Alles über Kosmetik mit und ohne Duftstoffe

Wir können sie meistens gut riechen, aber trotzdem nicht wirklich gut leiden: Duftstoffe. Besonders schwierig ist es mit den synthetischen Varianten, aber auch natürliche Duftstoffe sind umstritten. Mit dem Trend der reizarmen Kosmetik geht deshalb auch der Wunsch nach duftstofffreien Beauty-Produkten einher. Was sollte man unbedingt wissen?
FAKTEN Kosmetik ohne Duftstoffe Bild: Unsplash

Auch abseits vom Cremetiegel begegnen uns Duft- und Aromastoffe nahezu überall. Insgesamt über 3.000 verschiedene Arten! Diese Vielfalt macht uns den Alltag leider nicht gerade leicht, denn Unverträglichkeiten sind keine Seltenheit. Von einer Aversion gegen bestimmte Gerüche, über Kopfschmerzen, bis hin zu Atemnot und Schwindelanfällen reicht die Palette der Beschwerden. Wie es dazu kommt, ist leider noch unklar.

Eine andere Form der Reaktion sind sogenannte Duftstoff-Allergien – eine heftige Reaktion des Immunsystems. Dabei kommt es zu Rötungen, Schwellungen, Bläschen oder Schuppungen auf der Haut. Laut des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) reagieren rund zwölf Prozent der Bevölkerung auf häufig verwendete Duftstoff-Allergene. Sie sind (nach Nickel) damit der häufigste Auslöser von Kontaktallergien. Ein guter Grund, sie zu meiden. Wer ihnen in Kosmetik aus dem Weg gehen will, hat es aber nicht ganz leicht…

Die Kennzeichnung

Lediglich Duftstoffe, die eine bestimmte Konzentration übersteigen, müssen namentlich in der INCI-Deklaration aufgeführt werden: Bei Produkten, die nicht auf der Haut verbleiben (z.B. Duschgele, Shampoos) beträgt die Grenze 0,01%. Und in Produkten, die auf der Haut verbleiben (z.B. Lotionen, Make-up, Cremes, Deos) liegt sie bei 0,001%. Alles darunter, kann unter der Sammelbezeichnung “Parfum“, „Fragrance“ oder „Aroma“ deklariert werden.

Die Ausnahme bilden 26 Duftstoffe, die durch ein hohes Allergiepotential aufgefallen sind. Sie müssen einzeln mit ihrem INCI-Namen auf der Produktverpackung aufgeführt werden. 18 davon sind natürlich vorkommende Bestandteile ätherischer Öle, die aber auch synthetisch hergestellt werden können: Linalool, Limone, Farnesol, Citronellol, Benzyl Cinnamate, Benzyl Benzoat, Anise Alkohol, Isoeugenol, Geraniol, Eugenol, Coumarin, Citral, Cinnamal, Cinamyl Alkohol, Benzyl Salicylate, Benzyl-Alkohol, Eichenmoosextrakt, Baummoosextrakt.

Die anderen 8 kommen in der Natur gar nicht vor und können deshalb nur synthetisch erzeugt werden: Amylcinnamal, Hydroxycitronellal, Amylcinnamylalkohol, 4-(4-Hydroxy-4-methylpentyl)-3-cyclohexencarboxaldehyd 1), 2-(4-tert-Butylbenzyl)propionaldehyd, Hexylzimtaldehyd,Methylheptin-carbonat(2-Octinsäure-methylester), 3-Methyl-4-(2,6,6-trimethyl-2-cyclohexen-1-yl)-3-buten-2-on.

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Synthetische Duftstoffe

Natürlich vorkommende Duftstoffe können schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Labor chemisch nachgebaut werden. Neben dem günstigen Preis haben die synthetischen Varianten den großen Vorteil, dass sie viel länger haltbar sind als ihre natürlichen Vorbilder und auch nicht so schnell „verfliegen“.

Leider sind die Auswirkungen synthetischer Duftstoffe bisher kaum erforscht, ihr Risikopotential dafür hinreichend bekannt. Darüber hinaus bergen vor allem komplexe Mischungen verschiedenster Komponenten Gefahren – denn die Wechselwirkungen von Duftstoffen sind sogar noch weniger wissenschaftlich untersucht.

Naturkosmetik verzichtet von Haus aus auf Aromen aus dem Chemiebaukasten: Synthetische Duftstoffe sind gemäß der Kriterien aller Qualitätszeichen für zertifizierte Naturkosmetik tabu.

Natürliche Duftstoffe

Ätherische Öle und Pflanzenextrakte sind tolle Zutaten – solange man sie verträgt. Bei Allergikern und sensiblen Hauttypen können darin enthaltene Inhaltsstoffe, wie eben diverse natürliche Duftstoffe, jedoch ebenfalls zu Reaktionen führen. Und das macht auch Naturkosmetik nicht ganz risikolos.

Isolierte Inhaltsstoffe: gesteigerte Gefahr

Ein Allergierisiko gegenüber Duftstoffen besteht bei der synthetische, als auch der natürlichen Variante. Grundsätzlich kann jeder Inhaltsstoff eine Reaktion auslösen. Und welche Variante bringt höhere Risiken mit? In einer Studie des BDIH zeigten 50 Personen, die im Allergietest auf den isolierten Duftstoff Geraniol sensibel reagiert hatten, keine allergische Reaktion auf ätherische Öle, die Geraniol enthalten. Aus diesem Grund werden in Naturkosmetik Rohstoffe vorwiegend als Ganzes eingesetzt. Konventionelle Kosmetika mit synthetisch gezielt einzeln hergestellten Duftstoffen verfügen demnach über ein gesteigertes Allergiepotential.

Duftneutral vs. duftstofffrei

Wer ganz auf manipulierte Gerüche in seiner Kosmetik verzichten möchte, sollte genau hinsehen: Als „duftneutral“ ausgelobte Produkte sind nicht unbedingt auch duftstofffrei“. Sie können möglicherweise Duftstoffe enthalten, die den Eigengeruch bestimmter Inhaltsstoffe überdecken. Definitiv ein leeres Versprechen

Um gezielt maskierte Aromen zu umgehen, hilft nur eine detaillierte Analyse der INCI oder der Kauf auf Empfehlung: Auf Anfrage verschickt der Deutsche Allergie- und Asthmabund eine Liste von Produkten mit Prüfsiegel.

[Werbung ohne Auftrag] Bei Ida von Herbs and Flowers gibt es zudem eine hilfreiche Übersicht von 120 Naturkosmetikprodukten, die ebenfalls komplett auf Duftstoffe verzichten.

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