere interessante Artikel zum Thema sauberes Wasser: Kracher des Monats: Mikroplastik und Mikroplastik: Jetzt auch im Trinkwasser?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.