Fairer Handel 2.0

Das Thema fairer Handel ist komplex: Wer kennt schon die detaillierten Richtlinien hinter den zahlreichen Siegeln? Im Februar 2016 hat die World Fair Trade Organisation nun ein weiteres Label vorgestellt. Warum dieses, anstelle zusätzlich für Verwirrung zu sorgen, ein deutlicher Schritt in Richtung einheitlicher Standard ist, verrät unsere Gegenüberstellung.

Seit Februar 2016 ist es offiziell: Es gibt ein neues Fair Trade-Siegel mit dem vielversprechenden Namen “Guaranteed Fair Trade“. Aber was genau ist daran anders, als bei den bereits etablierten Fair Trade Siegeln? Dazu bedarf es einer genaueren Betrachtung:

Etabliert und doch umstritten: Das Label der FLO
Dieses Zeichen kennen die meisten: Die Fairtrade Labelling Organization International (FLO), vergibt das hierzulande wohl bekannteste Gütesiegel an einzelne Produkte. Unternehmen oder Organisationen als Ganzes können damit nicht zertifiziert werden. Kritiker sehen das FairtradeSiegel jedoch als bloßes Mittel, um fair gehandelte Produkte in den Supermärkten von konventionellen Produkten zu unterscheiden. Hier wird nicht mehr vorwiegend mit Kleinbauern zusammengearbeitet, wie das beim klassischen Fair Trade der Fall ist. Das wäre in den benötigten Mengen auch schlichtweg unmöglich. Denn wenn eine große Handelskette in ihren Supermärkten Fairtrade-Bananen anbieten will, muss der Konzern notgedrungen mit Plantagen zusammenarbeiten. Weltläden & Co. distanzieren sich deshalb recht deutlich vom Prüfzeichen der FLO.

Daneben gibt es zahlreiche nationale und internationale Organisationen und Initiativen. In Deutschland sind dabei vor allem die großen Importeure zu nennen:

GEPA: Offen für neue Wege
Die GEPA GmbH arbeitet nach strengen Regeln, hat ein eigenes Siegel und einen eigenen Online-Shop für GEPA-Fairtrade-Produkte. Darüber hinaus sind die Produkte in Weltläden, Bioläden und Supermärkten gut vertreten. Letzteres brachte der GEPA (wie bereits der FLO) immer wieder Kritik ein. Die Vertriebswege sind und bleiben Ermessenssache.

dwp: Unterschätzter Key-Player
Die dwp eG ist eine der ersten Fair-Trade-Organisationen überhaupt und gehört auch anteilsmäßig zu den bedeutendsten am deutschen Markt – auch wenn sich ihr Bekanntheitsgrad vorwiegend auf Insider-Kreise beschränkt. Man findet die Produkte vor allem in Weltläden. Ein eigenes Label gibt es nicht.

El Puente: Ein Pionier mit Prinzipien
Auch die El Puente GmbH ist ein wichtiger Importeur mit langer Tradition. Bei ihr liegt der Fokus klar auf den Kleinbauern-Kooperativen. El Puente betreibt einen eigenen Online-Shop, ist den Weg in die großen Handelsketten bisher aber ganz bewusst nicht gegangen. Man setzt stationär konsequent und ausschließlich auf die Zusammenarbeit mit Weltläden. Auch hier gibt es kein eigenes Siegel.

Alle unter einem Dach: Die WFTO
Auch wenn sie sich zum Teil in ihrer Ausrichtung unterscheiden, sind  GEPA, El Puente und dwp mit fast 400 (!) anderen wichtigen Fair-Trade-Organisationen weltweit in der World Fair Trade Organisation (WFTO) organisiert und vernetzt. Die WFTO beschäftigt sich bereits seit 1989 konkret mit der Fairness an den einzelnen Punkten der Liefer- und Handelskette und versucht, diese zu verbessern. Das neue WFTO Fair Trade-Siegel “Guaranteed Fair Trade“ beschreibt nun den gesamten Weg eines Produktes – von der Herstellung über den Transport bis hin zum Geschäft, in dem es letztlich gekauft wird. Es ermöglicht den verschiedenen Fair-Handels-Organisationen, ihre komplette Arbeit (und nicht nur einzelne Produkte) von außen überprüfen zu lassen, umfasst alle wichtigen Aspekte des Fairen Handels – auch den Umweltschutz – und bildet deutlich mehr Facetten ab, als das Fairtrade-Siegel der FLO. Das Prüfzeichen der WFTO garantiert, dass insgesamt zehn Kriterien überprüft und erfüllt wurden.

El Puente war übrigens eine der ersten Organisationen, die im Rahmen eines Pilotprojektes zertifiziert wurde. Damit hat der Importeur nun die Möglichkeit, alle Produkte mit dem WFTO-Siegel zu versehen. Vor allem Fair gehandeltes Kunsthandwerk, für das es bisher kaum Zertifizierungen gab, profitiert von dieser Entwicklung. El Puente nutzt das WFTO-Siegel bereits weitflächig. Langfristig soll das Label ein weltweit gültiger Hinweis darauf werden, dass eine Organisation, ein Weltladen oder ein Produkt zu 100 Prozent und in der kompletten Wertschöpfungskette dem Fairen Handel angehören.

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