Was eine Kosmetikverpackung
alles verrät

Verpackungen spielen bei unserer Kaufentscheidung eine besondere Rolle. Sie müssen daher mehr können, als ihren Inhalt zu schützen und gut auszusehen. Wie Schachteln, Tuben und Tiegeln all ihre Geheimnisse entlockt werden können, lest Ihr in unserem Special.
FAKTEN Was eine Kosmetikverpackung verrät Bild: naturalbeauty.de

Auffällige Gestaltungen, ungewöhnliche Oberflächen und Formen heben ein Produkt von der Masse ab. Außerdem schützen die schönen Hüllen Produkte vor Licht oder Bruch. In erster Linie aber dienen sie der Orientierung im Geschäft – schließlich erkennt man Marken, Serien und Produkte zuerst an ihren Packungen. Und was noch viel wichtiger ist: Man erfährt bei genauem Hinsehen jede Menge Details über ihren Inhalt – zum Beispiel über Zutaten, Haltbarkeit und die Frage, ob es sich dabei um Bio-Beauty handelt.

Die INCI-Liste

Kosmetische Produkte müssen grundsätzlich mit einem Verzeichnis ihrer Bestandteile gekennzeichnet sein. In der INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) sind alle Inhaltsstoffe nach festgelegten Richtlinien in einer Fachsprache aus Englisch und Latein aufgelistet. Was genau und in welcher Menge in einer Creme steckt, ergibt sich aus der Reihenfolge: Die zuerst genannte Zutat macht mengenmäßig den größten Teil des Produkts aus, die zuletzt aufgeführte den kleinsten. Bei einem Gehalt von unter einem Prozent dürfen die Bestandteile in ungeordneter Reihenfolge stehen. Die Basisstoffe bilden die Grundlage jeder Creme und stehen daher im oberen Drittel der Zutatenliste, die Wirkstoffe im Mittelteil. Hilfsstoffe tauchen schließlich ganz unten in der INCI-Liste auf – Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Und was ist mit Farbe und Duft? Farbstoffe sind erkennbar an dem Kürzel „CI“ mit fünf Ziffern (z. B. „CI 40800“). Nicht ganz ideal: Für uns als Verbraucher ist an dieser angegebenen Abkürzungen nicht zu erkennen, ob es sich zum Beispiel um pflanzliche, mineralische oder um schädliche, synthetische Azofarben handelt. Dasselbe Problem gibt es bei Düften, die – ob natürlich oder synthetisch –  einheitlich unter dem Sammelbegriff „Perfume“ deklariert werden – mit Ausnahme von 26 Duftstoffen, die häufig Allergien hervorrufen. Diese müssen separat gekennzeichnet werden.

Alle Begriffe zu entschlüsseln, ist eine Wissenschaft für sich und erfordert etwas Übung. Wer jedoch gezielt einen ganz bestimmten INCI-Namen sucht, findet zum Beispiel hier einen umfangreichen, deutschsprachigen Überblick.

Der geöffnete Tiegel

Was die Verpackung sonst noch verrät? Zum Beispiel die Haltbarkeit eines Produktes. Dabei wird unterschieden, ob ein kosmetisches Mittel länger als 30 Monate frisch bleibt oder nicht. Unter 30 Monaten muss der Wortlaut „Mindestens haltbar bis“ oder das Symbol einer Sanduhr mit dem Verfallsdatum aufgedruckt sein. Sind Produkte länger verwendbar, werden sie mit dem Symbol eines aufgeklappten Cremetiegels gekennzeichnet, das die Haltbarkeit nach dem ersten Öffnen angibt: 6M sagt beispielsweise aus, dass ein Produkt nach dem Anbrechen 6 Monate lang verwendet werden kann. Und wenn Produkte länger als 30 Monate verwendbar sind, aber aufgrund ihrer Verpackung niemals geöffnet oder beim ersten Mal aufgebraucht werden, wie etwa Spraydosen oder Sachets? Dann muss keines der Symbole oder Daten aufgedruckt sein.

Symbole, Codes und Nummern

Neben Inhaltsstoffen, Angaben zur Haltbarkeit und Markenlogo sind auf Verpackungen auch die Produktbezeichnung, eine kurze Beschreibung und Anwendungshinweise zu finden. Zudem wird dem Käufer verraten, wer das Produkt hergestellt hat, welche Chargennummer die Abfüllung trägt und welche Füllmenge in der Verpackung steckt. Für die einfache Abwicklung im Handel tragen Kosmetikprodukte EAN-Codes, um sie an der Kasse scannen zu können. Wer genau hinschaut, findet auf vielen Flaschen und Faltschachteln außerdem Umweltsiegel wie den Grünen Punkt oder das FSC-Prüfzeichen, das Kartons und Papier aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft garantiert.

Auf echter Naturkosmetik dürfen natürlich auch die Siegel von COSMOS (darunter BDIH, Ecocert), NATRUE und Co. nicht fehlen…

Faltschachtel und Beipackzettel

Bei all diesen Informationen stellt sich häufiger die Frage: Wie passt das alles eigentlich auf die Verpackung? Manchmal stoßen die Hersteller dabei an die Grenzen des Machbaren – denn eine Lippenstifthülle bietet bei weitem nicht die Fläche wie eine Tube Duschgel. Auf dem Produkt selbst kann dann stattdessen ein anderes Symbol auftauchen: Die Hand im offenen Buch. Es sagt aus, dass auf der Packung nicht genügend Platz vorhanden ist und auf dem Beipackzettel oder der Faltschachtel weitere Hinweise aufgeführt sind, die vor der Anwendung des Produktes unbedingt gelesen werden sollten.

Mit diesem Hintergrundwissen betrachtet man Verpackungen oft mit ganz anderen Augen. Denn wie so oft im Leben ist eine schöne Hülle bei weitem nicht alles….

Auch unter dem Punkt “Nachhaltigkeit” haben wir das Verpackungsthema bereits beleuchtet. Den Beitrag dazu findet Ihr hier.

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