Grünes Schneevergnügen

Es tut sich was im Winterwunderland: Immer mehr Wintersportorte reagieren mit innovativen Angeboten auf den globalen Nachhaltigkeitstrend. Doch ökorrekter Spaß auf der Piste ist nach wie vor nicht selbstverständlich und erfordert zudem auch unsere Initiative. Unsere Tipps für umweltbewusste Schnee-Fans zusammengestellt:

Wo soll’s hingehen
Mit dem Helikopter auf unberührte Gipfel oder mal eben in schneesichere russische Skiorte jetten – dass diese Art von Wintersportvergnügen einen unübersehbaren CO2-Fußabdruck hinterlässt, liegt auf der Hand. Doch auch im eigenen Land oder bei unseren direkten Nachbarn gibt es Unterschiede in punkto Nachhaltigkeit und grünes Gewissen. Um ein attraktives Ziel zu finden, empfiehlt sich die Recherche im Netz. Fündig wird man u.a. bei alpine-pearls, einer Kooperation, die umweltbewussten Urlaub in den schönsten Alpenregionen von Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich, Slowenien und der Schweiz anbietet. Wer "ausgezeichnet" wintersporteln will, kann sich skiaudit bei die Preisträger in Sachen Umweltverträglichkeit herauspicken. Bisher wurden von der Stiftung beispielsweise die Skigebiete Kitzsteinhorn in Österreich und das Schnalstal in Italien prämiert.

Die passende Unterkunft
Wer ohnehin gerne "bio" lebt und damit umweltfreundliches und nachhaltiges (Land-)Wirtschaften unterstützt, kann das natürlich auch im Urlaub tun. Eine große und tolle Auswahl bietet biohotels.info.

Ohne Kanone
In Zeiten fortschreitenden Klimawandels gibt es keine Garantie mehr für tief verschneites Winterwunderland. Laut einer Studie des UN-Umweltprogramms "United Nations Environment Programm" gelten nur noch Skiregionen über 1800 Metern Höhe als schneesicher. Tiefer gelegene Gebiete suchen ihr Heil in der Schneekanone. Doch die ökonomischen wie ökologischen Kosten sind immens: Die über 3000 Schneekanonen in Europa verbrauchen pro Jahr und Hektar etwa eine Million Liter Wasser und 260.000 Megawattstunden Strom – das ist so viel Energie wie eine Stadt mit 150.000 Einwohnern und so viel Wasser wie eine Stadt in der Größe Hamburgs jährlich benötigt.

Zudem können die meist nachts betriebenen Schneekanonen die Lautstärke einer Kreissäge erreichen und damit die Bergtierwelt schädigen. Meiden Sie deshalb künstlich beschneite Pisten falls möglich und fahren Sie nur bei ausreichender Schneedecke, um keine bleibenden Schäden zu hinterlassen. Schließlich kann man sich in den Wintersportorten bei Schneemangel auch ganz problemlos anderweitig vergnügen – beim Wandern, in der Therme, bei einer Kutschfahrt…

Apropos Lärm
Eigentlich logisch, dass Abfahrten, die großzügig und natürlich auch noch nachts mit Musik und Durchsagen beschallt werden, den Bergtieren nichts Gutes tun. Dasselbe gilt für flächendeckendes Flutlicht. Wer zeitig aufsteht und das Tageslicht aktiv genießt, hat abends ohnehin Besseres zu tun, als künstlich erhellte Pisten unsicher zu machen. Da entspannt man doch lieber gemütlich mit Freunden auf der Hütte oder im Restaurant bei köstlichem Fondue und leckerem Wein.

Entspannte Anreise
Ja, natürlich ist es bequem, im eigenen Fahrzeug mit Sack und Pack von Tür zu Tür zu reisen – umweltfreundlich ist es nicht. Zumal es für den Weg zu den Wintersportorten selbstverständlich öffentliche Alternativen gibt. Bahn und Bus transportieren fast genauso fix, und wer nicht aufs Auto verzichten will, kann via Fahrgemeinschaft für eine nachhaltigere Anreise sorgen. Ein Abholservice zu Hotel oder Hütte lässt sich in den meisten Fällen ebenfalls vereinbaren. Einige Skigebiete locken inzwischen mit Vorteilen für alle, die zumindest vor Ort aufs Selberfahren verzichten: Wer zum Beispiel im österreichischen Werfenwang bei Ankunft seinen Autoschlüssel an der Rezeption abgibt, erhält einen Vorteilspass, mit dem er kostenlos Skibus und Pferdekutsche nutzen kann. Und wer komplett abgasfreie Luft schnuppern will, der wird bei der Vereinigung autofreier Schweizer Tourismusorte fündig, zu denen auch Zermatt und Saas-Fee gehören: www.auto-frei.ch.

Gut gerüstet
Die Skiausrüstung im Zug mit sich schleppen? Muss nicht sein: In den meisten Skigebieten kann man sich topaktuelle Ausrüstung leihen. Vor allem für Gelegenheitsskifahrer ist das eine kostengünstige Alternative – und dazu erfreulich ressourcensparend. Für Vielfahrer lohnt sich die Anschaffung von hochwertigem Equipment, bei dem man aber Anbieter bevorzugen sollte, die auf nachhaltige Produktion setzen, wie zum Beispiel Atomic oder Venture. Wenn Sie dann noch Ski oder Board mit umweltfreundlichem Wachs ohne Erdöl präparieren, sind Sie garantiert auf dem richtigen Weg zum ökorrekten Wintersport.

Fair verpackt
Auch in Sachen Ski-Bekleidung kann man etwas für die Natur tun, indem man beispielsweise  auf Jacken und Hosen aus recyceltem Material setzt. Spezielle Wintersport-Fashion für Umweltfreunde bieten u.a. Labels wie Vaude oder Zimtstern an.

Ab nach oben
Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten leider ganze Bergwälder dem Bau neuer Pisten, Liftanlagen und Wellnesshotels zum Opfer gefallen sind, scheint in den Skiregionen mittlerweile ein Umdenken in Sachen Umweltschutz einzusetzen. Schlepplifttrassen, die den Boden nachhaltig schädigen, werden vielerorts durch bodenunabhängige Sessellifte ersetzt, denen umweltbewusste Wintersportler also auch den Vorzug geben sollten. Vorbildlich: das kleine Schweizer Dorf Tenna, das weltweit den ersten Solar-Skilift der Welt in Betrieb hat.

Sportliche Alternativen
Tourenski gehen ist in den vergangenen Jahren für naturverbundene Skifans eine faszinierende Alternative geworden, die abseits der Pisten stattfindet. Tobias Luthe, Umweltreferenten des Deutschen Skiverbandes, findet diese Entwicklung aber nicht ganz unproblematisch: "Leider ist das Ökosystem Berg so empfindlich, dass selbst kleinste Störungen der Tier- und Pflanzenwelt große Belastungen bedeuten können. Man sollte sich für Tourenski Aktivitäten also genaue Bergkarten besorgen und sich unbedingt an die Gebietsmarkierungen halten." Die Initiative "Respektiere deine Grenzen" fasst die grundlegenden Verhaltensregeln für Tourengeher in vier Punkten zusammen: Wildruhezonen und Wildschutzgebiete beachten, im Wald auf markierten Routen und Wegen bleiben, Waldränder und schneefreie Flächen meiden und Hunde an der Leine führen. Die gleichen Regeln gelten übrigens auch für Schneeschuhwanderer.

Saubere Sache
Für die meisten – aber leider immer noch nicht für alle – eine Selbstverständlichkeit: Wer Natur pur genießen will, sollte sie hinterher auch wieder "pur" hinterlassen. Also bitte Abfälle nicht unterwegs liegenlassen, sondern einpacken, wieder mit ins Tal nehmen und dort entsorgen.

Weitere tolle Tipps, Kurse und interessante News für "grüne" Wintersportler gibt’s bei "Ride Greener".  

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