BB-Creams: Alles nur Schönfärberei?

Sieben auf einen Streich. Klingt wie im Märchen. Glaubt man den Versprechungen der Kosmetikhersteller, sind BB-Creams wahre Multitalente. Sie liefern Pflege, Lichtschutz, Make-up und Concealer in einem. Nun soll es sie bald auch im Bio-Regal geben. Sinnvolle Erfindung oder eigentlich überflüssig?
Titelbild Magazin: BB-Creams: Alles nur Schönfärberei? Bild: pixabay

„So viele Wünsche auf einmal? Das geht nun wirklich nicht“, heißt es in einem bekannten Werbespot für Schokoeier – die dann überraschenderweise doch kein Bedürfnis offen lassen. Ähnlich ist es mit BB-Creams, die im Februar 2013 auf der Naturkosmetikmesse Vivaness für erstaunte Gesichter gesorgt haben. Während die praktischen Alleskönner von konventionellen Herstellern schon länger angeboten werden, suchte man sie im Bio-Segment bislang vergeblich. Nun bringen lavera und Alva die ersten Naturkosmetik-BB-Creams auf den Markt. Aber: Können sie die hohen Erwartungen auch tatsächlich erfüllen? Was sind das überhaupt für Wunderprodukte?

Hauptjob: Gepflegt in Deckung gehen

Ursprünglich stand die Abkürzung BB für Blemish Balm, also ein Produkt, das kleine Unebenheiten wie Narben, Pigmentflecken, Pickel oder Rötungen abdecken soll. Inzwischen hat sich aber die positiver klingende Variante Beauty Balm durchgesetzt, die auch lavera für seine neue Creme verwendet. Dahinter verbirgt sich ein Produkt, das Feuchtigkeitspflege, Sonnenschutz, Porenverfeinerer, Foundation und Concealer in sich vereinen soll. Erfunden wurde es bereits in den 1960er Jahren von der deutschen Hautärztin Christine Schrammek. Sie wollte ihren Patientinnen damit helfen, ihre Haut nach Laserbehandlungen optimal vor Licht zu schützen und trotz des Eingriffs gut auszusehen. Zum echten Verkaufsschlager wurden BB Creams aber erst in Japan und China, wo ein möglichst heller, makelloser Teint seit jeher heiß begehrt ist. Deshalb werden ihnen in asiatischen Ländern oft noch zusätzlich Bleichmittel zugefügt.

Multitasking? Das klappt nicht immer

Nur eine Tube statt tausend verschiedene Tiegel und Töpfe – das hört sich zunächst mal sehr verlockend an. Damit lässt sich bestimmt viel Zeit, Geld und Platz sparen. Doch gerade die Tatsache, dass eine BB-Cream alles können soll, kann auch leicht mal zum Bumerang werden. Oft fehlt es den All-in-one-Produkten nämlich an Individualität. Da es die Bio-BB-Creams nur in einer einzigen Nuance gibt und sie ja perfekt abdecken sollen, ist die Farbe meist recht intensiv. Genau den richtigen Ton zu treffen ist daher schwierig. Hinzu kommt, dass der hohe Gehalt an Titandioxid, der für den Sonnenschutz nötig ist, manchmal für eine krümelige Konsistenz sorgen kann. Alva scheint die Markteinführung seiner BB-Cream deshalb gerade auf April verschoben zu haben, um die Rezeptur noch mal zu überarbeiten.

Wann mehrere Spezialprodukte besser sind

Auch aus Hautpflegesicht betrachtet ist es oft sinnvoller, mehrere Einzelprodukte miteinander zu kombinieren als auf eine Multitasking-Creme zu setzen. Die neuen Bio-BB-Creams enthalten zwar auch pflegende Substanzen wie Acaibeeren-Extrakt, sind aber nicht auf bestimmte Hauttypen zugeschnitten – bestenfalls auf sensiblen Teint. Wer Falten glätten, Fettglanz verhindern oder Pickel killen möchte, braucht aber eine gezielt auf dieses Problem abgestimmte Grundlage und maßgeschneiderte Wirkstoffe. Deshalb ist es manchmal effektiver, eine darauf spezialisierte Tagescreme zu benutzen und kleine Hautfehler mit einem Concealer oder einer Foundation abzudecken. Die haben obendrein den Vorteil, dass sie fast immer in mehreren Nuancen erhältlich sind. Besonders tricky ist das Tönungsfluid von Dr.Hauschka. Das könnt Ihr tröpfchenweise in Eure Lieblingsgesichtspflege mischen und Euch so quasi Eure eigene BB-Cream basteln. Außerdem gibt es inzwischen auch getönte Tagescremes für unterschiedliche Hauttypen. Die sind transparenter und verschmelzen dadurch gut mit Eurem natürlichen Hautton.

Erhellende Fakten: Täglicher Lichtschutz kann schaden

Ein weiteres Manko der BB-Creams, das auf den ersten Blick wie ein Pluspunkt aussehen mag, ist der integrierte Lichtschutz. Da es sich um zertifizierte Naturkosmetik handelt, ist der Filter darin zwar nicht chemisch, sondern aus Titandioxid, so dass wenigstens keine Allergien entstehen können. Hautärzte sehen die tägliche Abschirmung der Haut gegen Sonne heutzutage aber zunehmend skeptisch, da sich ein Vitamin-D-Mangel entwickeln kann. Wer in der kalten Jahreszeit überwiegend im Büro oder im Wohnzimmer sitzt, sollte auf einen UV-Schutz verzichten, wenn er nur kurz etwas besorgen geht. Beim Wintersport in den Bergen und im Sommer könnt Ihr zu einer extra Sonnencreme greifen.

Fazit

Für alle, die eine junge, unkomplizierte Haut haben oder übers Wochenende mit kleinem Gepäck wegfahren wollen, sind die neuen Bio-BB-Creams eine praktische Sache. Wenn Ihr dagegen Hautprobleme gezielt angehen und einen maßgeschneiderten Farbton für Euren Teint haben möchtet, seid Ihr mit mehreren Einzelprodukten unter Umständen besser bedient.

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