Flüssiger Kunststoff: Ein NoGo in Kosmetik

Mikroplastik ist in aller Munde. Doch während die winzigen Teilchen heiß diskutiert werden, spricht kaum jemand über die flüssige Form. Und auch die steckt in vielen Tiegeln…
FAKTEN Flüssiger Kunststoff: Ein NoGo in Kosmetik Bild: pixabay

Mittlerweile hat beinahe jeder davon gehört: Unterschiedlichste Beautyprodukte enthalten winzige Körnchen aus Plastik. Beim Abspülen landen sie inkognito im Abfluss. Und von da aus wandern sie dank ihrer geringen Größe auch in unser Trinkwasser – denn Klärwerke können Mikroplastik nicht vollständig herausfiltern.

Die unsichtbare Gefahr

Während das Bewusstsein für die Problematik steigt und erste Verbote nach sich zieht, lauern im Schatten weitere Gefahren: Kunststoffe in flüssiger, gel- oder wachsartiger Form, die sich auch weiterhin im schwer lesbaren Kleingedruckten verstecken und in der fertigen Formulierung nicht auszumachen sind. Sie sollen den Glanz verbessern, für einen guten Auftrag sorgen, eine sanfte Filmschicht bilden oder den Schutz vor UV-Strahlen erhöhen. Genau wie ihre festen Verwandten, gelangen sie aber beim Reinigen oder Abduschen ins Abwasser – und so in unsere Gewässer. Sie sind oftmals langlebig und nicht selten umweltschädlich. Mit dem Verzehr von Fisch (als Anreicherung im Gewebe) oder dem Genuss von (Mineral-)Wasser gelangen sie schließlich in unserer Nahrungskette. Die wasserlöslichen künstlichen Polymere sind dabei mindestens genauso bedenklich wie ihre umstrittenen Vettern. Und trotzdem werden sie regelrecht unter den Teppich gekehrt…

Verzicht als Vorwand

Einige Hersteller konventioneller Kosmetik behaupten, sie würden bereits auf Mikroplastik verzichten. Sie berufen sich dabei auf individuelle Verpflichtungen – gesetzliche Verbote, wie zuletzt in Schweden, gibt es kaum.

Offizielle Stellen wie der Industrieverband Cosmetics Europe und das Umweltministerium sprechen von einem freiwilligen Verzicht auf Mikroplastik innerhalb der nächsten zwei Jahre. 2020 gilt als offizielle Zielsetzung. Der Begriff Mikroplastik bezieht sich auch in diesem Zusammenhang aber nur auf feste Plastikpartikel und auch lediglich als Bestandteil von Rinse-of-Produkten, die nach der Anwendung wieder abgewaschen werden. Flüssige, gel- oder wachsartige Polymere sind in der freiwilligen Selbstverpflichtung genauso wenig inbegriffen wie Produkte, die auf Haut oder Haaren verbleiben.

Alle in kosmetischen Mitteln enthaltenen festen Partikel aus Kunststoff in einer Größe kleiner/gleich 5 Millimeter werden als Mikroplastik bezeichnet. Eine Untergrenze der Größe gibt es dabei nicht. Die Definition bezieht sich ausschließlich auf feste, wasserunlösliche Partikel. (Quelle: Umweltbundesamt)

Ein abschätzbares Risiko?

Wasserlösliche Polymere sind kein Mikroplastik im Sinne der offiziellen Definitionen. Für jede der flüssigen Formen ist eine Bewertung etwaiger Gefahren nach Vorgabe des Chemikalienrechts möglich – verpflichtend ist diese jedoch nicht und wird auch nur selten vorgenommen. So bleibt meist unklar, welche Auswirkungen der Kunststoff aus dem Tiegel auf die Umwelt hat, von der Haut ganz zu schweigen…

Plastikfreie Produkte: So erkennt man sie

Garantiert ohne Mikroplastik in jeglicher Form kommt zertifizierte Naturkosmetik aus. Wer beim Einkauf auf die Qualitätszeichen von COSMOS, NATRUE, Ecocert und Co. achtet, findet mit Sicherheit keine Kunststoffe in der INCI.

Bei nicht zertifizierten Produkten ist solides Chemiewissen erforderlich. Plastik versteckt sich zum Beispiel hinter Begriffen wie Acrylate Copolymer, Acrylate Crosspolymer, Dimethicone oder Cyclopentasiloxane/ Decamethylcyclopentasiloxan (Silikone), Polyquaternium, Polyethylen (auch PEG) oder Polyacrylat.

Greenpeace bietet eine Checkliste für den Geldbeutel zum Download an, auf der diverse Formen von Kunststoffen aufgelistet sind. Genau hinsehen lohnt sich!

Zum Weiterlesen empfehlen wir:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.