Räucherwerk, Duftkerzen und
Raumsprays: Es liegt was in der Luft

Wer aus seinem Zuhause gerne einen kuscheligen Rückzugsort macht, verwendet sie gerne: Raumdüfte. In der Adventszeit besonders beliebt, sind Räucherstäbchen, -kerzen und -kegel, sowie Duftkerzen. Aber auch Raumsprays mit heimeligen Aromen sind hoch im Kurs. Leider stehen die Duftspender mit synthetischen Zutaten, gesundheitsschädlichem Formaldehyd und Feinstaub in Verbindung.
FAKTEN Räucherwerk, Duftkerzen und Raumsprays: Es liegt was in der Luft Bild: pixabay

Duftstoffe, wie sie in Duftkerzen, Raumdüften oder Lampenölen verwendet werden, können bei Menschen, die empfindlich auf Chemikalien reagieren, schon in geringen Mengen Kopfschmerzen, tränende Augen oder Übelkeit auslösen. Besonders umstritten: synthetische Duftstoffe. Viele davon sind kaum bis gar nicht untersucht, und damit lässt sich über ihre Auswirkungen auf den menschlichen Organismus recht wenig sagen.

Fakt ist: Durch die Atmung können Duftstoffe in unseren Körper gelangen, wo sie sich über die Blutbahn verteilen. Und sie werden nur sehr langsam abgebaut. Darüber hinaus reagieren einige Substanzen mit der Raumluft und schaffen weitere Risikoquellen. Wenn zusätzlich noch eine Verbrennung stattfindet, kommen Belastungen durch Feinstaub hinzu.

Verheerende Verwandlung: Limonene und Formaldehyd

Bei der Herstellung von Düften aller Art werden häufig Limonene eingesetzt – Aromen, die auch Kerzen einen Duft nach Zitrusfrüchten verleihen. Sie kommen gleichermaßen in natürlicher und synthetischer Form zum Einsatz. Ein britischer Forscher fand heraus, dass Limonene sich in Formaldehyd verwandeln können, wenn sie mit der Raumluft in Kontakt kommen: Wie der Chemiker Alastair Lewis von der University of York der BBC berichtet, spielt der Kontakt mit Ozon dabei die wichtigste Rolle. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat mittlerweile bestätigt, dass es Belege für diese Reaktion gibt. Formaldehyd kann Allergien und Gedächtnisstörungen hervorrufen und steht sogar in Verdacht, Krebs zu erzeugen. Regelmäßiges Lüften und Pflanzen wie Efeu oder Lavendel sollen die Konzentration der schädlichen Substanz übrigens herabsetzen.

Kerze ist nicht gleich Kerze

Ist eine Flamme im Spiel, kommen weitere Aspekte zum Tragen: Klassische Paraffinkerzen, mit und ohne Duft, produzieren beim Abbrennen eine Reihe bedenklicher Stoffe, darunter Kohlenwasserstoffe wie Benzol und Toluol. In der Theorie verbrennt Paraffin zu Wasser und Kohlendioxid – eine Kerzenflamme erreicht jedoch nicht die dazu notwendigen Temperaturen, bedenkliche Substanzen sind da keine Seltenheit. Bei Paraffinkerzen mit erhöhtem Schwefelgehalt kann zum Beispiel Schwefeldioxid freigesetzt werden, was zu allergieähnlichen Reaktionen führen kann. Hinzu kommen weitere bedenkliche oder sogar krebserregende Stoffe, die erst über Farben, Lacke und Duftstoffe in die Kerzen kommen – in Form von Schwermetallen, halogenorganischen Verbindungen und Moschus

Eine leider nur vermeintlich saubere Alternative sind Kerzen aus Stearin. Es wird zwar aus nachwachsenden Roh­stoffen gewonnen – doch leider gehört meist Palmöl dazu… Empfehlenswert sind hingegen Kerzen auf Bienenwachs- oder Sojabasis, Raps, Sonnenblume oder nachwachsender Biomasse – gern mit Bio-Zertifikat. Das Gütezeichen RAL ist zusätzlich ein Indikator dafür, dass es sich um geprüfte Kerzen handelt, die die Gesundheit nicht gefährden.

FAKTEN Räucherwerk, Duftkerzen und Raumsprays: Es liegt was in der Luft Bild: pixabay
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Feiner Duft versus Feinstaub

Das Wachs ist die eine Sache. Aber auch die Kombination mit dem richtigen Docht spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Sind die beiden gut aufeinander abgestimmt, steigt nur wenig dunkler Rauch über der Flamme auf. Wenn Kerzen hingegen sichtbar rußen, ist Vorsicht geboten – dann steigt die Feinstaubbelastung.

Und bei Räucherwerk? Beim Verbrennen wird ähnlich wie bei der Zigarette ein Grundstoff mit Zusatzstoffen abgefackelt. Meist ist das eine Mischung aus Sägemehl und Harz plus diverse Ölmischungen. Billige Räucherstäbchen werden leider oft unter Verwendung von gesundheitsschädlichen, synthetischen Grundstoffen wie Moschus-Ambrette hergestellt. Lieber etwas tiefer in die Tasche greifen und feine Stäbchen aus edleren Duftstoffen und Hölzern wählen. Stammt zudem alles aus biologischem Anbau, ist das gesundheitliche Risiko stark reduziert. Asthmatiker und Lungenkranke sollten dennoch eher darauf verzichten, denn kleinste Feinstaubpartikel entstehen immer!

Risiko Feinstaub

Unter diese Bezeichnung fallen durch Verbrennung erzeugte, kleinste Ruß-, Rauch- und Staubpartikel von einer Größe kleiner als zehn Mikrometer – winziger noch als ein Hundertstel Millimeter. Atmet der Mensch diese Feinstaub-Partikel ein, kann so die Lunge geschädigt werden. Je kleiner die Partikel, desto schlechter für die Gesundheit: Größere Partikel werden von Lungenhärchen und Schleim abgefangen und abtransportiert; kleinste Teilchen dagegen überspringen diese Schranke und gelangen dorthin, wo sie am meisten Schaden anrichten können: in die Bronchien.

Saubere Sache?

Bei all den Fakten stellt sich die berechtigte Frage: Kann man Duftkerzen, Räucherstäbchen und Raumsprays überhaupt bedenkenlos verwenden – oder sollte man aus gesundheitlichen Gründen lieber gänzlich darauf verzichten?

Experten sind sich einig, dass eine gelegentliche Anwendung von Duftspendern kaum ins Gewicht fällt. Auf zweifelhafte Inhaltsstoffe sollte man gezielt verzichten. Für Kerzen gilt: Vor allem bei zu großer Flamme, wenn der Docht zu stark geneigt ist, können sie rußen. Kerzendochte daher unbedingt regelmäßig trimmen. Außerdem ist starker Luftzug zu vermeiden: Wenn Kerzen flackern, können entstehende Gase nicht gleichmäßig verbrennen. Daher eignet sich nicht jeder Platz – auf der Fensterbank über der Heizung ist denkbar schlecht. Darüber hinaus sollte man Kerzen und Räucherwerk nicht längere Zeit am Stück brennen lassen oder den Einsatz von Sprays übertreiben. Und nicht vergessen: Regelmäßiges Lüften sorgt in jedem Fall für eine gute Luft.

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