Ciao ciao, Cellulite! Teil 1: Wieso haben so viele Frauen Cellulite?

Beine sind ein Frauenthema. Leicht gebräunt, dellenfrei und samtig-weich sollen sie unter dem Rock hervorblitzen, und falls sich eine Raupe daran hinaufrobben will, soll sie gefälligst abrutschen. Soweit die regenbogenfarbene Phantasiewelt der Werbeindustrie. Die Realität sieht etwas anders aus.
MAGAZIN Ciao ciao, Cellulite! Teil 1 Bild: Renate Forster
Cellulite: Was ist das eigentlich?

Dellen sind doof – und ungerechterweise haben Männer überhaupt keine Cellulite. Jedenfalls nicht so kraterartig, wie Frauen das ausbilden können. Und das liegt nicht daran, dass Cellulite doof aussieht, sondern weil der liebe Gott weiter als bis zur Nasenspitze dachte, als er Eva schuf. Das Gewebe von Frauen ist auf eine Schwangerschaft ausgelegt und daher dehnbar konstruiert. Und mal ehrlich: Wenn wir nicht ständig drüber jammern würden, wüssten wenigstens die Männer dieser Welt gar nicht, wovon wir da eigentlich reden.

Männlicher Kugelbauch? Bier statt Baby!

Männer sind von der Natur begünstigt: Das männliche Bindegewebe gleicht einem Karomuster mit Längs- und Querstreben. Das hält selbst maximal vollgestopfte Fettzellen in Form und sorgt für den kugelig-drallen Schwangeren-Look ausgemachter Bierbäuche. Aber eben ohne Dellen. Höchstens ansatzweise kann sich das Gewebe an Körperstellen leicht wellen, die nicht auf Spannung sind. Gerne an der Brust, im Achselbereich oder an den Hüften. Männer gehen maximal mit Bier und Grillfleisch schwanger, haben aber dank körpereigenem Power-Mesh keine Probleme mit dem Look gefüllter, unkoordiniert ausgedehnter Fettzellen.

Das weibliche Bindegewebe hingegen ist nur mit parallel verlaufenden Querstrukturen ausgestattet; das stabilisierende, längs verlaufende Strukturelement fehlt, um einem Baby Entfaltungsspielraum zu geben. Aber auch volle Fettzellen können sich hier breit machen – und die haben eine flexible Außenhülle und dehnen sich dorthin aus, wo gerade am wenigsten Druck herrscht, also nach außen.

Entzündet ist dabei nur die Seele

Medizinisch korrekt müsste die Fettzellenverschwörung außerdem Cellulitis heißen. Was klingt wie der Name einer filigran-zartrosa Plastikfolie, ist in Wirklichkeit der medizinisch-ungeschickte Versuch, unsere Dellen an Beinen, Po und auch sonst jeder Anhäufung von Fettgewebe an egal welcher Stelle der Körperoberfläche mit einem Wort zu umschreiben. Dabei ist der Begriff genauso plump wie er falsch ist: Die Wortendung –tis beschreibt, medizinisch betrachtet, einen entzündlichen Vorgang, der bei Orangenhaut definitiv nicht vorliegt. An unseren Schenkeln ist genau gar nichts entzündet, wenn wir Dellen sichten. Außer vielleicht unsere Frauenseele: Die wird nicht nur durch den Anblick der geächteten Fettpolster, sondern auch durch die ständige Aufbereitung in sämtlichen frauenaffinen Medien derartig getriggert, dass sie möglicherweise emotional-entzündlichen Ausschlag bekommt.

Jenseits vom grünen Bereich?

Eigentlich besteht Cellulite lediglich aus vollgefressenen Fettzellen, die sich zu kuscheligen Rudeln zusammengerottet haben – und sich dank der nahezu parallel verlaufenden Bindegewebsfasern bei zu guter Füllung auch jenseits des Bindegewebes nach außen hin ausdehnen. Das sieht dann aus wie Dellen.

Im Grunde also nichts weiter als eine kosmetische Kiste? Nicht ganz. Volle Fettzellen sind häufig ein Indikator für einen zu hohen Körperfettanteil. Überschreitet dieser ein gewisses Maß, liegt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Bei Frauen gelten generell mehr als 30% Fettanteil als riskant, bei Männern ist es sogar noch deutlich weniger. Auch der Bauchumfang ist ein guter Indikator für ein „zuviel“ oder „gerade richtig“: 80 bis maximal 88 cm Umfang zeigen den grünen Bereich für Frauen an. Darüber wird es gesundheitlich bedenklich. Wer also bei bis zu 80 cm Bauchumfang ein paar Dellen an den Schenkeln entdeckt, darf sie natürlich kosmetisch in die Zange nehmen, kann das aber als reine Beauty-Optimierung betrachten. Wer darüber liegt, sollte der Gesundheit zuliebe seine Reserven neu bewerten und sich mit dem Thema eingehend auseinandersetzen. Die Beratung bei einem Arzt oder Ernährungsberater macht in diesem Fall Sinn.

Wie Cellulite weniger wird, erfahrt Ihr im zweiten Teil, den es schon bald bei uns zu lesen geben wird. 🙂

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