Das wäre doch gelackt!

Nagellack macht die Looks der Saison erst komplett und peppt in leuchtenden Farben jedes noch so schlichte Outfit auf. Leider sind konventionelle Lacke aber nicht nur trendy, sondern dank fieser Inhaltsstoffcocktails oft sogar gesundheitsschädlich. Wovon Sie lieber die Finger lassen sollten – und was ein echter Glücksgriff ist.

Rosenrot, ozeanblau, grasgrün: Klingt zwar nach blühenden Wiesen und funkelndem Meer, aber von der Natur inspiriert sind die meisten Nagellacke höchstens in Anbetracht ihrer Farbgebung. Anstatt sich weiter den Kopf über neue Nuancen zu zerbrechen, wären die meisten Kosmetikhersteller allerdings besser beraten, ihre Rezepturen zu überdenken. Denn was da in den bunten Mixturen steckt, ist oft alles andere als harmlos: die reinsten Chemie-Bomben!

Wer schön sein will, muss leiden?
Formaldehyd beispielsweise reizt die Haut und steht in Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Das Lösungsmittel Methylbenzol, besser bekannt als Toluol, und die weichmachenden Phthalate DHB und DBP können nicht nur Übelkeit und Kopfschmerzen hervorrufen, sondern sogar zuckerkrank und unfruchtbar machen und die Entwicklung ungeborener Babys stören. Während der Schwangerschaft und Stillzeit heißt es da erst recht: Hände weg! Hinzu kommt, dass Nagellack heftigen Ausschlag im Gesicht hervorrufen kann. Auf die Idee, dass es einen Zusammenhang mit den bunten „Fingerfarben“ geben könnte, kommen die meisten oft erst viel zu spät – obwohl unsere Gesichtshaut ja mehrmals täglich mit den Nägeln in Berührung kommt. Pickel als Preis für schöne Hände? Ein echtes No-Go! Und Gott sei Dank nicht nötig.

Grüne Wegbereiter
Trotz aller Risiken möchten die meisten Frauen nicht gänzlich auf Farbe auf den Fingernägeln verzichten. Zum Glück gibt es Alternativen, die zumindest ohne die oben genannten Gefahrenstoffe auskommen: sogenannte „Three free- oder Five-free Lacke“. Aber echter Bio-Nagellack? Zumindest in Farbe bislang Fehlanzeige. Lediglich einen Klarlack aus Bio-Alkohol, Schellack und Benzoeharz von Provida gibt es, der allerdings kaum glänzt und eine Viertelstunde zum Trocknen braucht. Und doch gehen einige Hersteller mit ihren Rezepturen durchaus in die richtige Richtung: Kure Bazaar, Priti NYC, Butter London, Benecos, Scotch Naturals und Sante wecken immer wieder das Medieninteresse mit ihren naturnahen Lacklösungen. Gibt es da Unterschiede? Was können sie? Und halten die Produkte auch, was die Marketingstory verspricht?

Die Kartoffellüge
Vor allem die französische Marke Kure Bazaar hat letzten Sommer in Bio-Kreisen für Furore gesorgt: Laut Angaben des Herstellers ermöglicht eine „technologische Innovation die kompromisslose Verringerung von Chemikalien“. 85 Prozent der Inhaltsstoffe sollen natürlichen Ursprungs sein, genannt werden Zellstoff, Getreide, Baumwolle, Kartoffeln und Mais. Als Bloggerin Julie auf ihrer beautyjagd die Lacke entdeckte und die INCI-Liste eingehend unter die Lupe nahm, stieß sie allerdings auf eine ganz normale, in Europa weit verbreitete Lackgrundlage. Kartoffeln und Co. sucht man dagegen in der Inhaltsstoffliste vergeblich und kann nur mit gutem Willen auf verwandte Umschreibungen treffen, die zumindest annähernd mit den Versprechen im Prospekt konform gehen. So bestehen Nagellacke nämlich fast immer aus großen Mengen Nitrozellulose, die im Volksmund auch „Schießbaumwolle“ genannt wird. Auch konventionelle!

Nur nicht zu dick auftragen
Und die anderen Hersteller? Priti NYC, Butter London und Sante verzichten auf die gleichen Gefahrenstoffe wie Kure Bazaar, betreiben mit ihren Werbeaussagen aber kein Greenwashing. Sante überzeugte 2012 sogar Stiftung Warentest und erzielte – weit vor den meisten konventionellen Lacken – einen bemerkenswerten zweiten Platz mit dem Testurteil „gut“. In punkto Deckkraft, Glanz, Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit bewies der Lack, dass seine Werbeversprechen alles andere als zu dick aufgetragen waren. Passend dazu: Der Sante Nagellackentferner. Ohne Aceton, dafür mit Bio-Alkohol und pflegendem Orangenöl. Besonders praktisch ist seine ungewöhnliche Dosierspenderflasche: Wattepad auflegen, drücken und ohne lästiges Schütten und Kleckern die Nägel schonend wieder von Farbe befreien. Eine interessante Alternative zu nitrozellulosebasiertem Lack bietet die Marke Scotch Naturals. Auch sie verzichtet auf Formaldehyd, Toluol und gefährliche Weichmacher und verwendet als umweltfreundliche Grundlage Wasser. Die Produkte bilden mit Hilfe chemischer Acrylpolymere eine Farbschicht auf den Nägeln, die sich durch den dazu passenden sojabasierten Nagellackentferner wieder ablösen lässt. Ganz klar: Daumen hoch!

Lack-Sternchen

Auch wenn es noch nicht zu 100 Prozent natürlich geht: Ein Stück gutes Gewissen im Fläschchen ist mit einigen Nagellacken durchaus möglich. Und das wünschen sich offenbar auch immer mehr Hollywoodstars: Eva Longoria und Jessica Alba zum Beispiel können ihre Hände nicht mehr von den sanften Lacken lassen und vertreiben sich so die Wartezeit auf echte Bio-Qualität für die Nägel. Farbe regiert!

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