Free from – die neue Freiheit?

Verzicht ist etwas Wunderbares. Vor allem, wenn es darum geht, umstrittene Inhaltsstoffe zu vermeiden. Beauty-Produkte mit dem Prädikat „free from…“ erfreuen sich deshalb großer Beliebtheit. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzusehen. Denn was letztlich noch in den Rezepturen enthalten ist, steht nur im Kleingedruckten.
Magazin: "Free from..." - Die neue Freiheit? Bild: naturalbeauty.de

Bemerkenswert, wie minimalistisch sich viele Kosmetikprodukte präsentieren: Shampoos ohne Silikone, Cremes ohne PEGs  und Parabene. Da kann doch nur Gutes drin stecken. Oder?

Nur für Insider

Deutliche Aufschriften, clever designte Labels und trügerische Versprechen: Auch wenn die lange Liste von Verzichtserklärungen auf den ersten Blick positiv erscheint, trübt sie unseren Blick für das Wesentliche. Genau wie beim Green Washing wird hier gewaltig getrickst. Denn was uns wirklich interessiert, ist doch, was wirklich DRIN steckt in der Formulierung unserer Wahl – und nicht nur, was DRAUSSEN bleibt.

Mittlerweile hat sich herum gesprochen, dass bestimmte Zutaten Haut und Haar belasten können und zum Teil großes Risikopotential mitbringen. Die „üblichen Verdächtigen“ sind in aller Munde. Da kommt es uns gerade recht, dass die Hersteller in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, wenn ihre Beauty-Schätze diese Zutaten gar nicht einsetzen. Wir greifen also gerne zu, wenn das Etikett uns vertrauensvoll versichert, dass es sich um ein „free from…“-Produkt handelt. Aber wer sagt, dass ein Tiegelchen, dessen Inhalt keine PEGs enthält, nicht trotzdem voll ist mit Mineralöl, Parabenen oder sonstigem?

Verzicht für zweifelhafte Alternativen

Ein Klassiker sind Shampoos, die als silikonfrei beworben werden. Bei konventioneller Pflege wird nicht selten Polyquaternium als Alternative verwendet. Auch dieser Rohstoff bildet einen Film, der sich schützend über das Haar legt. Das sorgt wie Silikon für bessere Kämmbarkeit. Leider bewirkt Polyquaternium aber dank seiner Magnet-Wirkung auch einen deutlichen Build-up-Effekt und ist nicht selten mit Acrylamid belastet. Das scheint wie der Verzicht auf Pest mit der Alternative Cholera. Also, Finger weg!

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Man kommt demnach nicht drum herum, weiterhin einen detaillierten Blick in die INCI-Liste zu werfen oder sich auf etablierte Qualitätszeichen für Naturkosmetik zu verlassen.

Aber: Sinn machen die Verzichtserklärungen dennoch in einigen Fällen…

8-Free

Bei Nagellacken zum Beispiel gibt es nur wenige, die ein Naturkosmetiksiegel tragen. Die Alternative sind Rezepturen, die auf möglichst viele schädliche Zusätze verzichten: 8-Free-Formulierungen, wie zum Beispiel die HAPPY NAILS Nagellacke von benecos, sind frei von Formaldehyd, Toluol, Kolophonium, Campher, Phthalaten, Parabenen, Silikonen und halogenorganischen Verbindungen.

Ohne Alkohol

Bei empfindlicher Haut macht der Verzicht auf Alkohol unter Umständen Sinn: Speziell Tonics, Gesichtswässer und After Shaves enthalten meist deutlich höhere Anteile als Pflegecremes. Bei sehr trockenem, sensiblem Teint würde damit auf Dauer zu viel Talg entfernt werden. In diesem Fall: Finger weg von Hochprozentigem.

Frei von Salicylaten

Dahinter verbergen sich die Salze der Salicylsäure. Sie kommen in ätherischen Ölen und in verschiedensten Pflanzenteilen vor. Bei Unverträglichkeit können Salycilate Stoffwechselprozesse in den Zellen aus dem Gleichgewicht bringen und auch eine Reihe von entzündlichen Beschwerden auslösen. Frei von Salicylaten sind zum Beispiel die Produkte von mysalifree, die wir Euch schon im Blog vorgestellt haben.

Glutenfrei und lactosefrei

Ob aus Überzeugung oder wegen Allergien und Unverträglichkeiten: Gründe für den Verzicht auf Gluten und Laktose gibt es viele. Aber in Kosmetik? Nur in seltenen Fällen gelangen Inhaltsstoffe über Beauty-Produkte ins Verdauungssystem und können so auch keine Beschwerden verursachen – außer, sie gelangen über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Bei Erwachsenen können insbesondere Gesichtscremes, Gesichts-Reinigungsprodukte und vor allem Lippenpflege ein Risiko darstellen. Eltern mit erkrankten Kindern hingegen, sollten auch bei Badezusätzen und Co. vorsichtig sein. Hier wird einfach viel schneller mal ein Produkt in den Mund genommen. Eine Kennzeichnung macht also Sinn.

Vegan

Ganz egal, ob bei Lebensmitteln, in der Mode oder in Sachen Beauty: Vegan ist Trend! Kein Wunder also, dass man immer mehr Produkte findet, die völlig auf tierische und von Tieren produzierte Zutaten verzichten. Die deutliche Aufschrift VEGAN als Kennzeichnung empfinden Verbraucher dabei oft als wichtiges Merkmal der Glaubwürdigkeit. Man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass vegan nicht automatisch auch natürlich bedeutet! Es gibt leider viele vegane Produkte, bei denen es sich um konventionelle Kosmetik handelt, die nicht nur zu 100% auf tierische Rohstoffe, sondern auch zu 100% auf Natur verzichten.

Ohne synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, Rohstoffe auf Mineralölbasis, Silikone und Parabene

Oftmals steht diese kurze Zusammenfassung der Kriterien echter Naturkosmetik auf den Verpackungen zertifizierter Produkte. Auch wenn die anerkannten Qualitätssiegel von NATRUE, BDIH und COSMOS exakt diese Attribute beinhalten und darüber hinaus sogar noch mehr strenge Vorgaben machen, wünschen Verbraucher sich Informationen manchmal einfach schwarz auf weiß. Dieses „Clean Labelling“ gehört für viele Hersteller einfach dazu und soll bestmögliche Transparenz auf den ersten Blick ermöglichen.

2 Gedanken zu „Free from – die neue Freiheit?“

    1. Liebe Sonja,
      das Verbot von irreführenden „frei von“-Claims ist auf jeden Fall Bestandteil einer großer Diskussion. Dabei gibt es auch Bemühungen – zum Beispiel von NATRUE – eine strenge Regelung für solche Auslobungen in der Gesetzgebung zu implementieren. Bisher ist das jedoch noch nicht umgesetzt worden. Mehr Informationen dazu findest du in diesem Artikel.
      Liebe Grüße, Dein naturalbeauty.de-Team

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