Mikroplastik in Naturkosmetik?

Naturkosmetik ist frei von Mikroplastik. Punkt. Oder doch besser Fragezeichen? Unter Umständen können sich auch in Bio-Beauty Kunststoffe verstecken. Worauf Ihr achten solltet und wie der Markt sich entwickelt.
Mikroplastik in Naturkosmetik

Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet unter anderem auf Mineralöle. Allein deshalb sind auch mineralölbasierte Kunststoffe ein Tabu in den Rezepturen. Leider sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, also Bioplastik, aber eine Ausnahme, die durchaus Verwendung in einigen INCIS findet…

Im grünen Mäntelchen

In erster Linie ist hier die Rede von Polymilchsäure oder Polylactid Acid (PLA). Der Rohstoff basiert auf nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Zuckerrohr oder Mais). Prinzipiell ist diese Form von Polyester bioabbaubar. Aber wie lange dauert das? Und wofür ist Bio-Kunststoff in Kosmetik überhaupt gut?

Plastik vs. Bioplastik: Wo liegt der Unterschied?

Fakt ist: Dass (Bio) Mikroplastik in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt ist, kollidiert mit der Erwartungshaltung vieler Verbraucher. Zertifizierte Produkte sollten doch grundsätzlich frei von Kunststoffen sein? Auf Nachfrage des Magazins utopia.de begründet Dr. Mark Smith, Director General von NATRUE, die Verwendung von Polymilchsäure so: „Polymere wie PLA sind im NATRUE-Standard inbegriffen, weil sie unter Berücksichtigung der Anforderungen an Ursprung und Produzenten hergestellt werden können, und weil sie biologisch abbaubar sind.“

Und in der Tat: Gemäß der internationalen OECD-Richtlinien (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), gilt Polymilchsäure als grundsätzlich abbaubar. Klartext: Unter bestimmten Bedingungen sind nach 28 Tagen über 70 Prozent des Stoffes abgebaut. Polyethlyen-Partikel hingegen, also klassische Mikroplastikteilchen, können bis zu 1.000 Jahre in der Umwelt verbleiben.

Im Einsatz: Polymilchsäure in Kosmetik

Wie für Mikroplastik üblich, findet auch Polymilchsäure vor allem in Peelings Einsatz, aber auch in Augen-Make-up wie Mascara. Wir haben einige Hersteller kontaktiert und sie nach Gründen für und auch gegen den Rohstoffeinsatz gefragt:

Cara Bentrup, Leitung Unternehmenskommunikation der LOGOCOS Naturkosmetik AG stand uns Rede und Antwort im Hinblick auf dekorative Kosmetik: „Für unsere Mascara SANTE Curl extend Extreme wurde PLA in Form feiner Fasern verwendet. Ziel war eine optische Verbesserung von Volumen und Länge der Wimpern durch das Auftragen der Mascara. Für die Verwendung dieser PLA-Fasern sprach unter den damaligen Gesichtspunkten ihre Zulassung durch NATRUE, unter anderem wegen ihrer Gewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen. Weiterhin überzeugten uns ihre technologischen Eigenschaften.“ Mittlerweile hat das Unternehmen aber von der Verwendung abgesehen: „Aufgrund der späteren Bestätigung des Herstellers, dass diese Fasern als ‚Mikroplastik‘ einzustufen sind, haben wir uns umgehend gegen eine weitere Verwendung in unseren Produkten entschieden“, so Cara Bentrup.

Auch die Li-iL GmbH, hinter der sich die beliebte Marke Dresdner Essenz verbirgt, meldete sich auf Nachfrage zu Wort: „Bei dem ‚Duschpeeling Freesie / Bergamotte‘ handelt es sich nicht um Naturkosmetik. Das Produkt wird von uns auch schon seit Jahren nicht mehr hergestellt oder vertrieben, weil wir kein PLA mehr in unseren Produkten verwenden möchten  – egal ob Naturkosmetik oder nicht. Seit 2020 gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und verzichten auch auf flüssiges Mikroplastik  wie z.B. Carbomer“, so Carolin Gläser, Online Marketing Managerin bei Li-iL. (Anmerkung der Redaktion: Das Unternehmen stellt sowohl zertifizierte, als auch naturnahe Rezepturen her.)

Zum Glück bilden Produkte mit Kunststoffeinsatz in der Naturkosmetik generell eine Ausnahme. Und es findet offenbar ein Umdenken zum Thema Mikroplastik bei den Herstellern statt.

Fazit

Wer auf mikroplastikfreie Produkte setzen möchte, ist mit zertifizierter Naturkosmetik auch weiterhin am besten beraten. Auch wenn PLA in den Naturkosmetik-Richtlinien erlaubt sind, kommen sie kaum zum Einsatz und sind in der INCI leicht zu enttarnen. Schwer abbaubare Polyethylen-Partikel bleiben gemäß der Standards auch weiterhin unerlaubt. Darüber hinaus verwendet Bio-Beauty großartige Alternativen zu Mikroplastik, die es sich zu entdecken lohnt.

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