Bio made in Austria

Nanu, schon wieder ein neues Kosmetiksiegel? Ja und nein – das Prüfzeichen der Österreichischen Biokontrollstelle ABG wird bereits seit 2010 vergeben und nutzt das dortige Lebensmittelbuch als Basis. Damit ist Österreich das erste EU-Land, das einen rechtlichen Rahmen für die Kennzeichnung von Biokosmetik bildet – und noch dazu einen der strengsten.

„Austria Bio Garantie – zertifizierte Bio-Kosmetik“- diese Aufschrift prangt gut lesbar auf den Produkten von mittlerweile etwa 40 Betrieben, die in Österreich produzieren. Sie kennzeichnen damit ihre Konformität zum österreichischen Lebensmittelbuch (ÖLMB), das bereits auf das Jahr 1891 zurückgeht. Geprüft wird das zum Beispiel von Österreichs führender Bio-Kontrollstelle ABG. Während in Deutschland und Europa privatrechtliche Standards wie die Richtlinien für kontrollierte Naturkosmetik des BDIH oder der NATRUE-Standard zum Tragen kommen, setzen unsere Nachbarn auf klare gesetzliche Vorgaben wie im Food-Bereich. Österreich reguliert somit Bio- und Naturkosmetikauslobungen durch einen einheitlichen nationalen Standard, dem alle österreichischen Hersteller verpflichtet sind, sobald ein Hinweis auf den genannten Codex erfolgt.

Das darf rein: Basis-Vorgaben für Natur- und Biokosmetik
Unterschieden wird Natur- und Biokosmetik. Beide dürfen ausschließlich aus Naturstoffen (Wasser, pflanzliche, mineralische und manche tierische Produkte) oder deren Gemischen bestehen. Gefordert wird außerdem die Freiheit von synthetischen Farbstoffen und Pigmenten, synthetischen Ölen, ethoxilierten Rohstoffen, Silikonen, Paraffinen und anderen Erdölprodukten, chemischen UV-Filtern und Nanopartikeln. Rohstoffe, die von Wirbeltieren stammen, sind nur dann zugelassen, wenn sie vom lebenden Tier stammen und geltende tierschutzrechtliche Bestimmungen eingehalten werden – Stutenmilch oder das Wachs der Schafwolle sind somit erlaubt.

Die Bearbeitung der einzelnen Rohstoffe darf nur physikalisch erfolgen, mit Ausnahme weniger chemischer Prozesse, die zur Herstellung von Emulgatoren, Tensiden oder Konservierungsstoffen zugelassen sind. Die Konservierungsstoffe sind in einer Positivliste geregelt. Demnach dürfen ausschließlich gängige naturidentische Stoffe Einsatz finden, wie sie auch von anderen Naturkosmetikstandards zugelassen werden: Ameisensäure, Benzoesäure, ihre Salze und Ethylester, Benzylalkohol, Propionsäure und ihre Salze, Salizylsäure und ihre Salze, Sorbinsäure und ihre Salze.

Ein Bio-Anteil ist für Naturkosmetik gemäß ÖLMB nicht vorgeschrieben. Damit ist Naturkosmetik laut österreichischem Recht in etwa wie Naturkosmetik gemäß NATRUE (Stufe 1) zu beurteilen – lediglich bei den chemischen Verarbeitungsschritten ist das ÖLMB strenger und erlaubt zudem keine Beduftung der Naturstoffe mit synthetischen Duftstoffen oder Parfums.

Gut zu wissen: Eine Überprüfung der Kriterien für Naturkosmetik erfolgt freiwillig und es gibt bisher kein weitreichend etabliertes Logo wie bei der Biokosmetik made in Austria. Es existieren verschiedene Logos wie beispielsweise das Zeichen „Naturkosmetik, zertifizierte Qualität“ der agroVet GmbH, die die Einhaltung der geltenden Bestimmungen bestätigen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Bio als Prüfungsfach

Zusätzlich zu den Basiskriterien aus Codexkapitel B33 „kosmetische Mittel“, Abschnitt 1 „Naturkosmetik“ muss Biokosmetik noch weitere Voraussetzungen erfüllen, die im Codexkapitel A8 „Landwirtschaftliche Produkte aus biologischem Anbau“, Abschnitt 6 „Biokosmetika“ geregelt sind – schließlich ist hier das Siegel der ABG oder anderer Kontrollstellen maßgeblich.

Jeder österreichische Biokosmetikhersteller muss sich erst von einer akkreditierten österreichischen Biokontrollstelle zertifizieren lassen, bevor er ausgelobte Bioprodukte in Österreich auf den Markt bringen darf. Die Rezepturen werden überprüft, und in Kontrollen werden auch die Rohstoffe und die Verarbeitung auf Bio-Konformität überprüft.

Hohe Ansprüche, strengste Vorgaben
Wie bei den Bio-Lebensmitteln müssen laut ÖLMB 100% Bioanteil der enthaltenen Rohstoffe aus landwirtschaftlicher Quelle angestrebt werden. Bei Nichtverfügbarkeit muss ein Mindestbioanteil von 95% der landwirtschaftlichen Rohstoffe garantiert werden. Naturstoffe, welche nicht aus landwirtschaftlichen Quellen stammen können (wie z.B. Wasser, Salze, Tonerden…) werden aus dieser der Berechnung ausgeschlossen.

Je nach Produktkategorie wird ein Mindestanteil für die enthaltenen Bio-Rohstoffe festgelegt – in diesem Punkt ist das ÖLMB genau so streng wie die EU-Bioverordnung für Bio-Lebensmittel! Der Mindestbioanteil schwankt dabei von 90% bei Ölen und wasserfreien Kosmetikprodukten bis 10% Mindestbioanteil bei Badesalzen, die ja zu einem Großteil aus reinem Salz bestehen, welches ja nicht bio-zertifiziert sein kann.

Erfüllt ein Produkt die Kriterien, erfolgt die Auslobung auf der Verpackung mittels Kontrollstellensiegel der Austria Bio Garantie. Die Kontrollstellennummer und der Verweis auf das Codexkapitel im ÖLMB vervollständigen die Angaben für den Verbraucher und garantieren größtmögliche Transparenz – in Sachen Biokosmetik ist uns Österreich also einige Schritte voraus.

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