Es war einmal: Kleine Kosmetik-Geschichte

Wer schön sein will, muss kreativ sein. Das galt zumindest, als Beauty-Helfer noch nicht im Profi-Labor gemixt und im Drogeriemarkt des Vertrauens gekauft wurden. Man bzw. frau war damals auf Inhaltsstoffe aus Haus und Natur angewiesen. Doch war das natürlich und vor allem gesund?
Kosmetik-Geschichte, Foto: PIXABAY

Um die Frage gleich zu beantworten: Die meisten Ingredienzen antiker Kosmetik können als natürlich bezeichnet werden – als gesund nicht immer. Schon damals nahmen viele Frauen für die Anpassung an die gängige Verschönerungs-Praxis Nebenwirkungen in Kauf.

Nicht nur Kleopatra

In der Frühzeit entdeckte man Pflanzensäfte zur Pflege und Naturfarben zur “Bemalung”. In der Hochkultur des alten Ägyptens war der Schönheitskult bereits hoch entwickelt. Fast jeder hat von Kleopatras Bädern in Eselsmilch gehört oder die Büsten von Pharaos und Gemahlinnen bewundert, deren Augen kräftig mit  schwarzem Eyeliner betont wurden. Doch nicht nur Herrscher gönnten sich Schönheitsrituale: Wer es sich leisten konnte, pflegte schon Jahrtausende vor Christus Gesicht und Körper mit dem Besten, was in Töpfen und Tiegeln zu haben war. Zu Festen nahm man sein “Beauty-Case” mit und Schminkprofis fürs perfekte Make-up gab es auch schon. Sauberkeit und gepflegtes Äußeres waren außerdem gottgefällig – das zeigen Beerdigungsriten und Vorschriften für Priester, die sich mehrmals am Tag waschen und den Körper komplett rasieren sollten.

Antikes Deo aus der Kosmetik-Geschichte

Und womit stylte man sich im alten Ägypten? Mineralien wie Bleierz oder Malachit wurden gemahlen, erhitzt oder auf andere Weise bearbeitet, um sie als Puder oder Lidschatten nutzen zu können. Mit Gänsefett rührte man diverse Pasten an – unter Zugabe von Ocker zum Beispiel für verführerisches Lippenrot. Ein Must-Have war Parfüm, gewonnen aus Ingredienzen wie Honig, Blüten, Wein oder Beeren. Auch “Deos” waren angesagt. Allerdings gab’s die nicht in Form von Pumpzerstäubern, sondern als gemahlene Johannisbrotbaum-Früchte, mit denen man sich die entsprechenden Körperregionen einrieb, oder als Duftmix aus Zitrus und Zimt. Gefunden wurden unter Grabbeigaben auch Reinigungsmilch aus Öl und Limone und sowie Haarfestiger aus Harz und Bienenwachs. Und zum Schwärzen ergrauter Haare verwendete man Mixturen aus Öl und Beigaben wie Ochsenblut, gemahlenem Gazellenhorn oder Wacholderbeeren.

Haarlos schön

Im antiken Griechenland und im alten Rom wurden Kosmetika nicht nur für den Privatgebrauch eingesetzt: Haarfärbemittel, Parfüm, Puder, Lidschatten & Co. waren auch wichtiges Handelsgut. Verwendet wurde unter anderem Safran als Lidschatten, Wein als Lippenfarbe, Fett aus der Schafswolle als Wachsbasis und kostbare Öle zur Pflege des Körpers.

Auf Entfernung der Körperhaare legte man ebenfalls Wert, wie ein Auszug aus dem Buch über die Liebeskunst des berühmten römischen Dichter Ovids beweist: “Lasst den Geruch des trotzigen Bockes nicht unter die Achselhöhlen kommen und die Beine nicht von borstigen Härchen rau sein.” Entfernt wurden die Haare an Beinen und unter den Achseln mit Pinzetten oder mit harzbestrichenen Leinenstreifen.  Ovid, der ein ganzes Gedicht über “Die Mittel der weiblichen Gesichtspflege” verfasste, hat auch ein Rezept für eine Gesichtsmaske überliefert. Die Zutaten: Gerste, Erve, Hirschhorn, Narzissenzwiebeln und Honig.

Wenn’s schön macht…

Das Ideal der High-Society-Dame von damals: edle Blässe. Um die zu erzielen, mied man zum einen die Sonne, half aber auch sonst kräftig nach. Ein viel verwendetes Bleich-Mittel: Mixturen, denen Bleiweiß zugemischt war. Ungesund? Ja! Doch das hatte schon die Ägypter nicht abgeschreckt, als sie sich Bleierz gemischt mit Fett und Ruß um die Augen malten. Weil gerade über die Augen Inhaltstoffe schnell in den Körper gelangen können, hat das vermutlich nicht selten zu Irritationen, aber auch zu Schlaflosigkeit und sogar zur Degeneration des Gehirns geführt. Die Bleiweiß-Creme, die in  Griechenland und Rom als eine Art Foundation so hip war, hatte nicht weniger extreme Folgen. Doch selbst die mögliche Aussicht auf Hautschäden oder Unfruchtbarkeit schreckte nicht ab.

Allerdings findet sich auch heute in konventioneller Kosmetik der eine oder andere Stoff, der in Sachen Gesundheit nicht unbedenklich ist. Und auch heute noch ignorieren viele die möglichen  Gefahren. Obwohl wir im Gegensatz zu den Menschen damals alle Möglichkeiten hätten, einfach und schnell fundierte Informationen einzuholen.

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